Kein Mensch sagte mir, wie schwer es ist mich selbst zu finden im Bezug auf meine Sexualität. Kein Mensch konnte es verstehen und erst recht nicht nachvollziehen.
Mein Outing mit 12 als Bisexuell, weil ich auf einmal in meine beste Freundin verliebt war. Dennoch war ich immer nur mit Jungs zusammen, immer monogam. Zwischendurch mal mit einer offenen Phase. Dann die Erkenntnis, ich möchte und kann keine monogamen Beziehungen führen. Mit dieser Erkenntnis habe ich erstmal eine lange Zeit Single gelebt, war nicht auf der Suche, musste erstmal alles verarbeiten. Ich erkannte, dass ich Pansexuell bin, denn das Geschlecht spielte für mich nie eine Rolle, es ging mir nur um den Menschen. Aber auch optisches war für mich nie interessant, ich habe nie verstanden, wenn Menschen sagten, dass sie jemanden heiß finden usw., dann erfuhr ich von Demisexualität und fühlte mich endlich normaler, weil es auch andere Menschen gibt, die fühlen wie ich!
Dann fand ich meinen Partner und wir waren direkt offen, ich kommunizierte, dass ich nicht monogam leben kann, weil ich das nicht bin und nicht kann. Dass ich nie nach Menschen suche, aber auch nicht gegen mein Gefühl handeln möchte, sondern mit meinem Gefühl mitgehen möchte. Wir waren dennoch monogam, aber eben nur, weil da niemand dazu kam.
Dann startete die Reise als offene Beziehung, durch ein Person mit der es ein paar Begegnungen gab, die aber tiefgründig waren. Ich beschäftigte mich viel mit Beziehungsformen und erkannte, dass ich eine polyorientierte Beziehungsanarchistin bin. Und mein Partner war mittendrin und erfuhr während wir ja schon seit langem zusammen waren, dass dieses Label mein Gefühl ist. Dann entspannt eine Bekanntschaft+ mit einem Menschen, obwohl es übergriffige Situationen gab und kurze Zeit später kam noch ein neuer Mensch in mein Leben, wo sich zwar keine romantischen Gefühle entwickelten, aber eine tiefe Verbindung von meiner Seite aus entstand. Wo es ebenfalls sexuelle übergriffige Situationen gab und der sich leider als verdeckter Narzisst entpuppte und so brach ich den Kontakt nach Monaten ab. Dann gab es wieder mehr Kontakt zu meiner Bekanntschaft+, da dort zwischenzeitlich Schwierigkeiten waren. Und eine neue F+, mit einem Freund von ihm entstand. Der Kontakt zu meinem früheren Ex wurde auch wieder zu einer F+ und ich merkte, dass ich für ihn auch immer romantisch Gefühle hatte und immer haben werde und so hatte ich auf einmal drei Menschen in meinem Leben, mit denen ich auf unterschiedliche Art und Weise sexuelle Kontakte hatte. Ich beendete das sexuelle in der Bekanntschaft+ und zog klare Grenzen auf, sagte ihm, was alles übergriffiges von seiner Seite aus war und das Konsens ein Fremdwort für ihn ist. Meinen Ex sah ich ab und zu, aber auf entspannt und da ist einfach eine innere Vertrautheit da und eben auch romanische Gefühle, wo man aber nichts draus machen muss, weil es so einfach schön ist und wir wissen, wir können uns aufeinander verlassen. Und dann wurde aus meiner F+ eine Datingphase, weil ich mir mit ihm plötzlich mehr vorstellen konnte und ich romantische Gefühle für ihn entwickelt habe. Dann kam ein neuer Mensch dazu und auch da war es schnell eine Datingphase.
→ Heute weiß ich, ich habe viel projiziert, ich war teilweise in alten Mustern, habe für Menschen Gefühle gefühlt, die mir selbst gegolten haben. Und gleichzeitig habe ich viel gelernt und habe wirklich Gefühle entwickelt für meine F+, wo es dann zum Dating kam.
Nun habe ich vor längerem den Kontakt zu meiner Datingphase F+ und dem Bekannten abgebrochen und bin sehr erleichtert, denn beide waren keine Menschen für mich. Anti-Feministische, sexualisierende Verhaltensweisen und Denkweisen waren an der Tagesordnung, nur ich wollte es nicht wahr haben. Ich habe es für mich schön geredet mit denken wie „das können die nicht so meinen, die drücken sich nur schlecht aus“ und doch genauso meinten sie es. Sie benutzen Frauen systematisch für ihre Lustbefriedigung und obendrauf noch für alltägliche Aufgaben, wie Wäsche, putzen und co. Der Bekannte sucht sich Frauen, die emotional von ihm abhängig sind aufgrund von familiären Traumatan und alles für ihn tun. Und anstatt dankbar zu sein, macht er sich zusammen mit meiner ehemaligen Datingperson darüber lustig, „wie dumm diese Frauen doch sein“. Sie verstehen Traumata nicht, nutzen Frauen bewusst aus und verschieben Schuld und übernehmen keinerlei Verantwortung für ihr Handeln. Ich bin sehr froh, dass ich mich aus diesen toxischen Verbindungen lösen konnte und dennoch hinterlässt es Spuren.
Kein Mensch hat mir gesagt, wie schwer es ist poly zu sein. Wenn man seinen Partner liebt und glücklich ist und von außen auf einmal neue Verbindungen kommen, wo Gefühle entstehen, neue Traumata entstehen, neue Entwicklungen stattfinden und man sich dann wieder aus diesen Verbindungen löst, weil man merkt, wie toxisch diese waren. Ich benutze das Wort toxisch bei wirklich toxischen Verhaltensmustern und nicht aus Spaß. Ich habe Narzissten und toxische Beziehungen hinter mir und weiß von was ich rede, wenn ich Traumata sage. Ich weiß was emotionaler Missbrauch ist, was emotionale Erpressung ist, kenne Push-und-Pull Dynamiken, aber auch Liebesentzug und co.
Nun ja ich bin sehr glücklich mit meinem Partner, ich war nicht in einer Verbindung mit anderen, weil mir etwas fehlte oder sonstiges, sondern weil das Leben manchmal so ist, dass man Menschen kennenlernt und Dinge entstehen. Und ich bin auch dankbar für die Erfahrungen und Erkenntnisse und dennoch darf ich verletzt, traurig, wütend, enttäuscht und durcheinander sein.
Ich habe jahrelang keine Intimität gehabt mit Menschen und nun habe ich sie erlebt mit verschiedenen Menschen, wo ich oft in Mustern war und teilweise sexuelle Übergriffe toleriert habe. Ich habe aber auch sexuelle Übergriffe benannt, habe mich selbst ermächtigt, Kontakte abgebrochen oder sexuelle Verbindungen beendet. Ich habe gesagt, was übergriffig war und erklärt, dass bei mir der Freeze entstand, ich habe mich selbstermächtigt im Nachhinein, so wie ich es konnte und ein paar mal nicht während der Situationen, aber auch in einer Situation mit klarer Sprache und in mehreren Situation mit Abbruch von sexuellen Handlungen, Hand wegschieben oder ähnlichem.
Ich lerne grade den Zugang zu einer gesunden und sicheren Intimität, durch die vielen Dinge, die in den letzten Jahren passiert sind, kann ich nämlich auch noch länger vergangene Übergriffe für mich einsortieren und mein Verhältnis zu Intimität gänzlich hinterfragen. Wie gestört mein Verhältnis zu Intimität, Nähe und Sex ist, durch alles was passiert ist sehe ich jetzt erst. Und ich weiß, dass ich das sehe, durch die Erfahrungen der letzten Jahre, weil erneutes erleben oder auch anderes reagieren auf Übergriffe mehr macht, als wenn man etwas nur reflektiert, was vor vielen Jahren war.
Mein Partner ist mein Fels in der Brandung und trägt das mit. Arbeitet mit mir zusammen an meinem Zugang zu Intimität und Nähe und akzeptiert und versteht meine Themen, meine Traumata und erwartet oder fordert nichts. Ich wünsche jedem Menschen mit Traumata-Erfahrung einen Partner wie meinen an der Seite, denn das trägt nicht jeder Mensch mit. Die wenigsten würden das machen.
Was mit meiner eine aktuellen Dating Person ist, ganz ehrlich ich weiß es noch nicht. Wir haben uns länger nicht gesehen und da dort auch schon massive Vertrauensbrüche waren, ist da auch einfach ein Thema immer da in meinem Nervensystem, nicht weil ich das will und ihm ein schlechtes Gefühl geben will. Aber er weiß woran er bei mir ist, dass ich mir unsicher mit ihm bin, ich schauen muss, ob ich Vertrauen wieder aufbauen kann. Und dafür tut er momentan leider nicht viel und zeigt auch nicht wirklich Interesse, obwohl ich ihm ja so wichtig sei. Ich habe berechtigte Zweifel, da bei ihm Veränderungen im Verhalten stattgefunden haben. Ich habe mich emotional schon ziemlich abgekapselt, weil ich da einfach so anfängliche Verhaltensmuster gesehen habe von Lovebooming, grade in Hinblick dessen, wie das Verhalten gekippt ist nach einer sehr kurzen Zeit.
Ich konzentriere mich auf mich, meine Entwicklung, meine Heilung und meinen Zugang zu Intimität. Mein Partner war für mich immer eine Priorität und das bleibt auch so.
Ich bin gespannt was dieses Jahr alles passiert.
- mein Partner, mein Mann fürs Leben!
- eine Datingperson, wo Vertrauensmissbrauch war in der Anfangszeit und Lovebooming aufgrund von krassen Verhaltensänderungen im Raum steht. Ich schaue, wie es sich entwickelt und wie er sich verhält und ob da wahres Interesse ist und romantische Gefühle von seiner Seite aus, die er mir immer wieder sagt oder ob er mich nur in seinen Bann ziehen wollte, um sich Liebe und Bestätigung zu holen, die er sich selbst nicht geben kann und ich nur Mittel zum Zweck bin.
- und meine romantische Ex F+, kann immer wieder mal auftauchen, ist aber keine Priorität für uns beide. Aber die Verbindung ist so oder so immer da, auch wenn wir uns Jahre nicht sehen. Wir haben uns jetzt auch wieder seit ca. einem halben Jahr nicht gesehen, was für uns tatsächlich nicht lang ist.