Hausaufgaben automatisieren mit Projekt Gutenberg
Ich studiere Anglistik und Computerlinguistik im Bachelor und muss fĂŒr ersteres unter anderem Literaturkurse belegen. Den Aufwand dafĂŒr versuche ich zu minimieren, aber die Werke, die im Lehrplan stehen, will ich schon kennen, also besser kennen als nur die Zusammenfassung auf Wikipedia gelesen zu haben.
Die Vorlesung âShakespeares wichtigste Tragödienâ (oder so Ă€hnlich) behandelt sechs oder sieben StĂŒcke. Ich finde es ziemlich mĂŒhsam, Dramen selbst zu lesen, weil ich immer die Namen der Figuren ĂŒberlese und dann nicht weiĂ, wer was sagt. Auf Projekt Gutenberg finde ich Audioversionen der Werke, die ich mir beim Einschlafen anhöre. Das Problem mit den Namen ist damit teilweise gelöst: Die Werke werden zwar jeweils von einer Person gelesen, aber man gibt sich MĂŒhe, den Figuren etwas unterschiedliche Stimmen zu geben.
Um eins der StĂŒcke abends anhören zu können, muss ich folgende Dinge tun:
Den Namen des StĂŒcks auf gutenberg.org eingeben und in den verschiedenen Versionen suchen, ob es eine Audioversion gibt.
Alle dazugehörigen Dateien auf meinen Computer herunterladen. Beim Aufschreiben 2019 bin ich mir unsicher, ob ich ein Archiv herunterlade oder alle 20 bis 30 Dateien einzeln verarbeiten muss. Ich bin auch zu faul, die zwischenzeitlich implementierte Sperrung von gutenberg.org fĂŒr deutsche IPs zu umgehen, um das zu prĂŒfen.
Meinen Cowon J3 MP3-Player mit der 32-GB-Speicherkarte mit dem proprietĂ€ren Cowon-USB-Daten-und-Lade-Kabel an den Computer anschlieĂen, um die heruntergeladenen Dateien auf das GerĂ€t zu kopieren. Ich kopiere immer nur wenige Dateien gleichzeitig auf das GerĂ€t und lösche die alten, damit ich auf dem kleinen GerĂ€t nicht so viel scrollen muss. AuĂerdem kann ich so nachts den Modus âAlle Dateien im Verzeichnis abspielen, dann automatisch das GerĂ€t ausschaltenâ nutzen.
Das Seminar âDer scharlachrote Buchstabe aus feministischer Perspektiveâ (oder so Ă€hnlich) behandelt ein einziges Buch, nĂ€mlich The Scarlet Letter von Nathaniel Hawthorne. Auch dieses Buch höre ich mir mit der oben beschriebenen Methode an. ZusĂ€tzlich habe ich eine Papierausgabe, die ich zwar einmal zum Kurs mitbringe, dann aber nie wieder. Im Unterricht arbeite ich mit meinem Laptop und der Plaintext-Version des Buchs, die ich von gutenberg.org habe. Wenn ĂŒber bestimmte Textstellen gesprochen wird, muss ich nur einige Wörter zusammen in die Volltextsuche in meinem Texteditor eingeben, um an die richtige Stelle des Buchs zu springen.
Eine Aufgabe im Seminar besteht darin, die handelnden Figuren zu charakterisieren und ihre Beziehungen zueinander zu beschreiben. Ich finde das relativ schwer, weil es eine Menge Leute gibt, die zwar namentlich genannt werden, die ich mir aber einfach nicht merken kann, und ich verwechsele auch dauernd die Dorfbewohner mit anderen Dorfbewohnern.
Ich bin aber auch Computerlinguistin, deswegen fĂ€llt mir zum GlĂŒck eine Lösung ein. Mit der Plaintext-Version von The Scarlet Letter, die ich mir von gutenberg.org herunterlade, kann ich die Charakterisierungs-Aufgabe automatisieren. Ich schreibe mir ein Skript, das im Text nach Eigennamen sucht, die besonders hĂ€ufig vorkommen, und mir die typischen Kollokationen dieser Namen ausgibt. Der Namensfilter besteht vermutlich nur daraus, dass ich nach den hĂ€ufigsten Kombinationen zweier aufeinander folgender groĂgeschriebener Wörter suche. Das reicht fĂŒr dieses Werk in englischer Sprache aus.Â
Das Skript ist sehr simpel, aber es muss fĂŒr mich ja auch nur eine ErinnerungsstĂŒtze sein, weil ich den Inhalt des Buchs kenne. (Zum Aufschreibezeitpunkt 2019 wĂ€re ich vermutlich in der Lage, mir das Selbstlesen ganz zu sparen und meine gesamte Teilnahme am Seminar zu automatisieren.) Ăbrigens stelle ich fest, dass es bei einigen Dorfbewohnern gute GrĂŒnde gibt, sie zu verwechseln, weil sie nĂ€mlich sehr viele hĂ€ufige Kollokationen miteinander teilen.Â