Ungefähr 1985, wir sind wenig älter als zehn Jahre, und August 2026, ich bin inzwischen etwas erwachsen geworden, aber
Keine Funkverbindung auf der Fähre
Wahrscheinlich weckt nicht nur bei mir ein Taschenmesser nostalgische Erinnerungen an Kindheitsabenteuer. Bei Funkgeräten geht es mir ähnlich.
Es ist ungefähr 1985, und mein bester Freund Henrik (Name geändert) besitzt ein CB-Handfunkgerät. Wir nennen es die „Handquetsche“, manchmal auch nur seine „Quetsche“ oder die „Funke“. Man darf sich beim Lesen dieser Wörter einen sehr begeisterten kindlichen Unterton vorstellen.
Ich finde das Gerät großartig. Ich hätte auch gerne eines.
Frequenzmodulation mit für uns unüberschaubar vielen Kanälen und bis zu vier Watt Sendeleistung. Eine Rauschunterdrückung – damit man nicht nur am Rauschen hört, dass man einander nicht versteht. Und vor allem: eine ewig lange Antenne. Bei 27 MHz des CB-Funks, entsprechend elf Metern Wellenlänge, braucht es schließlich einiges an Draht, damit der Strahler einen einigermaßen brauchbaren Wirkungsgrad erreicht.
Für einen gemeinsamen Urlaub in Schweden kann auch ich mir ein solches Funkgerät von einem Freund ausleihen. Und so fahren wir mit unseren Eltern nach Schweden – in zwei Autos, die theoretisch per Funk miteinander verbunden sind.
Unterwegs machen wir viele Pausen. Manchmal fahre ich bei Henriks Eltern mit, manchmal fährt er bei meinen Eltern mit. Wenn wir jedoch in getrennten Autos sitzen, beginnt der beste Teil der Reise: Zu regelmäßig vereinbarten Zeitpunkten werden die Antennen ausgefahren, aus den Autofenstern gehalten, um aus dem Blechkasten des Autos herauszukommen, und Kommunikationsversuche unternommen.
„Hallo, Henrik, kannst du mich hören?“
„Das habe ich nicht verstanden. Kannst du mich hören? Bitte wiederholen!“
In meiner Erinnerung ist das ganz wunderbar. Ein echtes Abenteuer. Bei unseren Eltern und Geschwistern löst es eher Spott aus.
Der Überlieferung nach versuchen wir über die Funkgeräte vor allem herauszufinden, wann die nächste Pause stattfinden soll. Meist gelingt das nicht rechtzeitig vor der nächsten Pause.
Außerdem wird erzählt, dass wir einmal längere Zeit versuchen, Kontakt aufzunehmen. Schließlich stehen die beiden Autos an einer Ampel direkt hintereinander. Eines unserer Geschwister steigt aus, läuft rasch zum anderen Wagen und fragt:
„Ist bei euch alles in Ordnung? Wir hören die ganze Zeit im Funkgerät, dass ihr versucht, uns zu erreichen.“
„Ja, wir wollten nur wissen, ob bei euch alles in Ordnung ist.“
Auch auf der Autofähre nach Schweden probieren wir die Funkgeräte natürlich aus. Und auch dort funktioniert alles ganz wunderbar gar nicht. Eine Fähre besteht schließlich zu erheblichen Teilen aus Stahl, und Stahl hat wenig Verständnis für die Kommunikationsbedürfnisse zweier Zehnjähriger.
Ein Zeitsprung: Im Sommer 2026 bin ich wieder in Schweden. Obwohl der Mobilfunkempfang bei den Reisen in den letzten Jahren dort ganz ausgezeichnet war, nehmen wir einige Meshtastic-Knoten mit. Vielleicht, denke ich, könnten sie sich im Wald oder auf einem abgelegenen See beim CoastSnappen als nützlich erweisen.
In Schweden benutzen wir sie wenig. Auf der Rückfahrt, auf der Fähre, fallen mir jedoch die Funkversuche meiner Kindheit wieder ein. Also möchte ich unbedingt Meshtastic an Bord ausprobieren. Rund vierzig Jahre später sind die Geräte also anders, digital, die Modulation ist raffinierter und die Nachrichten werden verschlüsselt, paketiert und gegebenenfalls über andere Knoten weitergereicht. Die Wellenlänge ist bei 868 MHz auf ungefähr 35 Zentimeter geschrumpft, und die Antenne passt als kleiner Stummel in das Gehäuse des Senders.
Die Funkstrecke besteht aber weiterhin aus Sendeleistung, Antennengewinn, Dämpfung und Hoffnung.
Leider habe ich den Akku meines Knotens in Schweden leergespielt. Geladen wird das Gerät über einen ärgerlichen proprietären magnetischen Anschluss. Das zugehörige Kabel liegt irgendwo, aber nicht auf der Fähre in meinem Rucksack.
Wahrscheinlich hätte es ohnehin keine Funkverbindung gegeben, auch für Meshtastic dürfte die Fähre eine hinreichend überzeugende Annäherung an einen faradayschen Käfig sein. So bleibt mir lediglich, im Techniktagebuch festzuhalten:
1985: Mit Handquetschen nahezu keine CB-Funkverbindung zwischen zwei Pkw; Antenne aus dem Fenster halten reicht nicht. Keine CB-Funkverbindung auf der Fähre. Aber viel Spaß dabei!
2026: Meshtastic und hervorragender Mobilfunk in der schwedischen Wildnis funktionieren. Kein Meshtastic auf der Fähre – das Link Budget scheitert am Energy Budget; nächstes Mal an das Ladekabel denken. Mobilfunk gibt es an Bord vor allem über eine potenziell teure Satellitenverbindung.
Aber dafür sehen wir auf der Fähre zwischen Malmö und Travemünde die Sonnenfinsternis und die Perseiden.
Und das ist insgesamt alles ganz wunderbar.