Zwischen 1970 und 2008 (sowie 2018)
Vortragstechnik vor Powerpoint
Ich schreibe Roger Stapleton wegen der hier von Rainer Glaap beschriebenen Polaroid Palette. Er hat nicht zufÀllig noch eine herumstehen, damit wir den anderen Beitrag bebildern können? Leider gibt es keine Bilder des GerÀts im Netz, die unter einer passenden CC-Lizenz stehen. (Update 2025: Inzwischen gibt es welche, hier, hier und hier.) Er antwortet:
Wir haben in St Andrews keins bekommen. Im Rechnernetzwerk der britischen Astronomie, Starlink, gab es welche, aber das war, bevor wir unseren Starlink-Rechner hatten. Aus den Standardprogrammen zur Datenreduktion von Starlink konnt man teilweise die Grafik an das PolaroidgerĂ€t ausgeben lassen, aber das war nicht besonders beliebt. Man hatte die Bilder dann als 36-Bilder-Film, das war teuer. Wenn man keine 36 Bilder zum âDruckenâ hatte, musste man entweder auf jemand anderen warten, der den Rest brauchen konnte, oder der ĂŒbrige Film war verschwendet.
Ich glaube, im Royal Observatory Edinburgh hatten sie eine RĂŒckwand fĂŒr Standardfilm. Damit konnten sie normalen Film verwenden (viel billiger) und den in ihrem eigenen Labor entwickeln lassen.
Weil das schon vorbei war, bevor wir unseren Starlink-Rechner bekommen haben, habe ich vermutlich nie Werbung mit Bildern von dem GerÀt bekommen. Und falls doch, weià ich nicht, wo die geblieben ist.
Das Standardverfahren zur Herstellung von Dias, wenn man keine Polaroid Palette hatte, sah so aus, dass man mit der eigenen Spiegelreflexkamera den Bildschirm abfotografierte.
Als sie in Edinburgh ihr PolaroidgerĂ€t ausgemustert haben, habe ich noch ĂŒberlegt, ob ich es nehmen soll, aber es war mir dann doch den Platz nicht wert.
Ab hier geht das GesprĂ€ch mĂŒndlich weiter:
Wann war das? Als in Edinburgh das Polaroid-GerÀt ausgemustert wurde?
Ich weiĂ nicht, ab wann sie es nicht mehr verwendet haben, aber ich glaube, so zwischen 2000 und 2005 wollten sie es loswerden.
Naja, ich vermute, es hat zu dem Zeitpunkt schon lÀnger unbenutzt in einer Ecke gestanden. Es hing an dem Rechner nach der VAX, glaube ich. Also haben sie es vermutlich so um 1990 angeschafft. Ich weià nicht mehr, seit wann es die Dinger gab ...
Ich glaube, so 1983 oder 1985.
Ja, kann sein. Wir haben keins bekommen, weil wir das ja in Edinburgh machen lassen konnten.
Und damit meinst du vermutlich, dass man hinfahren und sich dort vor das GerÀt setzen musste?
Ja, genau. Damit du weiĂt, ob das Bild auf dem Bildschirm auch das richtige ist. Aber die waren nicht so einfach zu bedienen und hatten alle möglichen Probleme mit der Belichtungszeit und dem richtigen Kontrast und den richtigen Farben. Das gab es öfter, GerĂ€te, die eine tolle Idee waren und nie so richtig fĂŒr das zu gebrauchen waren, was die Astronomen damit wollten. Ich glaube, zum Teil war das Problem, dass man einen ganzen Film fĂŒllen musste, bevor man was entwickeln konnte, obwohl das GerĂ€t von Polaroid war. Man konnte also nicht erst mal ein paar Dias machen und nachschauen, ob alles stimmt.
Ach so, auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Klar!
Man musste alle 36 voll machen. Und ich glaube, es waren 36, nicht 20. FĂŒr andere GerĂ€te haben sie kĂŒrzeres Filmmaterial hergestellt. Aber ich glaube, dafĂŒr gab es nur lange.
Und wenn Leute damals an der Uni VortrÀge gehalten haben, wie ging das dann genau? Ich stelle mir vor, dass man in der Astronomie ohne Bilder nicht sehr weit kommt.
Normalerweise hast du Diagramme und Grafiken von deinen Ergebnissen gezeigt, oder wenn du ĂŒber Spektralanalyse oder Spektren geredet hast, dann einen Plot von deinem Spektrum. Bilder im Sinne von âschöne bunte Bilderâ gab es ziemlich selten. Mit SchwarzweiĂbildern war man eigentlich ganz zufrieden. Das meiste waren sowieso Diagramme. Und bevor die Leute an Galaxien und anderen zweidimensionalen Objekten gearbeitet haben, brauchte man eigentlich nur Zeichnungen.
Aleks Scholz ergĂ€nzt spĂ€ter: âDas ist heute eigentlich immer noch so. In meiner Doktorarbeit war kein einziges Bild von einem Stern, und in meinen VortrĂ€gen sind auch oft keine.â
Du konntest entweder so was wie die Polaroid Palette verwenden und 35-mm-Dias herstellen und einen Diaprojektor nehmen. Oder viel hÀufiger hast du einfach alles auf eine Folie gemalt und einen Overheadprojektor genommen. Das war in vieler Hinsicht besser, du konntest einfach eine Folie drauflegen und dann mit deinem Stift beim Reden drauf rummalen. Und bevor es den Overheadprojektor gab, konnte man ein Episkop verwenden.
Das hab ich ein einziges Mal gesehen, in der Schule. Es gab eins an meiner Schule, aber das hat nie jemand verwendet, nur das eine Mal.
Das waren aufregende GerÀte. Weil man sich die Finger verbrennen konnte, wenn man nicht aufgepasst hat. Wir hatten am Observatorium zwei. Eins mit einer 500-Watt-Birne und eins mit einer 1000-Watt-Birne. Und das kannst du dir vorstellen, eine 1000-Watt-Birne in einem Kasten, das wird ziemlich warm.
Ich bin ĂŒberrascht, dass das Episkop vorher da war. Ich hatte mir das immer als das kompliziertere GerĂ€t vorgestellt, das erst spĂ€ter erfunden wurde.
Nein, das ist ja bloĂ ein Licht und damit beleuchtest du ein StĂŒck Papier. Und dann brauchst du nur noch eine Projektorlinse. Also ein StĂŒck Papier, einen Spiegel im 45-Grad-Winkel und eine Linse. Manche hatten dieselbe Linse wie ein Diaprojektor. Standard war damals 70 mm.
Overheadprojektoren gibt es immer noch an vielen Orten, wo ich zum Vortragen hinkomme, Episkope nie. Deshalb dachte ich, die seien viel komplizierter, einfach nur, weil sie selten sind.
Sie sind teuer. Eigentlich sind sie einfach, nur halt groĂ. Sie waren oft unzuverlĂ€ssig. 500-Watt-Birnen halten nicht sehr lang. Man hat sie nicht gern benutzt, weil sie so heiĂ geworden sind. Und dann war es immer unvermeidlich, dass die Person, die dafĂŒr zustĂ€ndig war, die Plattform runtergeklappt hat, das Papier rausgenommen, das nĂ€chste reingelegt, Plattform rauf, Plattform runter, umdrehen, Plattform rauf ... Und dann sagt der Redner ânein, bitte quer einlegenâ, Plattform runter, Plattform rauf, âsteht auf dem Kopf, andersrum!â
Und man braucht immer eine zweite Person.
Ja. Weil die Linse nicht weitwinklig genug war. Also hatte man die immer hinten im Vortragsraum stehen. Und Diaprojektoren mussten auch hinten im Raum stehen, weil sie so extrem lange Objektive hatten!
Aber an den Diaprojektor kann man wenigstens irgendeinen Laien setzen, der die Bilder nur auf Zuruf weiterschaltet ...
Ja, wenn der nur einen Knopf drĂŒcken muss, schon. Aber wenn es so ein Diaprojektor mit Wechselschieber ist, also du schiebst das Bild durch, du nimmst es raus, tust das nĂ€chste rein, das steht auf dem Kopf, dann ist es seitenverkehrt ...
Ah, Wechselschieber, das war vor meiner Zeit. Das kenn ich nur von Bildern.
Ich hab noch einen, glaube ich. Ich hab vor langer Zeit mal einen ganz billigen gekauft, so um 1970. Bevor wir Umsatzsteuer hatten! Die purchase tax, die es bis dahin gab, war eine ganz seltsame Einrichtung, weil der Betrag von der Warenkategorie abhing. Und Diaprojektoren waren aus irgendeinem Grund in einer gĂŒnstigeren Kategorie als andere GerĂ€te, also relativ billig, und als wir dann die Umsatzsteuer kriegten, wurden sie teurer. Ich glaube, es waren so 8 Prozent purchase tax auf Diaprojektoren damals, wĂ€hrend man fĂŒr andere GerĂ€te, so was wie Kameras, 15 oder 20 Prozent zahlte. Das war wahrscheinlich das letzte gröĂere GerĂ€t, das ich noch mit purchase tax gekauft habe. Dias sind einigermaĂen praktisch, wenn du sie in einem Magazin mitbringen kannst und dann einfach in den Projektor steckst und auf einen Knopf drĂŒckst.
Ich glaube, es gab sogar Fernbedienungen, also mit Kabel. Damit mĂŒsste es doch auch von vorn gegangen sein, ohne zweite Person?
Ja. Bei manchen war die Fernbedienung an einem Kabel, das hast du angeschlossen, und man konnte auch welche mit lÀngerem Kabel kaufen. Ich hab so einen Diaprojektor zu Hause, und eine kleine Kabeltrommel, damit konnte ich den hinten in den Vortragssaal stellen und von vorne bedienen.
Das hast du also wirklich gemacht?
Ăhm, diesen Projektor hab ich tatsĂ€chlich nie benutzt. Aber ich hab es in VortragssĂ€len gemacht, in denen das schon eingerichtet war. Als ich meinen gekauft habe, habe ich mir ein Objektiv zugelegt, das man in einem Vortragssaal verwenden kann. Ich habe einen ziemlich alten âKodak Carouselâ-Diaprojektor, so einen mit rundem Magazin obendrauf ...
Das kenn ich, aber nur aus âMad Menâ, also aus der Serie. Da machen sie Werbung dafĂŒr.
Und das Objektiv selber, das normalerweise vorne nur ein paar Zentimeter weit rausschaut, das ist so lang (deutet ungefĂ€hr 20 cm an). Wenn ich den zu Hause verwende und ihn so weit wie möglich von der Leinwand entfernt aufstelle, dann ist das Bild ungefĂ€hr so groĂ (deutet ungefĂ€hr A4 an).
Und wenn du jetzt VortrÀge hÀltst?
Ich glaube, mein letzter Vortrag war vor zehn Jahren. DafĂŒr hab ich alle meine Dias abfotografiert und sie digital gezeigt. Mit einem Beamer. Weil ich wusste, dass es am Vortragsort keinen Diaprojektor gibt.
Was heiĂt das, du hast sie abfotografiert?
Naja, ich hab sie auf eine Lightbox gelegt und meine Kamera geholt und klick gemacht. Mit einem Makroobjektiv auf der Kamera. Ich hab in meinen Notizen zu dem Vortrag ĂŒberall die Dia-Nummern am Rand stehen, also bin ich meine Sammlung durchgegangen, hab die Dias rausgeholt und sie abfotografiert.
Und das hast du fĂŒr deinen allerletzten Vortrag gemacht? Und vorher immer Dias verwendet?
Einmal hab ich vor der Edinburgh Astronomical Society geredet und gesagt, dass ich zwei Karussell-Magazine mitbringe. Weil ich wusste, dass sie dort zwei Diaprojektoren hatten, zwischen denen man ĂŒberblenden konnte. Und als ich da ankam, sagten sie: Wir haben da ein kleines Problem. Wir hatten drei Projektoren, die haben wir alle zur Reparatur gebracht und am Ende einen funktionierenden zurĂŒckbekommen. Ab dem Moment war mir der Einsatz von Dias dann zu riskant.
Und warst du zufrieden mit den abfotografierten Dias?
Nein, einige waren unscharf.
Diaprojektor und Overheadprojektor, waren die parallel in Gebrauch? Und falls ja, wovon hing das ab, welchen man verwendete?
Kam auf den Vortrag an. Was sie vor Ort fĂŒr GerĂ€te hatten. Manchmal gab es Diaprojektoren, manchmal nicht. Ich habe immer eher Dias fĂŒr lĂ€ngere VortrĂ€ge verwendet und einen Overheadprojektor fĂŒr kurze VortrĂ€ge. Mit dem Overheadprojektor geht es viel schneller, wenn drei oder vier Leute nacheinander vortragen. Du kommst einfach mit deinem Stapel Folien nach vorn und legst die erste auf.
Ja, an dem Punkt sind wir mit Beamern noch lange nicht.
(Roger Stapleton, befragt von Kathrin Passig)