1. bis 3. Dezember 2025 (mit einer Vorgeschichte seit Oktober)
Das gibt es also wirklich: Technische Probleme nur wegen Linux!
Ich unterrichte seit Oktober zusammen mit Hanna Engelmeier remote via Zoom ein Uni-Seminar ĂŒber Handschrift. Zur Technik dieses Seminars schreibe ich gesondert noch was, hier geht es nur um meine PrĂ€sentationstechnik. Oder ihr Fehlen.
Denn als ich zum ersten Mal im Seminar Slides zu teilen versuche, geht es ĂŒberhaupt nicht. Ich habe aber gerade Zugriff auf einen Backup-Laptop, nĂ€mlich das billige Chromebook, und ich habe diesen Laptop auch vorausschauend bereitgestellt und ins Seminar eingeklinkt (seine Kamera ĂŒbertrĂ€gt den Blick aufs Meer). Deshalb kann ich jetzt relativ schnell das Chromebook nehmen, bin unter dem Namen "das Meer" schon eingeloggt und kann mein PDF von dort zeigen. Zwar nicht im Vollbild, sondern nur als Tab im Browser und so, dass alle die Vorschaubilder am Rand sehen, aber das ist mir jetzt egal. Einerseits wirke ich ungern wie so eine Person, die gerade zum ersten Mal remote prĂ€sentiert, weil das wirklich nicht stimmt. Andererseits, pfft, andauernd gehen auch bei anderen Leuten PrĂ€sentationsdinge schief, ich schĂ€me mich dafĂŒr nicht lĂ€nger als ein, zwei Sekunden.
Beim nÀchsten Mal habe ich vorher Dinge ausprobiert und weià jetzt, dass es mit Firefox nicht geht, aber mit Chromium. Allerdings merke ich wieder erst im laufenden Seminar, dass ich auch dort nicht das Fenster mit dem PDF teilen kann. Ich darf nur andere Chromium-Tabs teilen. Naja, jetzt sehen halt wieder alle meine Vorschaubilder und nicht den Vollbildmodus. Egal.
Beim dritten Mal habe ich im Vorfeld keine Zeit fĂŒr weitere Fehlersuche. Deshalb funktioniert es wieder so schlecht wie beim zweiten Mal.
Aber am 1. Dezember wird es ernst, denn da muss ich zum Remote-Technikcheck fĂŒr eine richtige Tagung erscheinen, eine Remote-Tagung mit Webex. Mein Vortragsthema ist die DemilliardĂ€risierung, und ich plane unter anderem den bisher immer noch völlig problemlosen Umstieg von MacOS auf Linux zu loben. Ich will beim Technikcheck nicht den Betrieb aufhalten und bereite mich deshalb vor.
Das dauert ungefĂ€hr anderthalb Stunden, in denen ich mich mit der Kagi-AI (hier: GPT-5.1) ĂŒber das Problem unterhalte und Dinge ausprobiere. Zuerst kann ich ĂŒberhaupt keine Links mit der Webex-App öffnen, ich bekomme nur eine rĂ€tselhafte "no apps available"-Fehlermeldung. Die schrittweise Diagnose durch das Sprachmodell ist, wie immer in letzter Zeit, hilfreich und fĂŒhrt auch ans Ziel: Ich muss auf der Kommandozeile Dinge nachinstallieren, die Webex offenbar bei der Installation vergessen hat. Dann geht es.
SelbststĂ€ndig (und mit nur wenigen Jahren VerspĂ€tung) finde ich heraus, dass es fĂŒr alle Videokonferenztools Testmeetings gibt, in denen man Dinge ausprobieren kann. Ich trete dem Webex-Testmeeting bei und versuche, mein PDF zu teilen. Es geht nicht. In der App gibt es ĂŒberhaupt keinen Share-Button dort, wo er allen Anleitungen zufolge sein mĂŒsste. In Firefox gibt es ihn, dann weigert sich aber entweder der Browser oder Webex: "We can't display your shared content. Make sure that you've allowed permission to share content, and then try again." In Chromium geht es, aber auch hier kann ich wieder nur andere Chromium-Tabs teilen und nicht das PDF im "Document Viewer".
GPT-5.1 weiĂ die Lösung diesmal ohne weitere Diagnosen sofort: Mein Linux verwendet irgendein Ding namens Wayland, und das ist daran schuld. Bisher ist mir das Problem nur nicht aufgefallen, weil ich seit der Anschaffung des Linux-Laptops keinen Vortrag remote gehalten habe. Ich bekomme erklĂ€rt, wie ich beim Start stattdessen ein anderes Ding namens Xorg verwenden kann, und dann sollte es gehen. Ich frage, ob das Xorg-Ding Nachteile hat oder ich einfach ab jetzt dabei bleiben kann, und werde ausfĂŒhrlich beraten.
Jetzt fĂŒhle ich mich gut vorbereitet auf den Technik-Check. Aber dann klappt es wieder nicht, ich kann meine PrĂ€sentation nicht als eigenes Fenster teilen, die Option wird gar nicht angezeigt. Weil es eine sehr gut organisierte Veranstaltung ist, gibt es aber noch zwei weitere Technik-Check-Termine. Ich kĂŒndige an, dass ich zum nĂ€chsten besser vorbereitet erscheinen werde, und ziehe mich wieder zu Beratungen mit GPT-5.1 zurĂŒck.
Ja, sagt es, das sei ein bekanntes Problem unter Linux. Aber mit Chromium als Browser und der Browserversion von Webex sollte es gehen.
Beim nÀchsten Technik-Check geht es dann auch wirklich.
Ich habe etwa zwei Stunden mit der Problembehebung zugebracht, aber dank der Betreuung durch GPT-5.1 und der vorausschauenden Planung der Tagungsveranstaltenden habe ich mich dabei nur wenig geĂ€rgert. Mehr gewundert, denn von November 2022 bis jetzt ist mein Linux-Leben vollkommen reibungslos verlaufen. Aber eigentlich klar: Sobald man einen Vortrag ĂŒber diese Reibungslosigkeit halten möchte, fĂŒhlt sich irgendein Technikteufel natĂŒrlich herausgefordert.
(Kathrin Passig)















