Ende Juli 2026
Der Computer hilft bei der Altherren-Fahrradroute (mit Startschwierigkeiten)
Screenshot von pedaleo.cc
Die regelmäßigen Radtouren in und durch Europa, die mein Freund W. und ich seit Jahren unternehmen, werden wir in diesem Jahr mit einer Tour zu einem, wie es neudeutsch heißt, Bikepacking-Festival ergänzen (unsere übliche Tour mit 1.000 km in zwei Wochen hatten wir schon im Mai und Juni).
Das Radtourer-Treffen (Tourenradtreffen? Radtouren-Treffen?) findet in der Schweiz statt, in Neuchâtel/Neuenburg – und damit ist auch schon das Hauptproblem benannt: Die Schweiz ist bekanntermaßen bergig. Und wir legen Wert darauf, auch als eingestandenermaßen alte Herren mit Bio-Bikes und nicht mit elektrischer Unterstützung zu radeln.
Für die Anreise zum Pedaleo 2026 haben die Veranstalter vier Routen vorgeschlagen, offenkundig aus den vier Haupt-Teilnehmerländern Schweiz, Deutschland, Italien und Frankreich (s. Screenshot oben) Die so genannte deutsche Route von Freiburg im Breisgau nach Neuchâtel ist zwar mit 208 Kilometern die kürzeste, und die 3.100 Höhenmeter sind mit der geringste Anstieg (aus Mailand 7.000 Höhenmeter!). Aber, um es mit den Worten von W. zu sagen: Das wollen wir aus medizinischen Gründen nicht.
(Randnotiz: es gibt auch noch das nicht so schöne Problem, dass das Routenplanungssystem, auf dem die Veranstalter die Route als px-Datei bereitstellen, eben ein geschlossenes System ist und für den Zugang zumindest einen, wenn auch kostenlosen, Account verlangt. Da wir dieses System nicht nutzen, haben wir wenig Lust, diesen Account anzulegen und dafür, auch das gehört dazu, mit unseren persönlichen Daten zu zahlen.)
Es ist hilfreich, dass die Planung für solche Touren längst nicht mehr auf einer Papierkarte stattfindet, sondern am Computer, mit elektronischen Karten, Geoinformationssystemen und ähnlichem. Und so wie Kathrin Passig es hinbekommen hat, für ihre Routen dem Computer klarzumachen Avoid Rock!, so werden wir es doch wohl hinbekommen, dem Computer zu sagen: Zu viel Steigung vermeiden!
Das ist allerdings doch ein bisschen schwieriger als gedacht. Die Oberflächenbeschaffenheit ist ja eine mehr oder weniger sauber definierte Sache. Felsen und Schlamm und Waldwege und Asphalt sind anscheinend irgendwie klarere Kriterien als das ist mir zu viel Steigung.
Zunächst mal versuchen wir es mit der KI. Die soll uns eine Route bauen, die uns vom Startpunkt in Freiburg zum Ziel am Neuenburger See führt und dabei zwei Stempel-Stellen unterwegs berücksichtigt:
Erstelle eine Fahrradroute mit möglichst wenig Verkehr, landschaftlich reizvollen Strecken und möglichst wenig Höhenmetern vom Startpunkt 47.997272, 7.857247 über die Punkte 47.558924, 7.600106 und 47.365235, 7.344399 zum Ziel 46.997823, 6.956529 und wirf das Ergebnis als gpx-Datei aus
Über DuckDuckGo gibt es Zugriff auf verschiedene LLM (Large Language Models), die wir ausprobieren. Dabei wissen wir eigentlich schon seit unserer Dänemark-Tour im vergangenen Jahr: Die KI schaut nicht auf die Karte. Und so ist das Ergebnis auch erstmal ziemlich ernüchternd.
Ein KI-Modell hält sich erst gar nicht mit den Details auf und erstellt uns eine hübsche Grafik Radtour von Nord nach Süd mit dem Hinweis Eine hypothetische Route - zur Inspiration für deine nächste Tour! (Da die exakten Koordinaten angegeben sind, ist das zwar gar nicht so hypothetisch, aber sieht dafür allerliebst aus, wenn auch sinnlos):
Andere Modelle verweigern schlicht die Arbeit mit dem Hinweis Eine gpx-Datei kann ich nicht erstellen – oder, auch das ist wenig hilfreich, liefern eine solche Datei ab, die nur die vier genannten Koordinaten als Wegpunkte auflistet und für den Weg dazwischen gar nix.
So einfach geht's also nicht. Vielleicht haben wir die KI einfach nur überfordert?
W., der ja schon wusste Die KI schaut nicht auf die Karte, hatte die Idee, weniger exakt zu fragen und statt dessen um Vorschläge zu bitten. Und siehe da:
Hier ist eine landschaftliche, möglichst flache und verkehrsarme Fahrradroute als sinnvolle Linienführung (auf Veloweg-/Radnetz-Korridore ausgelegt), abgestimmt auf Freiburg → Basel → Delémont → Neuchâtel:
Gesamtidee (Jura statt Alpenpässe)
Du fährst weitgehend im Rheintal (flach/ruhig) und danach im Jura-Übergang über das Birs-/Jura-Fussland Richtung Seeland/Lac de Neuchâtel (dort gibt’s sehr entspanntes Fahren auf separierten Abschnitten).
1) Freiburg im Breisgau → Basel: Rheinradweg (sehr flach)
Empfehlung: Über den Rhein entlang (Rheinradweg / EuroVelo-Route entlang des Rheins). Das ist typischerweise der komfortabelste Abschnitt mit den geringsten Steigungen und viel autofreier/verkehrsärmerer Infrastruktur.
Ziele/Waypoints (grob):
Freiburg → (Rheinseitenwechsel je nach Beschilderung) → Richtung Breisach/Weil am Rhein → weiter entlang des Rheins bis Basel 2) Basel → Delémont: Birs-/Jura-Route (Route 23, SchweizMobil-Korridor)
Empfehlung: Nimm die SchweizMobil Route 23: Basel – Franches-Montagnes und halte auf Delémont als Zwischen-/Ziel. Dieser Abschnitt führt durch das Birs-Tal und ist landschaftlich stark, mit überschaubaren Höhen (je nach Tagesform).
Zur Einordnung: Für die Etappe Basel → Delémont werden u. a. 43 km mit ca. 239 m Aufstieg angegeben. dreilandradregion.de
3) Delémont → Neuchâtel: über Tramelan/Tavannes → Seeland/Lac de Neuchâtel (möglichst flach)
Der flachste, „entspannte“ Teil ist die Region um den Lac de Neuchâtel. Ein sehr gutes Ziel ist deshalb, von Delémont aus zunächst in Richtung Biel/Bienne-Umfeld / Seeland zu gelangen und dann den Bereich rund um den Neuenburgersee zu nutzen.
So fährst du’s praktisch (ohne Alpen-Umwege):
Delémont → Richtung Tramelan / Tavannes (Jura-Süd-/Jura-Fussland statt hochalpiner Querungen) weiter in den Seeland-Korridor Richtung Neuchâtel dort zum Teil auf Strecken, die als „Lake Neuchâtel tour“ beschrieben werden: 107 km, mit Aussage, dass es keine nennenswerten Ups/Downs gibt (also sehr „eben“ im Fahrgefühl). Switzerland Tourism Wenn du es als „Route zum Abfahren“ brauchst
Ich kann dir daraus auch eine etappenweise Route mit konkreten Zwischenorten (z. B. mit 2–4 Etappen je nach Tempo/Training) formulieren. Sag mir nur kurz:
willst du 2 Etappen oder eher 3–5 Etappen? bist du eher E-Bike oder Trekking/Rennrad? wie viel „max. Steigung“ im Gefühl okay ist (z. B. lieber vermeiden, wenn’s über 5% geht)? Dann mache ich dir eine passende, möglichst steigungsarme Linienführung mit klaren Stopps.
Ohne Alpen-Umwege! So soll das sein!
An der Stelle übernehmen wir mal selbst von der KI und erstellen auf Grundlage der Vorschläge eine Route in bikerouter.de. Und dann sieht das doch schon recht passabel aus:
Ok, ein paar Kilometer mehr... aber: etwa 1.000 Höhenmeter! Ein Drittel des ursprünglichen Anstiegs!
Für die nötigen Ressourcen - wo sind passende Campingplätze, Supermärkte und was weiß ich noch - lässt sich das dann noch in OnRouteMap verfeinern. Und dann kann's losgehen.
Am 4. August bringt uns die Deutsche Bahn (hoffentlich) rechtzeitig nach Freiburg im Breisgau, und da starten wir dann gegen 14 Uhr vom angegebenen Startpunkt, dem Café Marcel im Stadtgarten, an der Talstation der Schlossbergbahn. Will noch jemand mitfahren?
(Thomas Wiegold)
















