Bis 2026
Bilder von Bildern
Ich fotografiere gerne, wenn ich in Museen bin. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die Reproduktion von Kunstwerken, das Fotografieren ist manchmal einfach Teil meines Sehvorgangs. Gelegentlich ist es auch so, dass ich ein Objekt und seine Beschilderung abfotografiere, weil ich spÀter noch Dinge dazu nachlesen möchte. Oder ich möchte mich einfach an Ausstellungsdetails mit Hilfe meiner Fotos erinnern.
Vor wenigen Jahrzehnten war das Fotografieren in Museen noch so eine Sache. In vielen durfte man es als einfache Besucherin gar nicht und das Verbot zu umgehen wĂ€re schwierig gewesen. Handy mit Kamera gab es eh noch nicht und Fotoapparate waren in der Regel nicht unauffĂ€llig genug, bzw. wenn sie unauffĂ€lig genug waren, war die Optik nicht lichtstark genug fĂŒr ein okayes Ergebnis. Ich glaube, es wĂ€re mir auch zu teuer gewesen, eine ganze Ausstellung auf Film durchzufotografieren. Genau kann ich es nicht sagen, ich habe von Anfang an digital fotografiert.
Mit der Zeit gab es immer weniger Fotografierverbote. Bei den meisten Museen, die ich die letzten Jahre besuchte, ob fĂŒr Kunst oder anderes, scheint mir âFotos gerne, aber bitte ohne Blitz und Stativâ der Standard zu sein. Das jedenfalls ist inzwischen eigentlich immer die Antwort, wenn man fragt. Ich frage aber fast gar nicht mehr.
Ich weiĂ nicht, ob das schwindende Fotografierverbot eine Kapitulation ist, vor der Kameraflut und der Unmöglichkeit, das noch irgendwie zu regulieren. Oder vielleicht doch Einsicht in ein besseres Museumserlebnis oder in Marketingaspekte. Es dauerte jedenfalls noch ein bisschen von dieser gefĂŒhlten Lockerung bis zu dem Zeitpunkt, an dem viele Museen und Ausstellungen anfingen, ihre eigenen Hashtags zu promoten, unter denen man seine Fotos online stellen sollte, weil man verstanden hat, dass begeisterte Social Media Posts tolles Marketing fĂŒr ein Museum sein können â und dass es dafĂŒr Bildmaterial braucht.
In groĂen, touristisch sehr beliebten Museen sah man frĂŒher regelmĂ€Ăig Leute, die mit Blitz fotografierten. Nicht immer, weil sie rĂŒcksichtslos waren, sondern oft, weil sie die Blitzautomatik angeschaltet hatten. Das konnte man an ihrer Reaktion sehen, wenn sie vom Aufsichtspersonal angesprochen wurden: Sie wussten oft â angeblich oder wirklich â gar nicht, dass sie geblitzt hatten, es war ihnen sehr peinlich und sie lieĂen sich gelegentlich vom Personal dabei helfen, den Blitz auszuschalten. Bei meinem letzten Besuch im Louvre habe ich nur einen einzigen Blitz gesehen. Ich glaube aber nicht, dass die Leute alle kompetente Blitzvermeider geworden sind, vermutlich benötigen die Kameras an den Smartphones inzwischen einfach nicht mehr so viel Licht fĂŒr gute Fotos.
Ich freue mich jedenfalls darĂŒber, dass in so vielen Museen inzwischen hemmungslos fotografiert werden darf, es macht mein Museumserlebnis besser und die Erinnerung daran schöner. FrĂŒher ging ich immer erst mal davon aus, dass Fotografieren verboten ist. Jetzt ist es umgekehrt. Weshalb ich letztes Jahr in einer Ausstellung ausgerechnet das einzige Bild, das nicht fotografiert werden durfte, fotografierte: ganz auffĂ€llig, direkt davor stehend, denn ich hatte das Fotografierverbot-Icon, das direkt neben dem Bild hing, einfach gar nicht wahrgenommen. Zurecht wurde ich von einer Aufsichtsperson dafĂŒr zĂŒnftig angeschnauzt. Es war mir sehr peinlich und ich entschuldigte mich wie jemand, der unbeabsichtigt auf Kunst draufgeblitzt hat.
(Mia Culpa)














