Stop 18: China - Dali - Lijang - Shangri-La (09.03.2015 - 19.03.2015) von Und weg
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Stop 18: China â Dali - Lijang - Shangri-La - Wir verstehen nur Chinesisch!
Der Wecker klingelt frĂŒh, 4.45 Uhr um genau zu sein. Wir mĂŒssen noch ein wenig packen und zum Busbahnhof auĂerhalb von Luang Prabang kommen um unseren Ăberlandbus nach Kunming, China zu erwischen. PĂŒnktlich um 7 Uhr setzt sich das GefĂ€hrt in Bewegung. Unglaublich kaputte StoĂdĂ€mpfer, jede Menge rauchende und rotzende Chinesen im Bus sowie ekelhaft dreckige Betten - wenn das mal nichts ist. :) Die ersten Stunden vergehen, die StraĂen sind staubig und uneben, wir wackeln so dahin und fragen uns, wann wir wohl endlich die erste Pause einlegen werden!? Immerhin muss ja jeder mal pinkeln und was essen â denken wir. Die chinesischen Busfahrer machen nach ein paar Stunden mal einen kurzen Stopp entlang der staubigen Piste auf der jeder einmal hinterm Bus verschwinden kann und dann geht es auch schon weiter. Die Fragen, wann wir denn endlich zu Mittag essen, werden boshaft mit jeder Menge Missachtung ignoriert und so geht der Tag dahin. Als wir gegen 17 Uhr die Grenze erreichen und immer noch nicht zur Mittagspause angehalten haben, werden wir langsam etwas ungeduldig. In der Hoffnung auf Pausen alle 2 bis 3 Stunden wie es bei Ticketkauf angekĂŒndigt wurde (immerhin hat der Bus keine Toilette) hatten wir nichts weiter zu essen eingepackt â grober Fehler. Eine nette Chinesin ĂŒbersetzt fĂŒr uns und wir werden wieder recht boshaft zu unseren Betten âgebetenâ, in weiteren 2-3 Stunden wird es Essen geben. Gegen 21 Uhr hĂ€lt der Bus dann doch im Dunkel der Nacht und wir dĂŒrfen in einem ĂŒberteuerten chinesischen Lokal einkehren, weit und breit nichts anderes zu sehen⊠sehr nett! Wir sind dann froh, dass es wenigstens endlich Nacht ist und wir schlafen können. Mitten in der Nacht werden wir noch einmal geweckt, wir machen jetzt eine Pause, mitten im Nichts. âUns doch egal, macht was ihr wollt.â Was wir jedoch nicht verstehen können ist, warum der Bus den ganzen versch*ssenen Tag nicht anhĂ€lt und dann nachts drei Stunden in der Pampa steht und alle Fahrer (3 oder 4) und sonstige chinesischen âGeschĂ€ftsleuteâ einfach mal verschwunden sind â na wenigstens ist der Bus in diesen Stunden einmal rauchfrei und wackelt nicht. Am nĂ€chsten Morgen gegen 9.30 Uhr, der Busfahrer hat bereits seine erste Schachtel Kippen leer, kommen wir letztlich ziemlich gebeutelt in Kunming an. Fazit: Chinesische Reisebusse, insbesondere Nachtbusse sind nichts fĂŒr schwache Nerven. Aber es war mal wieder eine unvergessliche Erinnerung.
Kunming ist etwa so, wie wir uns eine chinesische GroĂstadt vorgestellt haben: Chaos pur, 6 Mio. Einwohner, keiner spricht nur ein Wort Englisch. Wir stehen das erste Mal ein wenig ratlos auf dem riesigen Vorplatz des Busbahnhofes, der wie ein Flughafen wirkt. Irgendwann finden wir doch den richtigen Weg zur Metro und können uns auf in die Stadt zu unseren Couchsurfing-Hosts RĂ©mi und Corinna machen. Die Italienerin und der Franzose leben schon lĂ€nger in China und verdienen ihr Brot als Englisch- bzw. Französischlehrer (wie jeder AuslĂ€nder in China) und sprechen beide nahezu perfekt Chinesisch. Die Beiden leben in einem typisch chinesischen Wohnviertel. Insgesamt sind wir sechs Leute in der kleinen Wohnung, die vorgenannten Personen sowie Corinnas Bruder Egon und eine finnische Freundin Lisa, mit der wir uns ein 8 qm Zimmer teilen. Wohnraum in China ist eben begrenzt.
Bevor wir am nĂ€chsten Morgen mit dem Sightseeing starten können, steht noch etwas anderes auf dem Plan: Als AuslĂ€nder muss man in China jederzeit bei der örtlichen Polizeibehörde angemeldet sein. Im Normalfall ĂŒbernehmen dies die Hotels in denen man nĂ€chtigt, da wir jedoch couchsurfen, bleibt diese Aufgabe an uns und unserem Gastgeber hĂ€ngen. Wir stiefeln also allesamt zum Polizeirevier, mĂŒssen ein paar Fragen beantworten, PĂ€sse und Mietvertrag der Wohnung vorzeigen und einige Formulare ausfĂŒllen. Ganz schön viel, was die Chinesen da verlangen. Eine gute Stunde spĂ€ter sind wir jedoch registriert und der Tag kann beginnen. Wir besichtigen den Tempel Xuning etwas oberhalb der Stadt und essen zu Mittag bei einem typischen Mönch-Buffet. Man zahlt 10 Yuan und kann sich den Teller so oft vollschlagen wie man will, rein vegetarisch natĂŒrlich. Ăberhaupt ist vegetarisch oftmals die bessere Alternative, wie sich spĂ€ter noch herausstellen soll. SpĂ€ter am Nachmittag entschlieĂen wir uns noch den Art District zu besuchen, Fines Freundin Dani hat vor ca. 5 Jahren ein Praktikum in einer Galerie absolviert und wir wollen es uns nicht nehmen lassen, ebendieser Galerie und ihrer Besitzerin Liu Lifen einmal einen kleinen Besuch abzustatten. Liu Lifen ist ĂŒberrascht, erinnert sich jedoch noch sehr gut an Daniela und freut sich uns ein wenig ihre Galerie zu zeigen. Und immerhin springt auch noch ein superduper Cappuccino heraus - der beste seit nunja bestimmt einem halben Jahr. :) Am Abend gehen wir mit der versammelten Mannschaft noch etwas im Studentenviertel essen. Es gibt âJiaoziâ in allen Variationen (gedĂ€mpft, gedĂ€mpft in ErdnusssoĂe und frittiert) sehr lecker, aber irgendwie gab es das doch schonmal⊠achja das sind Momos oder bei uns eine Art Ravioli. So heiĂen die Teile jedenfalls in Nepal. ;) Den nĂ€chsten Tag verbringen wir mit dem Besuch des Flower- und Birdmarket einem Stadtbummel sowie dem Besuch eines ziemlich grausigen Secondhand Markts auf dem Fine immerhin ein schickes Seidentuch ergattert. :)
FĂŒr den nĂ€chsten Tag steht die erste Zugfahrt in China an, wir haben Tickets fĂŒr den Zug nach Dali ergattert, jedoch konnten wir auch hier froh sein, Corinna dabei zu haben, denn ohne chinesische Kenntnisse wĂ€ren wir aufgeschmissen gewesen. Chinesische Beamte verstehen nicht nur kein Englisch, sie stellen sich zudem auch noch ĂŒberaus d*mlich an. Immerhin sind wir jetzt zumindest auf den Tickets nach Dali und Lijiang verheiratet, unser beider Familienname lautet: âDeutschâ :) Die Fahrt an sich ist sehr angenehm, die Bahnhöfe zwar hoffnungslos ĂŒberfĂŒllt, doch im Zug beruhigt sich alles und wir können die Aussicht auf die Reisterrassen und die wunderschöne Berglandschaft auf dem Weg nach Dali genieĂen. Das chinesische LiebespĂ€rchen neben uns flirtet dezent, schaut verlegen und schickt sich kichernd Handynachrichten zu.
Die nĂ€chsten beiden Tage verbringen wir damit diesen wunderschönen historischen Ort zu erkunden. Es gibt erstes Sichuan-Essen (sehr scharf und mit Sichuanpfeffer gewĂŒrzt, der die Zunge oder besser den ganzen Mund taub werden lĂ€sst) und ĂŒberhaupt jede Menge Neues zu entdecken. Was uns allerdings ein wenig die Stimmung vermiest sind die unzĂ€hligen chinesischen Touristengruppen, die lautstark durch die Altstadt gefĂŒhrt werden. Wir entziehen uns dieser Tortur und starten eine Wanderung zum so genannten âCloud-Forrestâ. Wir wandern den Berg nach oben zu einem Wanderweg, der hoch oben ĂŒber der Stadt in den Bergketten des Cangshan-Gebirges verlĂ€uft. Die 40 Yuan Eintritt wurden hier jedenfalls wenigstens fĂŒr etwas genutzt. Der Weg ist sauber gepflastert, ĂŒber den Nutzen eines gepflasterten Wanderweges lĂ€sst sich streiten, jedoch sieht man, dass das Geld investiert wird. Ăberhaupt merkt man in China, dass die z.T. recht ĂŒppigen Eintrittsgelder zumindest zu einem groĂen Teil fĂŒr den Erhalt und den Ausbau der jeweiligen SehenswĂŒrdigkeit eingesetzt wird. Als wir am spĂ€ten Nachmittag ca. 10 km weiter sĂŒdlich wieder von den Bergen herunter und an der groĂen FernstraĂe stehen, beschlieĂen wir den RĂŒckweg einmal auf andere Weise zu bestreiten. Zwar denken wir, dass das Konzept âHitchhikingâ oder âAutostopâ in China eher unbekannt ist und wahrscheinlich eh nur private Taxis anhalten werden, aber einen Versuch ist es wert! Daumen raus und siehe da, keine Minute spĂ€ter stoppt ein Auto neben uns und eine Gruppe lustiger Chinesen guckt uns an. Der Fahrer fragt in gutem Englisch wohin wir denn wollen? âDaliâ ist unsere Antwort. âKommt reinâ! Da lassen wir uns nicht lange bitten. Der Fahrer bringt uns zurĂŒck in die Stadt und wir sind doch etwas ĂŒberrascht, dass das so gut geklappt hat. Unser erster âAutostopâ und das in China - sollten wir öfter mal probieren. Unsere Zeit in China ist knapp und so steht fĂŒr den nĂ€chsten Morgen auch schon die nĂ€chste Zugfahrt an. Dieses Mal geht es nach Lijiang, Couchsurfing mit Terry ist angesagt. Terry ist ein netter junger Chinese und darĂŒber hinaus Angestellter der Regierung. Er meint seine Arbeitskollegen sollten lieber nicht wissen, dass er in seiner Arbeitswohnung AuslĂ€nder beherbergt. Na das geht ja gut los. :) Terry zeigt uns den Black Dragon Pool und die zauberhafte historische Altstadt von Lijiang, die zum UNESCO Weltkulturerbe zĂ€hlt und lĂ€dt uns obendrein zum Hot-Pot Essen ein. Alles in allem eine wunderbare Erfahrung! Chinesen sind zwar sehr eklig, unnahbar, rĂŒcksichtslos und egoistisch wenn man ihnen auf der StraĂe begegnet, wenn man sie jedoch nĂ€her kennenlernt, sind sie sehr herzlich, zuvorkommend und nett! Die Essensrituale, die wir beim Hot-Pot mit Terry erfahren, sind sehr anstrengend, da jeder jedem stĂ€ndig gegenseitig den Teller befĂŒllt und so gut wie vor jedem kleinen Schluck Tee ein Toast gesprochen wird. In Lijiang ist es auch mal wieder Zeit Bus- und Zugtickets zu besorgen. Ersteres funktioniert noch recht gut, bei den Zugtickets fĂŒr die spĂ€tere Weiterreise von Chengdu nach Xiâan sind wir jedenfalls mal wieder aufgeschmissen. Wir versuchen einen Zug in ca. einer Woche zu buchen, an diesem Tag fahren 11 ZĂŒge diese Verbindung, leider sind alle angenehmen Schlafmöglichkeiten in allen ZĂŒgen ausgebucht und ĂŒberhaupt gĂ€be es nur noch StehplĂ€tze. STEHPLĂTZE??? Wer um alles in der Welt stellt sich freiwillig 15 Stunden lang in einen Zug? Am spĂ€ten Abend bemĂŒhen wir Terry doch noch einmal mit uns zu einer Zugagentur zu gehen, dank der chinesischen Sprache und etwas verhandeln scheint es plötzlich doch möglich uns noch zwei SitzplĂ€tze (Hard-Seats, also die unbequemsten ohne Verstellmöglichkeit) zu reservieren. Immerhin etwas denken wir uns und kaufen die Sitze. Wer hĂ€tte gedacht, dass es so schwer sein kann Zugtickets zu organisieren und wer hĂ€tte gedacht, dass es dieses Mal nicht an unzĂ€hligen westlichen Touristen liegt, von denen sieht man hier nĂ€mlich so gut wie nichts. Ăberhaupt werden wir stĂ€ndig von oben bis unten gemustert und unglĂ€ubig angestarrt. Â
Der Bus am nĂ€chsten Morgen bringt uns nach Shangri-La, die Stadt die eigentlich Zhongdian heiĂt und nur aufgrund des Romanes âLost Horizonâ von James Hilton umbenannt wurde. Die Chinesen lassen sich eben etwas einfallen um ihre Touristenorte zu promoten. Der Name jedenfalls spricht fĂŒr einen magischen Ort. Am Busbahnhof angekommen sieht die Stadt aus wie jede andere mittelgroĂe chinesische Stadt: hĂ€sslich! In der Altstadt angekommen stellen wir fest, dass das Feuer im letzten Jahr scheinbar doch nicht nur 20 % sondern so gut wie alles der Altstadt erwischt hat. Jedenfalls befindet sich nahezu die komplette Altstadt im Wiederaufbau. Zum GlĂŒck hat das Feuer den zentralen Tempel und die gröĂte GebetsmĂŒhle der Welt nicht erwischt. Echt beeindruckend dieses Riesenteil. Es braucht mindestens sechs Menschen um die MĂŒhle in Gang zu bringen.
Am nĂ€chsten Morgen planen wir einen kleinen Ausflug inkl. lĂ€ngerem FuĂmarsch zum Kloster Ganden Songtsenling, welches dem tibetischen Buddhismus zuzuschreiben ist und fĂŒr Leute die nicht nach Lhasa in Tibet reisen eine kleine Alternative zum dortigen Kloster darstellt. Doch zunĂ€chst einmal trifft uns der Schlag als wir losmarschieren wollen. Zwar hatten wir schon gemerkt, dass es sehr kalt war die Nacht (die Heizdecken in den Betten glĂŒhten auf Höchstleistung) aber dass es drauĂen schneit hatten wir nicht geahnt. Fine also nochmal rein, in die wasserdichten Schuhe geschlĂŒpft und ab geht die Luzi in diesem Sauwetter. NatĂŒrlich umgehen wir wie immer wenn möglich die Eingangsbereiche und in China sind sie mal wieder echt unverschĂ€mt was Eintrittspreise angeht. Wir gehen zu FuĂ statt den Bus zu nehmen, das reicht in diesem Fall schon. Einmal um den See marschiert (der im Ăbrigen den besten Blick auf das riesige Kloster gewĂ€hrt) und schwupps zum Seiteneingang rein. Das ist das erste Mal auf unserer Reise, dass uns ein wenig mulmig ist beim reinschleichen, denn die Tore sind von richtigen WachmĂ€nnern bewacht. Wir erwischen den Wachmann jedoch mit dem RĂŒcken zu uns â zisch...nun aber schnell. Herzklopfen! Und immer im Hinterkopf âScheiĂe, wenn die uns erwischen landen wir im chinesischen Knast...und bekommen die Todesstrafe! Ahhh!â Zack: VerdrĂ€ngt...und drin. Puhhhh! Check â check. Es ist schon sehr beeindruckend was die Buddhisten hier hingeflanscht haben. Monströse Bauwerke inkl. riesiger Buddhafiguren sĂ€umen das Feld. Dieser magische Ort ist definitiv eine Reise wert befinden wir, 20 Euronen Eintritt pro Person allerdings nicht. :)
Gegen frĂŒhen Nachmittag sind wir vom Ausflug wieder zurĂŒck im Hotel und warten gespannt auf den Abend, denn wir haben einen Flug gebucht um uns einen kompletten Reisetag zu sparen. Das Ziel vom Miniflughafen auf 3.200 m Höhe heiĂt Chengdu in der Sichuan-Provinz. Bevor es in den Flieger geht, setzen wir und nochmal in den âNichtraucherbereichâ, neben einen RaucherâŠFine zeigt dem Chinesen genervt das riesige âNichtraucher-Schildâ, der Chinese zuckt mit den Schultern, der chinesische Sicherheitsmann auch, beide lachen sich an...uuuund weg!















