Es ist schon bemerkenwert, in was fĂŒr einem scheinbar luftleeren Raum sich Meta-Diskussionen manchmal abspielen. Eine ehemalige Fandom-Freundin von mir hat erst kĂŒrzlich eine Antwort auf einen Beitrag geschrieben, in dem es darum ging, dass man ja aus SpaĂ an der Sache in Fandoms ist und es dem SpaĂ abtrĂ€glich sei, wenn man sich verpflichtet fĂŒhlen mĂŒsste Feedback zu hinterlassen. Und gerade las ich einen Post darĂŒber, dass man aus SpaĂ am Schreiben schreibt und nicht gegen âBezahlungâ in Kommentaren, sonst wĂŒrde Schreiben am Ende auch noch zur Arbeit.
Ich muss sagen, ich bin ein wenig verblĂŒfft von solchen Aussagen. Klar ist Schreiben auch Arbeit. Halt unbezahlte Arbeit, die man sich freiwillig ausgesucht hat. Weil es SpaĂ macht. Als Hobby, als Ausgleich, vielleicht auch um Anerkennung zu bekommen, die man sonst (in seinem Brotjob z.B.) nicht kriegt.
Daraus folgt erst mal gar nichts, auĂer dass man die Arbeit als solche anerkennt. Dazu gehört auch, dass man sich bewusst macht, dass die Zeit fĂŒr FandomaktivitĂ€ten immer von der Zeit abgeht, die man fĂŒr andere Dinge hat. FĂŒr Erwachsene heiĂt das im Regelfall neben der (Lohn-)Arbeit beispielsweise Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen und andere Reproduktionsarbeit, evtl. Kinderbetreuung, aber eben auch Sport, Ausgehen, Freunde treffen, Kino, Lesen, Fernsehgucken etc.
Nicht umsonst wird ein riesiger Anteil von transformativen Werken von Jugendlichen geschaffen, die noch zur Schule gehen, oder von jungen Erwachsenen, die studieren und/oder relativ wenig Verpflichtungen und relativ viel Zeit haben. In anderen Worten, oft sind es Eltern und/oder Studienkredite, die Fanfiction subventionieren, denn was man zum Schreiben braucht, ist, wie Virginia Woolf mal festgestellt hat, Geld und ein eigenes Zimmer. (Ihr Essay âA Room of One's Ownâ war die Inspiration fĂŒr die Bezeichnung âArchive of Our Ownâ.)
Sobald der âErnst des Lebensâ zuschlĂ€gt und Fanfic-Autor*innen Geld verdienen mĂŒssen, wird es schnell eng mit der Zeit fĂŒr Fanfiction. Vor allem fĂŒr diejenigen, die keine gut bezahlten Jobs machen, stellt sich immer die Frage, wie sie (vor sich und anderen) rechtfertigen so viel Zeit auf eine TĂ€tigkeit zu verwenden, die sich per definitionem nicht monetarisieren lĂ€Ăt. Die unzĂ€hligen Links zu Ko-fi, Patreon und anderen Crowdfunding-Sites, die man mittlerweile (illegalerweise) auf AO3-Profilen und in Blog-Descriptions findet, sprechen eigentlich schon BĂ€nde. Viele können sich die Arbeit an transformativen Werken offensichtlich eigentlich gar nicht leisten.
Gleichzeitig ist es aber vielleicht gerade wichtig, Fandom-aktiv und -kreativ zu sein, wenn man sich von seinem Job und/oder Leben nicht erfĂŒllt fĂŒhlt. Fandom ist dann der Ort, an dem man sich selbst ausdrĂŒcken kann und an dem man Anerkennung dafĂŒr bekommt. Oder bekommen möchte.
Das sollte jetzt eigentlich niemanden ĂŒberraschen.
Und gleichzeitig rĂŒttelt diese Erkenntnis auch nicht an den Fundamenten von Fandom: Fanfiction muss gratis bleiben. Fandom basiert nicht auf einem kapitalistischen Tauschprinzip. Man kann niemanden zu irgendwas zwingen, weder zum Schreiben/Zeichnen noch zum Kommentieren/Lesen. (Und auch nicht zum Moderieren, Organisieren, Podficcen, Giffen oder was man sonst noch so machen kann.) Alle BeitrĂ€ge sind freiwillig.
Aber wenn man die Debatte zu sehr auf SpaĂ ohne Verpflichtungen und schlechtes Gewissen herunterbricht, dann ruiniert man genau den SpaĂ an der Sache, der meines Erachtens auf Austausch, Anerkennung, Kommunikation und Gemeinschaft beruht, nicht auf einseitigem Konsum von unbezahlter Arbeit.
Wenn mich jemand zum Essen einlĂ€dt, sage ich doch auch âDanke, war leckerâ, oder? Ist ja nicht selbstverstĂ€ndlich, dass sich jemand ne Stunde in die KĂŒche stellt, um etwas zuzubereiten, von dem ich dann ohne was dafĂŒr zahlen zu mĂŒssen was abbekomme. So ist das halt letztlich auch mit Fanfiction.Â