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Anfang März bis Anfang April 2026
Handschriftliche Unterschrift auf Papier, das stellt sich die Uni so einfach vor, aber
Im Wintersemester habe ich zusammen mit Hanna Engelmeier an der Berliner UdK ein Seminar über Handschrift veranstaltet, unter anderen mit einer Sitzung zum Thema "Unterschrift". Nach dem Ende des Seminars, denke ich, wird das Geld wahrscheinlich von allein kommen, ich habe ja alles vorher eingereicht, was die Uni dafür braucht, also Bankverbindung und Steuernummer.
Aber so ist es nicht. Die UdK verlangt ein handschriftlich ausgefülltes und vor allem handschriftlich unterschriebenes Dokument, auf Papier. Kein PDF mit reinkopierter Unterschrift, so wie ich das gemacht hätte, wenn Hanna mich nicht Anfang März davor gewarnt hätte.
Am 8. März schreibe ich der Zuständigen und frage sie, ob sie mir das (vermutlich bereits auf Papier verschickte, aber ich bin ja nicht in Deutschland) Formular noch mal digital zukommen lassen könnte.
Am 9. März bekomme ich das Formular als PDF. Es gibt im Haushalt von Aleks keinen Drucker.
Schon am 10. März ist Aleks mal an einem Ort mit Drucker und bringt mir zwei Ausdrucke mit. Sie sind schief, weil der Drucker selten benutzt wird.
Mitte März fülle ich das Formular aus.
Dann vergesse ich die Sache, bis Hanna mich am 26. März daran erinnert. Ich finde das ausgefüllte Formular wieder. Umschläge gibt es hier auf dem Dorf meines Wissens nicht zu kaufen. Ich hole aus dem Altpapier einen von den A5-Umschlägen, in denen Aleks seit 2013 jeden Monat eine Kreditkartenabrechnung seiner 2013 gekündigten Kreditkarte der Bank of Ireland bekommt: "Payment due: 0,00 EUR".
In diesen Umschlag stecke ich mein unterschriebenes Formular, klebe ihn mit Paketklebeband zu und lese nach, ob es in Großbritannien auch Porto gibt, das man handschriftlich auf den Umschlag schreiben kann, so wie in Deutschland. Denn das Dorf hat zwar keine stationäre Post mehr, aber noch fünf Briefkästen, in die ich den Brief werfen könnte, wenn ich eine Briefmarke hätte.
Es gibt hier kein handschriftliches Porto. Man muss entweder Briefmarken kaufen oder einen Drucker haben. Immerhin weiß ich jetzt schon mal, welches Porto ich brauche: 3 Pfund 40.
Am 28. März frage ich in zwei Läden im Dorf, die Ansichtskarten im Sortiment haben, ob sie vielleicht Briefmarken verkaufen. Sie verkaufen keine Briefmarken.
Ich lasse den Briefumschlag jetzt nicht mehr aus den Augen, um ihn nicht wieder zu vergessen. Am 31. März ist der Postbus im Dorf und es gelingt mir, in dem kurzen Zeitfenster von zwei Stunden daran zu denken und meinen Brief dort abzugeben. Der Postmitarbeiter klebt eine Marke mit Motiv auf meinen Brief, ich bezahle kontaktlos mit der Kreditkarte, und schon in wenigen Tagen wird der Universität der Künste meine echte, handschriftliche Unterschrift vorliegen.
Auf dem Heimweg fällt mir ein, dass ich gleich ein paar Briefmarken auf Vorrat hätte kaufen können, wenn das hier so schwierig ist. Dann denke ich weiter: Ich habe hier seit 2013 keine Briefmarken besessen und keine gebraucht. Bis zum nächsten Mal dauert es wahrscheinlich wieder zehn Jahre. Wenn ich jetzt Briefmarken gekauft hätte, wüsste ich das in zehn Jahren nicht mehr. Wenn ich mich noch erinnern würde, könnte ich sie nicht wiederfinden, und wenn ich sie wiederfinden könnte, hätte sich das Porto geändert. Außerdem wird manchmal wirklich etwas einfacher, wenn man zehn Jahre abwartet, die Post führt eine Frankierungsform ein, für die man keinen Drucker braucht, oder Unis verzichten auf unterschriebenes Papier. Könnte doch sein.
Zwei Tage später, am 1. April, kommt der Brief zurück. Die Royal Mail muss wohl die Absendeadresse als Zieladresse interpretiert haben. Sie steht auf der Rückseite des Umschlags (vorne sind Sichtfenster und Briefmarke) und war vorsichtshalber auch mit "From:" markiert. Ich trage den Brief wieder zum Postbus, der zum Glück auch Mittwochs im Dorf ist. Der Postmitarbeiter streicht meine Absendeadresse sehr gründlich durch. "Aber wenn der Brief jetzt noch mal zurückkommt, wissen die ja nicht, wohin er zurück soll", wende ich ein. Ich leihe mir seinen Stift und schreibe die Absendeadresse noch mal auf die Rückseite, begleitet von Ermahnungen des Postmitarbeiters: "Nur ganz klein!"
Dann versieht er selbst noch mal die Vorderseite mit hilfreichen Hinweisen:
Porto muss ich nicht noch mal bezahlen, das liegt aber vermutlich vor allem daran, dass der Poststempel dieser vergeblichen Runde neben der Briefmarke gelandet ist. Ich glaube, die Post findet den Umgang mit Briefen inzwischen auch so ungewohnt und schwierig wie ich.
(Kathrin Passig)