11. Februar 2020
Ma eyes feel awright, thanks for askin
Ich habe immer noch Probleme mit den Augen und kann nachts manchmal nicht gut lesen. Weil ich gerade “Trainspotting” noch mal gesehen habe, lese ich ein Buch von Irvine Welsh, und weil es mich stört, dass ich nur eine ungefähre Vorstellung von der Aussprache habe, möchte ich gern endlich mal das Hörbuch hören. Nicht das zum gerade gelesenen Buch, aber das zu Trainspotting, denn da kenne ich die Geschichte und kann vermutlich auch unverständlichen Passagen halbwegs folgen. Ich hatte es schon mal, vor etwa zwanzig Jahren, damals auf zwei Kassetten (stark gekürzt vermutlich), habe diese Kassetten aber aus inzwischen vergessenen Gründen nie angehört.
Amazon teilt mir mit, dass ich entweder 27,95 Euro bezahlen oder ein Audible-Abo abschließen müsste. Das eine finde ich zu teuer, und das andere überflüssig, da ich eigentlich kein Interesse an Hörbüchern habe. Nur eben an diesem einen. Ich suche ein bisschen, ob es vielleicht günstigere Anbieter gibt, finde aber nur andere zweifelhafte Abodienste.
Vielleicht gibt es ja irgendwas bei YouTube, fällt mir ein. Ich nutze YouTube viel mehr als früher, aber immer noch nicht so oft, dass das mein erster Gedanke wäre. Tatsächlich gibt es bei YouTube “ASMR Trainspotting”: Ein guter Mensch liest flüsternd auf Schottisch das ganze Buch vor, pro Kapitel ein Video. Das Flüstern finde ich sogar angenehmer als die theatralische Betonung in professionellen Hörbüchern. Die Aufnahmequalität ist nicht gut, und ein ASMR-Kribbeln verspüre ich auch nicht beim Zuhören, aber das ist mir egal. Ich lege das Handy auf mein Schlüsselbein und schlafe zufrieden irgendwo im zweiten Kapitel ein.
Am nächsten Tag stellt mir “Google Opinion Rewards” Fragen zu meiner YouTube-Nutzung in den vergangenen 24 Stunden, angeblich, um damit meine YouTube-Experience zu verbessern. Ob ich die Zeit gut verbracht fand? Ich entscheide mich für die Antwortoption “extremely well spent”. Die Frage, ob meine Augen durch YouTube übermäßig beansprucht wurden, ist auch leicht zu beantworten.
Die letzte Frage lautet: “Since yesterday, how happy were you with the amount of time you spent on YouTube?” Ich überlege ein bisschen, denn eigentlich wäre ich ja gern noch länger wachgeblieben, entscheide mich dann aber doch für “extremely happy”.
(Kathrin Passig)






















