Preppern. Oui, c’est la folie.
Meine Tochter hat mündliche Abiturprüfung. Diese besteht aus einem zehnminütigen Vortrag mit anschließender Befragung durch die PrüferInnen, und was wäre ein Vortrag im dritten Jahrtausend ohne eine Powerpointpräsentation! Ihr Lehrer warnt jedoch. Unter Prüfungsstress sich auch noch mit zickendem Powerpoint herumschlagen? Er rät dringend, die Präsentation für alle Fälle zusätzlich auf Overhead-Folien vorzubereiten, damit man eine Ausweichmöglichkeit hat.
Overhead-Folien! Eine ziemlich gestrige Technik, die mir wohl vor 20 Jahren zuletzt untergekommen ist, in den Schulen dagegen ist sie offensichtlich noch recht verbreitet. Aber spontan wissen wir nicht so recht, wie wir im Jahr 2019 an bedruckte Folien kommen sollen. Meine Tochter fragt mich, ob ich mich darum kümmern kann, und leichtfertig sage ich ja. Ich habe ja noch Folien für Tintenstrahldrucker in der Schreibtischschublade, mit denen ich sogar hier im Techniktagebuch schon angegeben habe! Der Stolz, endlich einmal das Richtige gepreppert zu haben, dürfte bei meiner Zusage zum Foliendruck eine wichtige Rolle gespielt haben.
Aber als ich die Packung nun öffne, muss ich feststellen, dass sie gar keine Folien enthält, sondern irgendwelche alten Etiketten, die ich mit tiefem Schaudern wegwerfe. Nun ist guter Rat teuer. Wo bekommt man solche Folien her, wie bedruckt man sie, was gibt es zu beachten? Eine schnelle Recherche ergibt, dass man augenscheinlich geeignete Folien bei Amazon durchaus noch bestellen kann, aber der Prüfungstermin ist schon bedrohlich nahe, und es ist ungewiss, ob die Zeit für eine Bestellung noch ausreicht. Ich frage in einem Schreibwarengeschäft, und siehe da, dort kann man mir helfen. Unterm Ladentisch findet sich eine gefährlich angegilbte Hunderterpackung passender Folien (bei technischen Fragen kapituliert die Schreibwarenfrau jedoch und verweist mich auf die Angaben auf der Verpackung). Ich lasse mir zehn Folien abzählen und erstehe sie für 70 Cent pro Stück. Der Preis schockiert mich zuerst ein wenig, andererseits hätten die bei Amazon angebotenen Originalpackungen deutlich mehr gekostet, plus Versand, da habe ich sogar noch gespart.
Die Notpräsentation meiner Tochter besteht schließlich aus 3 Folien, und der Druck funktioniert auf Anhieb, ohne irgendwelche Fehldrucke. Die restlichen sieben Folien wandern in die Prepperschublade, wo sie auf ihren Einsatz warten.
Bei der Prüfung funktioniert die Powerpoint-Präsentation ohne Probleme, die Folien kommen nicht zum Einsatz.