Wie wird die Erde in 300 Jahren aussehen? Wichtige Ereignisse bis dahin und die Schicksale Einzelner in einer von Utopien geprägten Welt erfahrbar zu machen soll Aufgabe dieses Blogs sein.
Durch die im Pazifik gelegenen Marshall-Inseln zog sich am gestrigen Tag ein Erdbeben ungeahnten Ausmaßes. Unter Anderem gab es starke Erderschütterungen auf den Inseln Bikini, Eniwetok und Runit. Zwar waren Erdbebenwarnungen ausgegeben worden, doch hatte die kleine örtliche Behörde diese aus bislang unbekannten Gründen ignoriert. Da die Inseln jedoch aufgrund der großen Auswirkungen des Klimawandels beinahe unbewohnt sind, gab es unter der Bevölkerung kaum Verletzte. Allerdings wird eine europäische Urlaubsgruppe, darunter auch ein Deutscher, vermisst, von der bislang jede Spur fehlt.
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Sie überfordern die Staaten Europas und der ersten Welt: Kriminelle, Arbeitslose, Flüchtlinge. Das tägliche Auskommen von Millionen von Menschen, die nicht zur Arbeit gehen, lastet schwer auf der Gesellschaft und damit auf den Taschen der normalen, arbeitenden Bürger. Das muss nicht sein dachte sich jetzt das Nordeurasische Parlament und beschloss die Betreuung und Integration der schwachen Glieder der Gesellschaft komplett in die Hände wirksamer Helfer zu geben. In dem über-Tausend-seitigen Abkommen „AECI“ (Agreement on Efficient Correction and Integration) mit den Amerikanischen Großkonzernen GEEOgroup CCCA wurden bis gestern die exakten Rechte und Pflichten für Betreuer und Betreute festgelegt. Letztere sollen in neu entstehenden Anlagen die optimalen Voraussetzungen bekommen, wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden. So gibt es dort beispielsweise regelmäßige Mahlzeiten, eine feste Anstellung und einen rund um geregelten Tagesablauf. Und das Beste: Die Gesellschaft profitiert langfristig direkt und indirekt von der Leistung, die dort erbracht wird. Denn in den Anlagen werden unter anderem Kleidung und technische Geräte für den globalen Markt produziert und der Gewinn soll nach der Einführungsphase auch hoch versteuert werden. Außerdem können die Teilnehmer an dem Projekt auch als Leiharbeiter bei anderen Firmen arbeiten, wenn sie einwilligen, ihre Gedanken und Bewegungen durch einen schnell eingepflanzten Microchip von einer elektronischen Aufsicht überprüfen zu lassen. Damit sind sie überall einsetzbar und können wirklich der ganzen Gesellschaft zu neuem Nutzen verhelfen.
Was hat die ersten zwei Weltkriege ausgelöst? Was ist immer wieder für unnötigen Hass zwischen Menschen verantwortlich? Was steht einer gerechten und nutzenorientierten Flächenaufteilung der Erde im Wege? Richtig, es sind die Nationen, die Staaten und ihre Vertreter. Abgesehen davon, dass die echten Völker und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl sich durch die fortschreitende Globalisierung ohnehin in Folklore und Fußball auflösen sollten und werden, sind Staaten bald nicht mehr in der Lage irgendetwas wirklich zu kontrollieren. Die Privatisierung der Gefängnisse ist einer der Schritte in die Richtung einer Weltordnung, die sich wirklich am Wohl der Menschen orientiert, daran, das System möglichst effizient zu gestalten, sodass die Gesellschaft den besten Nutzen daraus zieht. Das Prinzip der Nation, das darin besteht mit geographisch-kultureller Begründung andere auszuschließen, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl so wie eine Gesellschaft aufzubauen ist längst verhaltet. Es ist Zeit, ordnungstechnisch globaler zu denken. Nach Werten könnte man die Weltgesellschaft unterteilen oder nach Wohlstand und Technisierung, aber nicht mehr nach Nationen. Eine Nation ist eine Beliebigkeit auf einem Pass. Die Welt ist längst zwar nicht eins, aber sie funktioniert anders.
Nach dem herben Rückschlag für die Herbizid-Industrie: der Resistenz vieler Unkräuter gegen den Wirkstoff Glyphosat, hat der US-Amerikanische Konzern Sonmanto jetzt ein neuartiges, auf lange Zeit wirkendes Herbizid entwickelt und bereits erfolgreich getestet. Das Unkrautvernichtungsmittel Klironomia AT ist vielseitig einsetzbar: Es wirkt sowohl als Blattherbizid als auch als Bodenherbizid und kann somit die ganze Pflanze angreifen und vollständig in sie eindringen. Aber nicht nur die Anwendung, auch die Wirkungsweise ist neuartig. Ähnlich einem Virus dringen die Wirkstoffe bis in die Zellkerne der Pflanzen vor und verändern die DNA, um den Störfaktor genetisch auch von gleichartigen Pflanzen zu isolieren. Die Pflanzen werden entweder fortpflanzungsunfähig, weil sie potenzielle Fortpflanzungspartner nicht (nicht einmal sich selbst) mehr als solche erkennen. Weiterhin hindert es sie an Wurzelbildung, was auch ihre vegetative Fortpflanzung verhindert.
Die Forscher haben den Virus so programmiert, dass er nur bestimmte Pflanzen befällt. Dennoch sollen vorsichtshalber alle erwünschten Pflanzen mit einem Gegenmittel versehen werden das noch in Arbeit ist und ebenfalls von Sonmanto vertrieben wird. Die Wirkung soll sich auf folgende Pflanzen beschränken:
Gewöhnliches Hirtentäschel
Weißer Gänsefuß
Kleiner Storchschnabel
Gewöhnliches Greiskraut
Gemüse-Gänsedistel
Vogelmiere
Geruchlose Strandkamille
Acker-Gauchheil
Stängelumfassende Taubnessel
Purpurrote Taubnessel
Acker-Vergissmeinnicht
Windenknöterich
Floh-Knöterich
Acker-Gänsedistel
Feld-Ehrenpreis und Acker-Stiefmütterchen
Gemeiner Windhalm, Kornblume
Schmalblättrige Wicke
Rauhaarige Wicke
Gänsefuß
Knäuel-Hornkraut,
Europäischer Sauerklee
Blutrote Fingerhirse
Gewöhnlicher Reiherschnabel
Behaartes Knopfkraut
Rote Borstenhirse
Grüne Borstenhirse
Ohne diese unerwünschten Gewächse blüht allen Landwirten weltweit eine sorgenfreiere Zukunft!
Alle Zweifler an der Innovationsfähigkeit des Apple-Teams dürfen sich beim Erscheinen des neuen iPhone 20 wieder einmal in die Ecke stellen und schämen, denn dank hochsensibler Mikrophone und Sensoren zum Messen von Luftströmen sowie Kamerafunktionen zur Auswertung von Bewegungen, ist das Gerät in der Lage nahezu alle Instrumente perfekt zu imitieren und zu ersetzen. Über die App iMuse lassen sich Funktionen für die verschiedensten Instrumente wie z.B.: Geige, Trompete, Klavier, Schlagzeug aber auch E-Gitarre und viele weitere Instrumente ohne viel üben oder lernen einfach spielen und direkt abmischen. Dabei sind fließende Übergänge zwischen den einzelnen Instrumenten möglich, was zu einem wundervollen, ganz individuellen Musik-Erlebnis führt. Die App ist direkt mit dem iTunes-Store verknüpft, sodass jeder iMusician sein Werk direkt online stellen, bewerben und verkaufen kann. Aber das neue iPhone wäre nicht das neue iPhone wenn das ganze nicht einem größeren, effizienteren und schlankeren Design naher käme. Alle Mikrophone und Sensoren sind selbstverständlich fließend in die elegante Metallhülle integriert und so positioniert, dass sie intuitiv benutzt werden können, ohne dass der iMusician wissen muss, wo im Gerät sie sich befinden. Das neue iPhone: Dein Instrument. Deine Inspiration. Dein Alles.
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30. August 2018
Die Architektin Adriana Danica Ciernik stellte auf der vergangenen Messe für bewegende Architektur die eiförmige Ökocapsule vor. Sie ermöglicht es jeder Person völlig autonom an jedem beliebigen Ort der Welt zu leben, basierend auf ihren nachhaltigen Energiequellen: Das Mikro-Haus nutzt eine 2,6m2 große Solarzellenfläche auf dem Dach, eine kleine Windkraftanlage und ein Wassersammel und -filtersystem. Sie ist bei einem Gewicht von 1500 Kilogramm 4,5 Meter lang, 2,40 Meter breit und 2,55 Meter hoch, was es erlaubt Sie zu verschiffen, per Flugzeug zu transportieren oder zu ziehen. Gleichzeitig bietet sie problemlos Platz für zwei Erwachsene und zählt eine Kitchenette, eine Toilette mit Wasserspülung, sowie eine (heiße) Dusche zu ihrer Einrichtung; die Steckdosen haben eine Leistung von 750 W, die Batteriekapazität beträgt 9744Wh. Ebenfalls gegeben sind ein ausziehbares Bett, mehrere Schränke, sowie sonstiger Stauraum-auch für professionelles wissenschaftliches Equipment geeignet- einen Tisch und elektrisches Licht. Durch die geringe Größe und enorme Unabhängigkeit ist die Capsule besonders interessant für Forscher, Touristen, als Notfall-Haus oder als Wohneinheit für Empfänger humanitärer Hilfe und Obdachlose. Abgestellt werden kann sie jedem beliebigen Ort: auf Hausdächern, in Feldern, an Stränden, in den Bergen oder ganz gewöhnlich im Vorgarten.Die Ökocapsule wird ab Ende dieses Jahres erhältlich sein, ab Beginn des nächsten Jahres auch mit eigenem Fahrwerk. (Preise werden bekanntgegeben)
26. März 2252
Der Klima-Energie-Plan sieht vor bis 2300 Treibhausgasemissionen um 90% zu reduzieren. Ein Schritt dieses Ziel zu erreichen ist der Umbau aller größeren Städte und Mega Cities unter der Leitung des Architekturdevelopmentprojekts „Rise High“, das acht verschiedene green tower Gruppen vorsieht, von denen jede Elemente der Natur und erneuerbare Energien in sich vereint. Die erste Kategorie, der „Berg“, soll einen Knotenpunkt der Energie darstellen, sowohl technisch als auch menschlich. In diesen Türmen werden Wohnungen untergebracht ebenso wie ein Photovoltaikanlage, die Strom und heißes Wasser produziert.
Nachts wird ein Pumpensystem überschüssiges, ungenutztes Wasser an der Fassade entlangfließen lassen, um so die Außengärten sämtlicher 100 bis 275 Etagen zu bewässern. Der innere Teil des Turms besteht aus einer hohen, ovalen Glaskuppel, deren Stahlgerüst durch Libellenflügel inspiriert wurde, eingerahmt durch halbkreisförmig angeordnete Gärten.Ein zweiter Typ sieht „Anti-Smog“ towers vor: Sie haben die Form von Tornados, wobei der innere Aufbau dem einer Spirale entspricht und das Filtersystem darstellt. Am oberen Ende sind Turbinen mit einem Durchmesser von 73 Metern angebracht, welche die verunreinigte Luft anziehen, sie im Inneren reinigen und unten wieder abgeben. Von Außen sind die Türme mit Hängegewächsen bepflanzt, sowie am Fuß mit Bäumen.„Photosynthesis“ dagegen ist eine Glas-Stahl-Blase, die bereits bestehende Türme umhüllen kann und an der Fassade Mikro-Algen-Teppiche in Photobioreaktoren in laminiertem dreieckigem Glas des äußeren Rings, der nach oben geöffnet ist, hat. Die Algen nehmen die thermale Sonnenenergie auf und produzieren energiereiche Biomasse, die in Raffinerien unterhalb des Gebäudes in Biotreibstoff umgewandelt wird und so 50% der Energie für Heizung und Klimaanlagen darstellt. Im Prozess entstehendes CO2 wird den Algen als Nährstoff zugeführt.Der Typus „Bambus“ bezeichnet ein Exoskelett aus ebenjenem, welches so wächst, dass sich in stabiles, regelmäßiges, ineinander verflochtenes Netz ergibt, das ebenfalls bereits existierende kleine und mittelgroße Gebäude umgeben kann. In den Innenhöfen werden Mikro-Biodomes errichtet die wie große biodiversive Gewächshäuser für pflanzliche Nahrung in den einzelnen Bambii sorgen. Ab einer gewissen Höhe können auch Windkraftanlagen als Tunnel eingesetzt werden, um Strom zu generieren. „Bienenwaben“ dienen primär als Wohnraum. Sie haben eine hexagonale Grundstruktur, sind etwa 2,50 Meter hoch und 15 Meter lang und können per Steckprinzip stabil an und in jedes Gebäude integriert werden. Die oberste Schicht hat immer ein Solaranlagennetzwerk installiert, welches sämtliche verbundenen Einheiten mit Energie versorgt. Die Waben sollten immer zu Clustern verbunden sein, um so Gartenwaben für einen Block zur Verfügung stellen zu können; die Größe und der Grundaufbau der Module variiert stark je nach Größe der darin unterzubringenden Wohngemeinschaft und dem zugewiesenen Nutzen. „Farmen“ bilden die sechste Kategorie. Je drei Türme aus vertikal verbundenen steinförmigen Photovoltaik-Stahl Konstruktionen ergeben eine Farm, in der sich sowohl Gewächshäuser als auch Tiere befinden, ergo: Agrikultur in der Luft. Farmen in Städten
bieten erhebliche Vorteile: Sie verringern den CO2 Fußabdruck durch lokalen Anbau und integrierte Filteranlagen erheblich. Sie sichern die Nahrungsautonomität jeder Stadt. Sie schaffen lokale Arbeitsplätze für die Produktion frischer, lokaler Bioprodukte. Das Recycling findet in einem kleinen, geschlossenen Kreislauf statt, was auch Pestizide, Insektizide und sonstige Chemikalien reduziert. Sie entlasten ländliche Gebiete dadurch, dass unter anderem Abholzung für den Anbau von Monokulturen nicht mehr relevant ist und sie sparen Wasser durch die Wiederverwendung und -aufbereitung des städtischen Wassers. Die vorletzte Gruppe „Tubular“ stellt eine Mischung aus Wohnungen, Hotelzimmern und Büros dar. Es handelt sich grundsätzlich um in Etagen eingeteilte Glasröhren, die sich durch andere Gebäude schlängeln, sich an diese anpassen und sich auf diese stützen, um sich dann gerade nach oben zu erheben und in einem Dacharten zu enden. Um diesen inneren Aufbau windet sich der äußere, ein Gerüst mit Pflanzenzellen Struktur, was stark zur Klassifizierung als Energie-Positiv beiträgt, die Türme produzieren also mehr Energie als sie verbrauchen. Die Fassade besteht aus Grätzel-Zellen, welche eine photo-elektrochemische Membran bilden, inspiriert vom Photon sind und des weiteren auch für die Stromerzeugung durch Elektrolyse verantwortlich sind. Die Entstehung von Röntgenstrahlung durch Oxygen und Luftfeuchtigkeit führt zur Reduktion von organischer, fester und flüssiger Materie sowie Gasen im urbanen Smog.Die achte Kategorie sind die U-förmigen, bewohnbaren „Brücken“, die sich über sämtliche Flüsse spannen und an deren steilen Hängen Moos- und Algengärten angebracht sind. Ihre hydrokinetischen Windturbinen verbinden beide Hänge der Brücke durch Schleusen, erzeugen effektiv Strom und wärmen so die Wohnungen, unterstützt durch die kinetischen Wasserräder am Fuß der Brücke. Der Umbau soll im kommenden Jahr in Chicago, New York, Beijing und Mumbai beginnen und wird via Live-Stream auf der Website des Projekts übertragen.
14. Juni 2091
Die Firma Vortex Design - bekannt für ihre Innovationen im Bereich Windenergie - haben nun „Bladeless“ entwickelt, Rotorblattlose Windkraftanlagen. Die weißen Stauden maximieren ihren Durchmesser mit wachsender Höhe und sind so gebaut, dass sie stark vibrieren können, ein Phänomen, welches normalerweise zu vermeiden versucht wird. Die flügellosen Turbinen bedienen sich spezieller Magnete um sicherzustellen, dass die Turbine möglich optimal, das heißt energie- und kosteneffizient, schwingen kann, ohne negativ von der Windstärke beeinflusst zu werden. Die Vibration der WKAs wird in einer Weise von einem Generator in Elektrizität umgewandelt, die die konvertierte Elektrizität rund 40% kostengünstiger macht als die der gewöhnlichen Windkraftanlagen, da die Turbinen aufgrund der fehlenden Rotorblätter billiger in der Herstellung sind, und die Instandhaltungskosten durch den zunehmenden Mangel an beweglichen Elementen reduziert werden.Vortex gibt an, ihre Windkraftanlagen generieren etwa 30% weniger Energie als jene mit Flügeln, da es durch as neue Design jedoch möglich ist die doppelte Anzahl an „Bladeless“ auf der gleichen Fläche zu installieren als noch bei ihren Vorgänger realisierbar war ist dies jedoch relevant und wird weiter optimiert werden. Des weiteren werden sie ungleich leiser sein, indem sie Störungen der Windströmungen vermeiden, welche durch Rotorblätter entstünden.Die ersten öffentlich zugänglichen Anlagenkomplexe befinden sich in Singapore und sich zur Besichtigung freigegeben.
Solar Roadways: Nächstes Jahr beginnt der weltweite Ausbau öffentlicher Verkehrswege
20. November 2170 -
Die intelligenten, mikroprozessierenden, hexagonalen Sonnenkollektoren werden bald den Asphalt ersetzen, der anfällig ist für wiederkehrende Probleme und Gefahren wie Schlaglöcher, Risse und starke Hitzeabstrahlung, was oft die Ausbesserung eines ganzen Straßenabschnitts erfordert, wohingegen die Solarpaneels einzeln ausgewechselt werden können, sollten sie beschädigt sein. Sie sind mit recyceltem Glas ummantelt, welches mehrfach getestet wurde, um sämtlichen Traktions-, Temperatur- und Gewichtsansprüche zu erfüllen.
Sie sind auch für schneelastige Gebiete geeignet, da sie mit Wärmeelementen ausgestattet werden können, welche die Oberflächentemperatur stets wenige Grad Celsius über dem Gefrierpunkt halten und so zugefrorene und verschneite Straßen, Spiel- und Sportplätzen, Einfahrten, Geh- und Fahrradwegen vorbeugen. Als Konsequenz daraus ergeben sich wiederum weniger Straßenschäden, Unfälle, Staus und die Abschaffung schwerer Räum-und Streufahrzeuge.Als Solarpanels erzeugen sie Elektrizität durch Nutzung und Umwandlung von Sonnenenergie, für private Haushalte, öffentliche Gebäude aber auch für sämtliche Elektro-Fahrzeuge: durch eine gegenseitige Induktionstechnik wird deren Aufladen ermöglicht, so dass nun jede Person ein solches nutzen kann. Da es sich um Sonnenenergie handelt wird, wird es sich hierbei um ein kostenloses Unterfangen handeln, unter anderem auch, da ein weltweites Solar Roadway System etwa das Dreifache der global benötigten, sauberen Energie erzeugen kann. Parallel zur Straße wird ein Kabel-Korridor verlaufen, welcher sämtliche Strom- und Datenkabel enthalten wird, unter anderem High-Speed-Internet und somit stör- und sturmanfällige Telefon- und Strommasten ersetzen, was die Gefahr von Stromausfällen drastisch reduzieren wird. Ein zweiter ebenfalls paralleler Kanal sammelt Regen- und Schmelzwasser und leitet es zu Aufbereitungstationen um oder verarbeitet es vor Ort, um es dann in Flüsse und Seen umzuleiten; so wird deren Verschmutzung reduziert.Die in die Paneels eingebetteten LEDs können programmiert werden, intelligente Straßenlinien und -signale ersetzen und effektiver machen. So müssten etwa Umleitungen auf Autobahnen nicht mehr aufgemalt werden, Ampeln und Schilder könnten effizienter arbeiten und auf Parkplätze könnten sich die Größe der Stellflächen individuell den parkenden Fahrzeugen anpassen. Des weiteren erhöhen sie die Sichtbarkeit in der Nacht und unterstützen auf Landebahnen Piloten. Ebenso könnte man auf einer Fläche verschiedene Konfigurationen für verschiedene Zwecke möglich machen, etwas mehrere Sportcourts oder Umwandlung zu Parkplätzen, Festivals und kulturellen Veranstaltungen aller Art. Die Platten sind zusätzlich drucksensitiv, warnen also bereits hunderte Meter vor einer potenziellen Gefahr durch LED-Text, sollten sich Tiere auf der Fahrbahn aufhalten, Bäume umgestürzt, ein Stau entstanden oder ein Steinschlag passiert sein. Außerdem schaffen sie Arbeitsplätze beispielsweise durch Manufaktur und im Gebiet der Infrastruktur, ebenfalls werden die Straßenspezialisten integriert. Weitere Fortschritte zum Beginn und den Fortschritten des Umbaus werden auf der Website des Internationalen Straßenverkehrsbunds bekanntgegeben.
Dezellularisation - ein weiterer Durchbruch in der Organspende
2. April 2036 -
Dezellularisierung ist eine Gewebe-Engineering-Technik, die es erlaubt von einem Spenderorgan die Zellen des Spenders zu entfernen, so dass nichts anderes als Bindegewebe zurückbleibt, welches die Zellen in ihrer Position hielt. An dieses Gerüst des Bindegewebes - wegen seines blassen und fast durchscheinenden Aussehens auch „ghost organ" genannt - können dann die empfängereigenen Zellen wieder ausgesät werden; mit dem Ziel der Regeneration eines Organs, die in den Patienten ohne Angst vor Gewebeabstoßung transplantiert werden können. Diese Technik ist um einiges günstiger und wird Wartezeiten auf Spendenorgane auf ein Minimum reduzieren, da auch Organe tierischen Ursprungs genutzt werden können, insofern sie sich größentechnisch geeignet zeigen. Für weitere Informationen und - sollten sie Betroffen sein - zur Vorbereitung auf den Eingriff, wenden Sie sich bitte an ihren behandelnden Arzt.
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Kräftige Schläge gegen die Magenwände. Diese Schmerzen. Diese furchtbaren Bauchschmerzen. Etwas wuchs in ihr. Es wurde größer, wollte Platz, den es nicht gab und wollte vor allem eines: hinaus.
Was? Ernsthaft? Eine Schwangerschaftsphantasie? Nein, doch nicht. Da war noch dieses Schuldgefühl, das die ganze Situation überlagerte. Und sie kannte das etwas in ihrem Bauch bereits...
Achja. Doch im Moment der Erkenntnis...
...Szenenwechsel: Immer größer wurde der rote Fleck im Sand unter ihnen. Sandkorn für Sandkorn sog die Welt die wertvolle Flüssigkeit in sich auf. Der Alte röchelte schwer, bemühte sich aber um ein Grinsen, eine grässlich freundliche Grimasse. Sie konnte noch nicht los lassen. Sie durfte auch nicht. Auch wenn die Wirkung jetzt erreicht war. Ihre Hand war verkrampft. Als wollte Sie das harte Messer zerquetschen. Kapitän Gollat war ein guter Mensch... gewesen. Oder noch war er. Und anscheinend wollte er doch bleiben, denn im Ringen um die Beherrschung bäumte er sich plötzlich auf und mit einem gestöhnten: „Du hättest... mich... besser... fesseln müssen...“ ging er ihr an die Gurgel. Sie konnte nichts tun. Die Finger des Mannes, den sie gerade umbrachte drückten ihr in die Halsschlagader, versuchten sie am Hals von ihm wegzudrücken. Der allerletzte Lebenswille eines Kämpfers wurde ihr gerade gefährlich.
Aber überwältigt von dem Bewusstsein, dass der einvernehmlich Plan, dass sie allein überleben sollte doch noch einen Gegenspieler hatte, nämlich den, dass der Mann gar nicht fähig war, wirklich sterben zu wollen, tat sie einfach nichts. Er tat auch nicht wirklich viel. Er hätte ihr problemlos den Kehlkopf eindrücken können aber er schnürte ihr nur die Luft ab, gab ihr das Gefühl, dass Leben und Zeit schneller vorbei gingen. Der schwere Alte lag jetzt auf ihr. Mit jedem Versuch eines Atemzuges sog sie seinen Schweißgeruch ein. Luft. Saugen. Fester! Als es in Ihrem Kopf richtig eng wurde, war nur noch Platz für das Wichtigste: Leben. Tod.
Sie drehte das Messer im Brustkorb ihren Freundes um, zog es heraus und stieß ihn von sich.
Schwall.
Blut.
In ihrem Kopf und auf ihren Körper. Zwei kräftige Pulsschläge brauchte sie, um wieder voll da zu sein.
Adrenalin.
Leben.
Länger leben.
Hieß: schnell den vorbereiteten Plastikbeutel greifen und an die Wunde des Sterbenden halten. Denn jetzt war der Strom kaum noch aufzuhalten. Und während sie egoistisch dem jetzt endgültig sterbenden den Lebenssaft abfing, entspannte sich der endlich. Nun gelang ihm das verschmitzte Grinsen, das er während ihrer gemeinsamen Zeit immer wieder gezeigt hatte. Ruhig, mit letzter Anstrengung sah er sie an. „Hast du... gut... gemacht... mach weiter... für mich...“ Und weil er Kapitän Gollat war, musste er noch hinzuhauchen: „Und falls du doch noch willst, es gibt immer noch rigor mortis.“ Seit dem Tag, als sie sich kannten hatte der Alte halb ernst versucht, sie ins Bett zu bekommen. „Gute Nacht.“ Das waren seine letzten Worte am Vormittag. „Gute Nacht.“ und ein tränenfeuchtes Schmunzeln ihm zuliebe waren ihre Antwort. Das war das Ende ihrer Freundschaft. Und dafür, dass es auch sein Tod war, war es ein gutes Ende, wie sie fand. Denn in ihrem Beutel hatte Sie jetzt eine Menge Flüssigkeit, die sie zumindest ein bisschen länger am Leben halten würde. Und trotzdem hatte sie gerade einen Menschen umgebracht, einen der besten Menschen, den sie kannte. Denn er hatte sich für sie geopfert, hatte ihr erklärt, wie sie in umbringen sollte, und wie sich am meisten Wert aus seinem Körper schöpfte und...
Wie oft sollte Sie diese Situation eigentlich noch durchmachen? Bis sie sie verarbeitet hatte? Das schaffte sie doch niemals! Sie würde wohl bis an ihr Lebensende davon träumen müssen.
Obwohl sie einiges gewohnt war, tat sie sich schwer, die Übelkeit zu unterdrücken, als sie aufwachte, sehr schwer. Doch wie ihre Träume hatte sie auch ihren Würgereflex halbwegs unter Kontrolle. Auf diese Weise Wasser zu verlieren war das letzte, was sie auf ihrem ziellosen Weg durch die Wüste brauchen konnte.
Gott, wie ich diese Idee hasste. Und da war ich höchstwahrscheinlich der einzige. Weshalb ich auch nichts gesagt hab.
Das würde hier auch nie jemand machen. Außer man wäre extrem dumm.
(Dafür könnte das ominöse D auch stehen…sogar das E wenn ich es mir recht überlege.)
Für 40 Stunden wollten wir alle gesammelt in die Wüste, was, wenn wir mal ehrlich sind, nicht nur höchstgradig illegal, sondern auch ebenso höchstgradig gefährlich war. Das war allerdings auch der Grund für diesen Plan - der Kick. Am Anfang hatte es noch gereicht in Abendgarderobe mit aufgespannten Schirmen aus einigen Metern Höhe zu springen, mittlerweile musste der Tod greifbarer sein.
Jetzt hatte ich also die ganze Nacht bis zum Morgengrauen Zeit gehabt, um mich vorzubereiten, was einfach war, da ich mir nur eine Thermosuit Montur und ein weiteres in meinen Rucksack packte, welcher ein integriertes Wasserfiltersystem beinhaltete, das vor 300 Jahren noch sehr viel größer in einer der damaligen Raumstation benutzt wurde, um eben aus Urin Wasser zu gewinnen, das zumindest zu dieser Zeit noch reiner war als das auf dem Planeten selbst. Es wäre unsinnig auch nur zu versuchen die benötigten Mengen an Flüssigkeit oder Nahrungsmitteln in Flaschen oder Kanistern mitnehmen zu wollen, aus diesem Grund also das Filtersystem und ein paar von den Nährstoffsupplements. Dazu noch ein Hightech-Lowweight-Tent - wer sich diesen Namen ausgedacht hatte, musste ein Genie der obersten Riege sein -, das sich auf Hosentaschenformat zusammenfalten konnte und sturmfest war. Mehr wollte und konnte ich nicht mitnehmen, das wäre unter den zu erwartenden Bedienungen schlicht zu schwer und anstrengend.
Es würde nicht mehr Sinn machen jetzt zu gehen, als noch länger zu Hause zu bleiben, also machte ich mich auf den Weg zum Treffpunkt, von dem aus es nicht mehr wirklich weit zur Grenze war, sich aber dafür wohl um die am schwersten überwachte Stelle handelte. Das einzig Gute daran: an diesem Teil handelte es sich nicht um menschliche -mehr oder minder - Wachen, wie an den meisten anderen Abschnitten, sondern um „Safety-Ensuring-Bots“ - oder kurz SEBs - welche man, Überraschung, hacken konnte. Zumindest die Mehrzahl unserer Gruppe konnte das.
Manchmal fragte ich mich was ich da überhaupt zu suchen hatte.
Angekommen, wartete ich.
Einige Stunden.
Die in mir die Frage aufwarfen, ob ich nicht doch lieber zu Hause geblieben wäre und noch etwas aufräumen hätte sollen, bis schließlich gleich zwei Mitglieder auf mich zusteuerten, deren Namen ich mir beide nicht merken konnte, was allerdings auch nie erwartet wurde, man grüßte sich für gewöhnlich mit einem erhabenen Kopfnicken, das irgendwas mit den Verhaltensregeln von vor einem halben Jahrtausend zu tun haben soll und anscheinend auf Distinguiertheit schließen ließ.
Ich nickte zurück.
So kamen - besser schlurften, trotteten, hüpften und so weiter - auch die restlichen elf dazu, von denen sieben auch gleich ihre flimmernden Holoboards anwarfen, um wiederum mit der Arbeit zu beginnen. Ich war davon ziemlich beeindruckt, solche Holos waren immer noch ziemlich teuer, egal was die Lobby so prophezeite, im Gegensatz zur Integration von Hochleistungsrechnern in der Größe von kleinen Fingernägeln in den Körper. Die hatten ja alle, auch wenn ich meinen beispielsweise nie auf diese Art verwenden könnte, weil ich mich damit einfach nicht so auseinandersetzte. Mir genügte die grundsätzliche Vernetzung mit meinem Haus. Wieder ein absolutes Gegenbeispiel zum Rest der Anwesenden, die ihre Computer ja kaum noch ausmachten, um sich sicher fortzubewegen. Auf jeden Fall flogen nun Zeichen durch und über die virtuellen Oberflächen, ohne dass die Operators auch nur einen Muskel bewegten. Daran erkannte man die wahren Profis…oder Abhängige. Diejenigen, die sich nicht mit dem Hacken von potenziell tödlichen Staatsrobotern beschäftigten, starrten in die Leere, auch wenn das nur so aussah, sie bewegten sich höchstwahrscheinlich in irgendwelchen 4DOnlineGames herum, in denen sie für irgendwelche längst vergessenen Staaten kämpften. Mir war schleierhaft wie man das noch so von der Realität unterscheiden konnte, dass man auch wieder dahin zurückkehren konnte, aber war ich ja wie gesagt kein Fachmann.
Und deshalb starrte ich einfach in die tatsächliche Leere, bis sie damit fertig waren, etwas zu tun, das eigentlich als unmöglich eingestuft wurde, und wir im Halbdunkel zwischen den letzten labyrinthartigen Mauern der Stadt in die Wüste aufbrechen konnten ohne Gefahr zu laufen festgenommen, erschossen, betäubt, überfahren oder geschockt zu werden, was alles höchstwahrscheinlich sicherer war als das, was wir geplant hatten.
Nur in diesem Bezirk waren die Grenzen zwischen Stadt und Wüste so fließend wie hier. Kaum hatte man die letzten bröckelnden Mauern hinter sich gelassen, fand man sich schon zwischen kleinen und größeren Gesteinsbrocken wieder, die eine graue Fläche bis zum Horizont bildeten. Allerdings ich hatte es mir hier um einiges heißer vorgestellt. Stattdessen war es wirklich kalt. Bestimmt nur 4 oder 5°C. Und es roch komisch. Hoffentlich war das einfach der typische Geruch, der außerhalb der Stadt herrschte und hatte nichts mit den Gerüchten über giftige Abfälle zu tun.
Vielleicht war es aber auch nur ungewohnt und würde mit etwas Bewegung in diesem Terrain wärmer werden, spätestens wenn die Sonne richtig aufgegangen war. Das Beruhigende war, das weit und breit außer uns nichts und niemand zu sehen war. Ich war stehengeblieben, um mich in Ruhe umzuschauen, im Gegensatz zu den anderen, die einfach in die Wüste gelaufen waren. Da ich keine Lust hatte sie aus den Augen zu verlieren und womöglich noch suchen zu müssen, gab ich mir Mühe aufzuschließen, was schwieriger war als gedacht. Der Boden bröckelte, gab an vermeintlich trittfesten Stellen nach und brachte mich zum rutschen, bis ich schließlich wieder bei den anderen war, wo sogleich eine Diskussion auf mich einprasselte.
Bis ich den Feed von Anfang an gelesen hatte, waren sie schon zu einem Entschluss gelangt, weshalb ich mir das Senden meiner Meinung sparte. Das Piepen der eingehenden Nachrichten in meinem Kopf war bis jetzt schon anstrengend genug gewesen, und ob wir jetzt eher Richtung Norden gehen oder uns lieber etwas südlich halten sollten, war mir sowieso so egal, dass ich aufhörte zu lesen.
Daran änderte sich auch bis gegen Mittag nicht viel, als ich erkannte, dass ich mich in meiner Vorstellung, eine Wüste wäre heiß, nicht geirrt hatte.
Es war noch viel schlimmer, als ich es mir jemals hätte ausmalen können.
Der Boden flimmerte und erzeugte scheinbare Pfützen, die immer kleiner wurden, umso näher man ihnen kam, um sich schließlich, wenn man sie erreichte, in Nichts aufgelöst zu haben. Ich hatte trotz meines genialen Filtersystems nicht genug Wasser, weil ich die Mengen an Flüssigkeit, die mein Körper verlor und die selbst meinen Thermo-Anzug lahmlegten, völlig unterschätzt hatte. Zwar hatte mir auch meine Ersatz-Garnitur schon behelfsmäßig um den Kopf gebunden, um irgendwie zu verhindern, dass mir die gleißende Sonne mit voller Kraft auf den Kopf brannte, doch das half nicht wirklich. Sogar durch meine Stiefel drückte sich die Hitze, als würde ich barfuß über glühende Kohlen laufen. Ich war verzweifelt. Mein Körper war grauenvoll überhitzt. Meine Lippen waren aufgesprungen und bluteten, mein Gesicht von aufgewirbelten Splittern und Staub zerkratzt und mit einer dünnen Salzkruste überzogen. Doch über allem hatte. ich. Durst. Unendlichen Durst. Ich saugte an meinen Lippen, um so wenigstens etwas Flüssigkeit in meinen Mund zu bekommen. Das änderte aber nichts daran, dass es sich anfühlte, als würde ich schon seit Tagen eine pelzige, tote und steife Maus mit mir herumtragen. Mit dem einzigen Unterschied, dass nun auch der Geschmack nach alten Münzen hinzumischte.
Meine Beine waren schrecklich müde und ich hätte alles gegeben, um mein Zelt aufstellen, mich darin zu verkriechen und mich vor der Sonne verstecken zu können.
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Durst. Ich hatte so oft gesagt ich hätte Durst. Ich werde das nie wieder sagen. Jetzt weiß ich wie das wirklich ist. Doch wenigstens hatte ich seitdem wir im Morgengrauen aufgebrochen waren Wasser gehabt. Helle Kleidung. Stiefel. Vorbereitung. Die anderen hatten nichts außer sich selbst. Ich wollte mir nicht ausmalen wie es ihnen ging…fast hätte ich in meinem Zustand vergessen, dass es eben das war was sie hier suchten. Was anderes, einen Kick, das Extreme, Außergewöhnliche, einen Ausbruch aus ihrer überstimulierten Welt, damit sie überhaupt etwas fühlten. Und dafür machten sie das. Weil es sich nicht mehr real genug anfühlte in einem Spiel erschossen zu werden, das den realen Schmerz simulierte. Sogar das normale surfen durchs Netz lies soviel Input in verschiedenen Fenstern aufblitzen, glitzern, blinken und herumwirbeln und auch gern direkt durch die Computerverbindung ins Gehirn leiten, sodass es völlig überreizt nicht mehr in der Lage war etwas aufnehmen zu können. Darum existierte das hier überhaupt. Auch wenn es um einiges größer war als das Dutzend Menschen, das wir momentan darstellten.
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Ah… Kopfschmerzen. Bohrend. Stechend. Heiß.
Etwas tropfte aus meiner Nase über mein Gesicht.
Ich brauchte sofort Wasser; das einzig Naheliegende war es, den Pfützen hinterherzulaufen und eine echte zu finden.
Bis ich einen dumpfen Schlag hinter mir hörte. Fast direkt gefolgt von einem leisen Pling. Hatte ich mir die Lautstärke vorher nur eingebildet…? Ein Name. Welcher? Wer? Auch egal. Wasser. Durst.
Plötzlich ein Schmerz in den Knien, dann am ganzen Körper und dann nur noch Steine.
Jemand schleppte sich in mein Blickfeld, wälzte sich schwer atmend auf den Rücken und schloss die Augen.
Dann verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Grinsen.
Meine Augen hefteten sich auf seine blutverschmierten Zähne, die im Sonnenlicht schimmerten, bevor meine Lider anfingen zu flattern; mein Blick zum Horizont hinter ihm schweifte und mich eine Welle aus Dankbarkeit und Übelkeit überrollte.
Bis ich erkannte, dass die Punkte, die ich für Fehler in meinen Linsen gehalten hatte, langsam größer und länger wurden und sich näherkommende Gestalten verwandelten.
Ruckartig zwang ihn sein Exoskelett zum Wenden, weil die Hinterkopf-Kamera einen Gophler erkannt hatte, den nun seine Waffe erledigen konnte. Der Gophler jagte ihm einen ordentlichen Schrecken ein, denn eigentlich hatte er seine Feinde weit vor sich und seine Freunde hinter sich gewähnt,...
...aber da das Orientierungssystem nicht funktionierte, hatte er keine andere Wahl, als geradeaus weiter zu laufen. Seine Beine waren schwer. Doch er lief weiter, ging ab und an in Deckung und schoss, schoss, schoss. Hauptsache ungefähr in die richtige Richtung. Das Zielen übernahm die Waffe, an die er sich verzweifelt klammerte. Fieberhaft hoffte er, dass der Anzug oder der Helm eine Fehlfunktion hatte, denn seit Stunden meldeten sie eine starke Verletzung im Bauchbereich. Die Visieranzeige gab ihm noch eine halbe Stunde zu leben. Er verspürte leichte Schmerzen. Anscheinend hatte das auto-health-care-system des Anzugs nicht mehr genug Schmerzmittel, um die Wunde zu versorgen. Egal. Er hatte keine Zeit. Nicht jetzt, mitten in der Schlacht. Die Waffe gab den Piepton von sich, der signalisierte, dass sie Niemanden mehr treffen konnte. Und sie hatte recht. Um ihn herum waren keine Lebewesen mehr zu sehen. Doch als er sich anstrengte, auf einen kleinen Schutthaufen zu klettern, der anscheinend noch aus dem vorherigen Weltkrieg stammte, gab es einen gewaltigen Ruck. Gestein und altes Metall rollten gleichzeitig auf ihn zu und unter ihm weg. Sämtliche Warnsysteme seines Anzuges schlugen parallel Alarm und verstummten schlagartig. Dann fiel er, und er fiel, und fiel. Er spürte keinen Aufprall. Nur eine Art plötzliches Erwachen. Grelles Licht blendete ihn von allen Seiten und eine tiefe Stimme tönte aus allen Richtungen: „Willkommen Jareth. Willkommen in der letzten Wahrheit.“ Dann zog sich das Licht zurück und verschwand in einem Punkt irgendwo weiter vorn.
Seine Augen brauchten etwas Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, so ohne Unterstützung des Helm-Systems. Halb saß er, halb lag er zwischen den Trümmern eines zerbrochenen Holzstuhles, der aussah, als hätte sich jemand viel zu Schweres darauf gesetzt. Benommen rappelte er sich auf, um die Umgebung zu erkunden.
Er war in einer großen Höhle ohne erkennbaren Ausgang. Das einzige Licht kam von weit vor ihm, irgendwo hinter einer Menge Gerümpel. Direkt vor ihm steckte ein uralter, zerknautschter, verstaubter Jeep senkrecht im Boden und bildete eine der schiefen Säulen, auf der die Decke lastete. Jareth ließ den Blick weiter wandern und bemerkte, dass auch die Decke direkt über ihm aus einem Fahrzeug bestand, einem Kettenfahrzeug, höchstwahrscheinlich ein Panzer. Der Jeep direkt vor ihm musste auch zu militärischen Zwecken gebraucht worden sein. Jedenfalls war ein Maschinengewehr auf sein Dach montiert. Immer mehr erkannte Jareth in der Dunkelheit und so fiel ihm nun auf, dass von der Ladefläche des Jeeps einige Handgranaten herunter gerollt sein mussten, genau vor seine Füße. Die Wand rechts neben ihm war etwas, das er aus dem Geschichtsunterricht als Kutsche kannte. Als er an dem Jeep vorbei ging, erschrak er, denn es saß noch jemand darin. Und der war schon lange tot. Doch immer noch hingen die Skelett-Hände am Lenkrad. Die Uniform war inzwischen etwas groß und die Soldatenmütze war vom blanken Schädel gerutscht.
War Jareth auch tot? War das hier das, was danach kam? Immerhin spürte er keine Schmerzen mehr, obwohl der Anzug nicht funktionierte. Und dieser Ort war wirklich gespenstisch. Aber wie konnte er tot sein und zugleich einen Toten sehen? Müsste der dann nicht auch „wieder“ leben...? Als Geist? Er verwarf den Gedanken, so, wie er es immer tat, wenn etwas zu kompliziert wurde. Stattdessen beschloss er, die Höhle auszukundschaften und die Quelle des Lichtes zu suchen.
Je weiter er durch die Höhle vordrang, desto ältere und seltsamere Gegenstände sah er. Viele hatten Klingen und Zacken. Immer wieder lagen Skelette mit Rüstungen aus längst vergangenen Zeiten durcheinander. Bei ihrem Anblick schauderte es Jareth immer wieder von Neuem. Teilweise waren die Waffen und Rüstungen auch sortiert. Neben einem Stapel bemalter Schilde türmten sich Helme mit Federbuschen. Und als Jareth einem Haufen antiquierter Pistolen auswich, stolperte er gegen einen Turm aus goldenen Kronen, der klirrend und scheppernd zu Boden ging. Gar nicht weit von ihm fluchte jemand „Neeiin, Herr-“. Dann wurde kurz alles hell und die dunkle Stimme dröhnte von allen Seiten „Komm zu mir, Junge!“ Und eine andere Stimme flüsterte im Dunkeln: „Bevor du noch alles durcheinander bringst.“ Und da sah Jareth die Quelle des Lichtes. Mitten in dem Geröll lag ein gewaltiger Kronleuchter bestückt mit roten Kerzen, Teelichtern, Glühbirnen und Neon-Lampen schief auf mehreren Stapeln Sprengstoff, die zusammen eine runde Mauer bildeten. Vorsichtig tastete er sich zwischen der Mauer und einer Wand in den Boden gerammter Speere vorbei zum Eingang der explosiven Höhle. Er zögerte kurz, weil er sich gegenüber vom Eingang von Dutzenden von Schädeln angeglotzt sah, die Papierrollen und Münzen in den Mündern hatten, dann betrat er das Gebilde.
Und fand sich erst überhaupt nicht zurecht. In einem furchtbaren Chaos aus vergilbtem Papier und irgendwelchen Wertgegenständen saß ein steinalter Mann, klein, dürr und völlig zerfurcht. Seine Kleidung zerlumpt. An seine Knollnase klammerten sich die Überreste einer kleinen Brille, durch die er mit einem Auge versuchte, abwechselnd Jareth und eine Glaskugel auf dem Tisch neben ihm anzusehen. Das andere Auge blieb hinter einem dunklen Faltenvorhang verschlossen. „Da bist du ja endlich. Setz dich“, die Stimme des Mannes war kaum mehr als ein Kratzen. „Wer... Wer sind Sie überhaupt?“ Jareth war verwirrt, dass der Greis ihn kannte, wollte sich aber möglichst schnell fassen und suchte sich deshalb eine Sitzgelegenheit, fand aber nur einen Stapel robusten Pergaments. „Nein, nicht da. Ach, wie dumm von mir.“ Jareth hatte noch nicht einmal versucht, sich zu setzen, da kreischte der Alte schon auf und gestikulierte wild. „Warte einen Augenblick.“ Der tattrige Mann wurde ruhig und schien sich zu konzentrieren. Jareth fiel plötzlich auf, wie unsagbar weiß alles an ihm war. Mit erstaunlicher Sicherheit bewegte sich seine Hand in einem Bogen. Und wie als Reaktion darauf kamen mit einem Mal all die Kronen in die Höhle geflogen und setzten sich auf dem Boden neben Jareth Stück für Stück zu einem Stuhl zusammen, indem sie sich mit den Zacken verhakten. Als der Stuhl fertig war, setzte sich Jareth und der Alte hatte wieder den üblichen irren Blick. Sein Auge zitterte, genau wie seine nackten Zehen auf den Münzen, die am Boden verstreut lagen. Jareth vermutete, dass der Mann, so zurückgeblieben er in seiner Sammlung wirkte, über eine ausgesprochen hohe Technologie verfügte und wollte sich Klarheit verschaffen. „Zu welcher Seite gehören Sie?“, der Alte schien kurz verwirrt und beschloss dann offenbar, die Frage zu ignorieren, „Ochoch nein, nein, sag doch bitte Du zu mir. So sind wir doch nicht...“ „Bitte, ich muss es wissen: Zu wem gehören Sie – HOME oder den Colonien?“ In Jareth keimte auf einmal Hoffnung, der Mann könnte, wenn er seine Macht nur richtig einsetzte, die Schlacht entscheiden, die irgendwo weit über ihnen noch toben musste. Wie auch immer seine telekinetischen Kräfte zustande kamen, mit ihnen hatte HOME einen Überraschungsvorteil, der vielleicht entscheidend sein könnte. Damit - und mit viel Glück - könnten sie die Station der Colonien einnehmen und Jareth könnte vielleicht seine Mutter wieder sehen...
Doch der alte Mann schien sehr beschäftigt damit, fünf alte Zettel auf möglichst viele verschiedene Arten untereinander anzuordnen. „Ähem.“ Jareth versuchte, Aufmerksamkeit zu bekommen. Immerhin hatte der Mann ihn irgendwie zu sich geholt, damit er – was, ihm beim Zettel sortieren zusah? Keine Reaktion. „Entschuldigung. Wollen Sie, äh, willst du mir vielleicht erklären, wer du sind... -bist?“ Jareth hatte Schwierigkeiten, sich an ein „Du“ gegenüber dem Steinalten mit Telekinese-Kräften zu gewöhnen. Der mächtige alte Idiot holte sich noch zwei weitere Blätter für sein Sortierspiel. „Woher kennst du mich? Wieso wusstest du, dass ich komme? Du wolltest doch mit mir reden. Du hast mir extra den verdammten Stuhl da hin gestellt! Was soll das Ganze?!“ In seiner Wut hatte Jareth den zerbrechlichen Fremden an den Schultern gepackt und geschüttelt, doch da stockte er. Die Schultern fühlten sich seltsam an. Kalt und zugleich warm. Dem alten Körper wohnte eine Kraft inne, die Jareth jetzt spürte und erlebte.
In dem Augenblick öffnete der weißhaarige, bärtige Mann sein zweites Auge und Jareth, der erstarrt war, vor Ehrfurcht, blickte in zwei weiße Augen, die unendlich viel Macht und Weisheit ausstrahlten. „Wer bist du?“, konnte er nur hauchen. Die polternde Antwort kam von vielen Stimmen zugleich direkt aus Jareths eigenem Kopf:
„Weißt du das denn nicht? Frevler? Ich bin der Anfang und das Ende. Ich bin der Allmächtige. Ich sehe alles und jeden. Ich walte über Leben und Tod. Ich bin der Schöpfer aller Dinge. Ich bin das letzte Gewissen. Mir allein bist du Rechenschaft schuldig. Ich bin der Herr, dein einziger Gott. Ich bin allwissend... Hatten wir das schon? Achja: Und ich kriege diese verdammten Verträge nicht sortiert!“
Die Stimmen flogen aus Jareths Kopf und setzten sich wieder zu dem fast pubertären Kratzen in der Stimme des Alten zusammen, der sie in seiner eigenen Kehle offenbar nicht mehr richtig zu kontrollieren vermochte. „Da, hilf mir mal.“ Jareth war jetzt völlig perplex, bekam aber keine Chance, sich zu erholen, „Das sind die fünf wichtigsten Verträge, die mit „Gottes Segen“ geschlossen, und noch am selben Tag wieder gebrochen wurden. So eine kleine Hitliste für meine persönliche Unterhaltung... Wonach soll ich die jetzt sortieren? Nach Toten geht nicht, bei den letzten zwei sind genau gleich viele gestorben und Leben darf man nicht gegeneinander abwägen und so, bla, bla, weißt schon... Na?“ So langsam konnte Jareth seine Gedanken wieder sammeln: „Du, du bist...? Go, go...? Warum...?“ Ja gut, es ging sehr langsam. Immerhin hatte ein Männerchor aus gefühlt tausend elektrisch geladenen Engeln sein Hirn durchgeputzt, „...Und du machst Hitlisten?“ „Mir ist halt langweilig.“ Der Allmächtige klang schon fast ein bisschen entschuldigend. Fast. „Schau dich mal um hier. Ach, hast ja schon viel gesehen. Sorry, manchmal vergisst man das mit der Allwissenheit halt auch... Macht ja auch ohne oft viel mehr Spaß. Du hattest Angst, warst verunsichert, beeindruckt und fasziniert, hast aber auch wenig Verständnis für mein ausgeklügeltes Haufensystem entwickeln können. Banause! Und kaum Ahnung von Geschichte. Pfuiteufel! Naja, leben im Moment, nicht wahr? Hehe. Wo waren wir stehen geblieben?“ „Die Verträge. Wir wollten sie sortieren.“ „Achja, richtig... Uhm, du kannst mich übrigens auch Godot nennen – oder Vater, wie's dir lieber ist... Als weitere Kriterien hätte ich übrigens noch die Anzahl der Religionsvertreter, die bei Vertragsschluss anwesend waren, der Ort des Vertragsbruch von Norden nach Süden oder die Lautstärke der Schreie der unter dem Vertragsbruch Leidenden addiert in Dezibel. Fällt dir noch was Besseres ein?“ Bei seinem letzten Vorschlag gluckste ein Kichern zwischen Godots ausgetrockneten Lippen heraus, wobei sein inzwischen wieder geschlossenes rechtes Augenlid leicht mitzitterte.
Jareth fand es abscheulich. Er hatte jetzt genug verstanden, um sich darüber aufzuregen: „Jetzt hör mal! Da oben tobt ein Krieg, in dem Menschen sterben. Und du, Allmächtiger, sitzt hier unten und sortierst Verträge nach zynischen Kriterien, um dich zu unterhalten? Greif ein! Stopp den Krieg, wenn du es kannst!“ Jetzt war es an Godot, irritiert, vielleicht sogar betreten zu sein. „Achje... Das war heute? Ist heute schon wieder Schlacht? Wie spät haben wir es eigentlich?“ Darauf konnte Jareth natürlich ohne funktionierende Elektronik keine genaue Antwort geben. Eigentlich konnte er überhaupt nicht sagen, wie lang er schon hier unten war. „Jetzt komm schon, Herr Allwissend!“ Der Alte musste das doch wissen. „Weißt du, mein Junge... Alles wissen ist so die eine Sache... es auch sortieren und einordnen zu können die andere... Und der Konflikt da oben wird wohl auch kein unkomplizierter sein...“ „Es wäre wohl trotzdem besser, sie würden einfach mal aufhören, sich gegenseitig niederzumetzeln! Das kannst du doch, oder?!“ Die Ausreden des Tattergreises machten Jareth noch wütender. „Ja, ja, ist ja gut... Ich werde sehen...“ Und tatsächlich setzte Godot sich auf den Blätterstapel, der als Stuhl diente und legte seine Hand auf eine Glaskugel, die auf dem anderen Papierstapel a.k.a. Tisch lag.
Dann geschah wieder etwas Magisches. Godot saß im Schneidersitz und kniff beide Augen fest zusammen, wie um sich zu konzentrieren. Sogeich fingen Mann und Kugel an, weiß zu leuchten und in der Luft zu schweben. Eine warme Energie ging davon aus und zog Jareth auf die Kugel zu, bis er drohte, mit der Nase daran zu stoßen, aber stattdessen tauchte er einfach in die Kugel ein und befand sich mit einem Mal weit über der Erde und kannte sich trotzdem aus, denn er sah das Schlachtfeld, auf dem er vorher noch gekämpft hatte und beinahe (oder ganz?) gestorben wäre (oder war?). Ungelenk hing er bäuchlings in Richtung Boden, während das alte Klappergestell neben ihm elegant im Schneidersitz schwebte und sich nachdenklich bis abwesend am Kopf kratzte. „Seltsam, ich dachte, das hätte erst übernächstes Jahr passieren sollen...“ Jareth platzte der Kragen: „Tu doch was! Da unten sterben meine Leute!“ Mit Schwimmbewegungen versuchte sich der junge Soldat auf Godot zuzubewegen, um ihn erneut zu schütteln, ohne nennenswerten Erfolg. „Ach, sei still, ich kann nicht denken“, kam die gemurmelte Antwort. „Ach... Was soll's?“ Und dann schnippte der gebrechliche Allmächtige leicht mit den Fingern. Die Höhenwinde, die Jareth vorher halb taub getost hatten, stoppten schlagartig. Das bemerkte Jareth als erstes. Dann sah er, dass auch alle Menschen, Roboter und... was auch immer auf dem Schlachtfeld eingefroren waren. So weit der Junge sehen konnte, stand jede Bewegung komplett still.
Jetzt konnte der Allmächtige denken. Und wie er dachte. Mit den langen gelben Nägeln kratzte er sich lang und wild am Kopf. Kein Wunder, dass dort kaum noch Haare zu sehen waren. An deren Stelle war der Schädel von hellen Narben übersät, die gut vom Denken und Kratzen stammen konnten. Sogar ein frisches Pflaster klebte über dem linken Ohr. Endlich schafften es wieder ein paar Wörter durch die extrem schmalen Lippen: „Na gut... Dann eben so...“ Auf eine kaum merkliche Bewegung der linken Hand Godots hin flogen sämtliche Waffen der Soldaten am Boden zu ihnen auf, um auf ihrer Höhe stehen zu bleiben und langsam zu rotieren. „Mmmh, solche habe ich ja noch gar nicht...“ Begeisterung regte sich in dem Auge des Alten. Die Waffen entluden sich zunächst selbst in der Luft, um dann in der Mitte zu brechen. Als Soldat, der es gewohnt war, sein Leben auf eine solche Waffe zu setzen, versetze dieses Geräusch Jareth einen Stich. Aber er sagte sich, dass es viel besser so war.
Dann wurde Jareth bewegt. Wie eine Puppe bog ihn eine Macht, offenbar die des Alten, in eine Sitzhaltung mit nach vorne gestreckten Armen. Seine Hände klatschten ohne seine Erlaubnis zweimal fest. Und alle zerbrochenen Waffen fielen senkrecht nach unten, teilweise Ihren Besitzern direkt auf den Kopf, was diese, gerade wieder aus ihrer Erstarrung erwacht mit lauten Schmerzens- und Verwunderungsschreien quittierten. Die Munitionskapseln hingegen hatten es auf Jareth abgesehen und stapelten sich auf seinen ausgestreckten Armen. „Hier, halt mal“, lautete der Kommentar des Opas. Die höllischen Höhenwinde setzten wieder ein, aber Jareth und Godot saßen auch schon wieder in der gemütlichen Dynamithöhle. Die Schlacht, wenn nicht sogar der Krieg, war kurzfristig unterbrochen. Beide Seiten hatten sich auf einer Reise befunden und hatten fast ihre gesamte Munition am Körper getragen.
Jetzt hielt Jareth sie fest in den Armen und schaffte es sogar, so in seinem Kronenstuhl zu landen, dass nur wenige Kapseln auf den Boden kullerten. Der alte Mann saß wieder auf seinem Stapel, sortierte Blätter und ignorierte Jareth, schien ihn sogar schon wieder ganz vergessen zu haben. „Ähm, und wo soll ich das jetzt hin tun?“ Ungeduldig klapperte der Junge mit den Munitionskapseln, bis ihm wieder einfiel, wie gefährlich die Dinger sein konnten. „Aachja...“ Auch der Allwissende schien sich der unbewussten Drohung gewahr zu werden, die der Soldat andeutete. Irgendwo in der Lagerhöhle tauchte eine Fackel aus der Wand auf und beleuchtete einen kleinen Platz am Boden, der davor unmöglich frei gewesen sein konnte. Jareth verstand, dass er seine Fracht wohl dort ablegen sollte, aber das war einfach nicht die angemessene Aufbewahrungsart für Munition. „Können Sie kein Regal bauen?“, Jareth wunderte sich über seinen unverschämten Ton gegenüber einer so mächtigen Person, aber er tat sich schwer damit den Greis ernst zu nehmen und zugleich hatte er eigentlich schon ein bisschen Angst vor ihm... „Natürlich!“ kam die überraschte Antwort von Godot. Und im gleichen Moment waren bemalte Bambus-Speere heran geflogen und hatten sich zu einem Regal zusammengesteckt. Aber sie schienen noch nicht zufrieden mit ihrer Situation und sortierten sich mehrmals um, bis dann irgendwo aus dem Dunklen Schnürsenkel angerauscht kamen, um die Speere zusammenzubinden. In dieses Regal sortierte Jareth jetzt die Kapseln ein. Zuerst nach Armee, dann nach Waffentyp und verbleibender Schusszahl. Als er fertig war, kamen Jareth mehrere Gedanken: Zum ersten Mal realisierte er, dass er gerade zum Einen seinem Volk keinen allzu großen Gefallen getan hatte. Immerhin hatten sie es wahrscheinlich nicht geschafft, weiter ins Feindesland vorzudringen, um die Exportlager zu plündern. Auf der anderen Seite hatte er heute womöglich mehrere Leben gerettet, mehr, als er als Kämpfer hätte retten können. Und die Arbeit, die er gerade erledigt hatte, schien ihm etwas sinnlos, angesichts der Leichtigkeit, mit der der Alte Dinge bewegte und in Ordnung brachte. Aber wer weiß, vielleicht hätte Godot sich wieder nicht für eine Ordnung entscheiden können oder auf der Mitte vergessen, was er da überhaupt tat. Es erschien Jareth nun sehr sinnvoll, auch für die Ziele seines Volkes die Gedanken und die Macht des Alten in eine bestimmte Ordnung und Richtung zu lenken. Im Gegenzug könnte er ja solche einfachen Arbeiten erledigen, was dem Kerl offenbar gefiel. Denn bei der Begutachtung des Kapsel-Regales summte er ein vergnügtes: „Ba-ba-ba-baaah“ Dann drehte er sich abrupt zu Jareth um. Um die Höhendistanz zwischen seinem und Jareths Kopf zu überwinden, stieß sich der kleine, bucklige Greis einfach vom Boden ab und schwebte leuchtend und plötzlich etwas aufgeregt vor Jareth auf und ab. Dann streckte er seinen langen knorrigen Zeigefinger nach ihm aus. Überrascht, aber ohne Angst folgte der junge Soldat dem Finger mit den Augen, bis er schielen musste und in dem Augenblick, da der Nagel fast auf die Stirn traf, war Jareth an einem anderen Ort.
Es war komplett weiß, unendlich weit, und leer. Jareth sah keinen Boden und fühlte keinen Zustand, weder den des Schwebens noch des Stehens. Es gab einfach nichts außer Licht – und der tiefen, warmen, vertrauten Stimme: „DU HAST DICH HIERMIT ALS WÜRDIG ERWIESEN, JARETH, ICH MACHE DICH ZU MEINEM MESSIAS“
Eine unheimliche Kraft durchströmte Jareth. Es schien, als würden sich alle seine Probleme in nichts auf lösen und all die kleinen Blockaden, die ihn vorher am Denken gehindert hatten wurden mit ein Mal weggesprengt. Er war komplett klar. Und stand wieder auf festem Boden am Rande des Waldes. Hinter ihm ein Haufen Schutt aus einem lang vergangenen Krieg, weiter vor ihm, aber das wusste er nur, ohne es zu sehen, erholten sich seine Kameraden und deren Feinde von dem Aufprall ihrer Waffen auf ihren Köpfen. Er überwand die Strecke allein mit der Kraft seiner Gedanken. Fröhlich summte das Helm-System. Lebensfunktionen: 200%