...ließ mich betrübt und zuversichtlich darüber nachdenken, dass David Lynch seit relativ kurzem nicht mehr unter uns weilt.
Betrübt deswegen, weil er an diesem Film nach allem, was ich über ihn weiß, große Freude gehabt hätte und die Vorstellung, ihn darüber schwärmen zu hören mir einmal mehr zeigt, wie sehr sein künstlerischer Input mir fehlt. Zuversichtlich hingegen, weil dies hier der allererste Nicht-Lynch-Film überhaupt ist, welchen ich bei all seiner Eigenständigkeit voll und ganz in der Tradition des Altmeister sehe: ein Fiebertraum von einem Film, in welchem die Grenzen zwischen klassischem Drama und Hirnfick von Minute zu Minute mehr verschwimmen, und der dabei altbekannte Horror-Genreregeln zugunsten einer furchtlosen, beinahe euphorischen Erkundung eines von ihm geschaffenen Universums hintanstellt, welches so entschieden wie selbstbewusst präsentiert wird, als wäre es das Normalste auf der Welt.
Ebendieses Universum, vor wenigen Jahren ins popkulturelle Leben gehaucht durch ein einziges Foto und ein paar Sätzchen auf der damals noch nicht komplett verrohten 4chan-Plattform, was der zu diesem Zeitpunkt 15-jährige Kane Parson dann für atmosphärische YouTube-CGI-Kurzfilme nutzte, weswegen der 19-jährige Parson ein paar Jahre später mit A24-money den hier besprochenen Spielfilm drehen durfte, ebendieses Universum ist eines voller wunderbarer visueller Widersprüche: klare Linien und Struktur treffen auf Chaos und Sinnbefreiung, die ruhende Kraft von leeren Räumen auf ihre dräuende Atmosphäre.
Und natürlich kommt am Ende dann auch noch ein richtiges Monster zum Einsatz, aber anders als in seinen Kurzfilmen nutzt Parson dieses altbekannte, wenngleich hier seeehr effektvoll eingesetzte Horrormotiv nicht ausschließlich für Schockmomente, sondern für einen pointierten Kommentar auf Narzissmus und toxische Männlichkeit, was er in seinen erstaunlich wie erfreulich ausufernden Kammerspielmomenten bereits sehr versiert vorbereitete.
Es sind ebendiese Momente, in denen Parson mit Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve auf zwei absolute Edelmimys zurückgreifen kann, welche mühelos zwischen existentiellem Drama und Horror hin und herswitchen können und im großen Dialogfinale beide Genres gar zu einer sehr fesselnden Einheit verschmelzen lassen.
"Backrooms" ist ein so entschiedenes wie packendes Horrormelodram, das voll und ganz in seiner ureigenen, so faszinierenden wie verstörenden Welt aufgeht und sie von zwei gerade auch für dieses Genre sehr plastischen Figuren erkunden lässt.
Um den Bogen zu Lynch zu schließen: vielleicht übertreibe ich, aber dies könnte Parsons "Eraserhead" sein.