30. August 2018
Die Architektin Adriana Danica Ciernik stellte auf der vergangenen Messe für bewegende Architektur die eiförmige Ökocapsule vor. Sie ermöglicht es jeder Person völlig autonom an jedem beliebigen Ort der Welt zu leben, basierend auf ihren nachhaltigen Energiequellen: Das Mikro-Haus nutzt eine 2,6m2 große Solarzellenfläche auf dem Dach, eine kleine Windkraftanlage und ein Wassersammel und -filtersystem. Sie ist bei einem Gewicht von 1500 Kilogramm 4,5 Meter lang, 2,40 Meter breit und 2,55 Meter hoch, was es erlaubt Sie zu verschiffen, per Flugzeug zu transportieren oder zu ziehen. Gleichzeitig bietet sie problemlos Platz für zwei Erwachsene und zählt eine Kitchenette, eine Toilette mit Wasserspülung, sowie eine (heiße) Dusche zu ihrer Einrichtung; die Steckdosen haben eine Leistung von 750 W, die Batteriekapazität beträgt 9744Wh. Ebenfalls gegeben sind ein ausziehbares Bett, mehrere Schränke, sowie sonstiger Stauraum-auch für professionelles wissenschaftliches Equipment geeignet- einen Tisch und elektrisches Licht. Durch die geringe Größe und enorme Unabhängigkeit ist die Capsule besonders interessant für Forscher, Touristen, als Notfall-Haus oder als Wohneinheit für Empfänger humanitärer Hilfe und Obdachlose. Abgestellt werden kann sie jedem beliebigen Ort: auf Hausdächern, in Feldern, an Stränden, in den Bergen oder ganz gewöhnlich im Vorgarten.Die Ökocapsule wird ab Ende dieses Jahres erhältlich sein, ab Beginn des nächsten Jahres auch mit eigenem Fahrwerk. (Preise werden bekanntgegeben)
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26. März 2252
Der Klima-Energie-Plan sieht vor bis 2300 Treibhausgasemissionen um 90% zu reduzieren. Ein Schritt dieses Ziel zu erreichen ist der Umbau aller größeren Städte und Mega Cities unter der Leitung des Architekturdevelopmentprojekts „Rise High“, das acht verschiedene green tower Gruppen vorsieht, von denen jede Elemente der Natur und erneuerbare Energien in sich vereint. Die erste Kategorie, der „Berg“, soll einen Knotenpunkt der Energie darstellen, sowohl technisch als auch menschlich. In diesen Türmen werden Wohnungen untergebracht ebenso wie ein Photovoltaikanlage, die Strom und heißes Wasser produziert.
Nachts wird ein Pumpensystem überschüssiges, ungenutztes Wasser an der Fassade entlangfließen lassen, um so die Außengärten sämtlicher 100 bis 275 Etagen zu bewässern. Der innere Teil des Turms besteht aus einer hohen, ovalen Glaskuppel, deren Stahlgerüst durch Libellenflügel inspiriert wurde, eingerahmt durch halbkreisförmig angeordnete Gärten.Ein zweiter Typ sieht „Anti-Smog“ towers vor: Sie haben die Form von Tornados, wobei der innere Aufbau dem einer Spirale entspricht und das Filtersystem darstellt. Am oberen Ende sind Turbinen mit einem Durchmesser von 73 Metern angebracht, welche die verunreinigte Luft anziehen, sie im Inneren reinigen und unten wieder abgeben. Von Außen sind die Türme mit Hängegewächsen bepflanzt, sowie am Fuß mit Bäumen.„Photosynthesis“ dagegen ist eine Glas-Stahl-Blase, die bereits bestehende Türme umhüllen kann und an der Fassade Mikro-Algen-Teppiche in Photobioreaktoren in laminiertem dreieckigem Glas des äußeren Rings, der nach oben geöffnet ist, hat. Die Algen nehmen die thermale Sonnenenergie auf und produzieren energiereiche Biomasse, die in Raffinerien unterhalb des Gebäudes in Biotreibstoff umgewandelt wird und so 50% der Energie für Heizung und Klimaanlagen darstellt. Im Prozess entstehendes CO2 wird den Algen als Nährstoff zugeführt.Der Typus „Bambus“ bezeichnet ein Exoskelett aus ebenjenem, welches so wächst, dass sich in stabiles, regelmäßiges, ineinander verflochtenes Netz ergibt, das ebenfalls bereits existierende kleine und mittelgroße Gebäude umgeben kann. In den Innenhöfen werden Mikro-Biodomes errichtet die wie große biodiversive Gewächshäuser für pflanzliche Nahrung in den einzelnen Bambii sorgen. Ab einer gewissen Höhe können auch Windkraftanlagen als Tunnel eingesetzt werden, um Strom zu generieren. „Bienenwaben“ dienen primär als Wohnraum. Sie haben eine hexagonale Grundstruktur, sind etwa 2,50 Meter hoch und 15 Meter lang und können per Steckprinzip stabil an und in jedes Gebäude integriert werden. Die oberste Schicht hat immer ein Solaranlagennetzwerk installiert, welches sämtliche verbundenen Einheiten mit Energie versorgt. Die Waben sollten immer zu Clustern verbunden sein, um so Gartenwaben für einen Block zur Verfügung stellen zu können; die Größe und der Grundaufbau der Module variiert stark je nach Größe der darin unterzubringenden Wohngemeinschaft und dem zugewiesenen Nutzen. „Farmen“ bilden die sechste Kategorie. Je drei Türme aus vertikal verbundenen steinförmigen Photovoltaik-Stahl Konstruktionen ergeben eine Farm, in der sich sowohl Gewächshäuser als auch Tiere befinden, ergo: Agrikultur in der Luft. Farmen in Städten
bieten erhebliche Vorteile: Sie verringern den CO2 Fußabdruck durch lokalen Anbau und integrierte Filteranlagen erheblich. Sie sichern die Nahrungsautonomität jeder Stadt. Sie schaffen lokale Arbeitsplätze für die Produktion frischer, lokaler Bioprodukte. Das Recycling findet in einem kleinen, geschlossenen Kreislauf statt, was auch Pestizide, Insektizide und sonstige Chemikalien reduziert. Sie entlasten ländliche Gebiete dadurch, dass unter anderem Abholzung für den Anbau von Monokulturen nicht mehr relevant ist und sie sparen Wasser durch die Wiederverwendung und -aufbereitung des städtischen Wassers. Die vorletzte Gruppe „Tubular“ stellt eine Mischung aus Wohnungen, Hotelzimmern und Büros dar. Es handelt sich grundsätzlich um in Etagen eingeteilte Glasröhren, die sich durch andere Gebäude schlängeln, sich an diese anpassen und sich auf diese stützen, um sich dann gerade nach oben zu erheben und in einem Dacharten zu enden. Um diesen inneren Aufbau windet sich der äußere, ein Gerüst mit Pflanzenzellen Struktur, was stark zur Klassifizierung als Energie-Positiv beiträgt, die Türme produzieren also mehr Energie als sie verbrauchen. Die Fassade besteht aus Grätzel-Zellen, welche eine photo-elektrochemische Membran bilden, inspiriert vom Photon sind und des weiteren auch für die Stromerzeugung durch Elektrolyse verantwortlich sind. Die Entstehung von Röntgenstrahlung durch Oxygen und Luftfeuchtigkeit führt zur Reduktion von organischer, fester und flüssiger Materie sowie Gasen im urbanen Smog.Die achte Kategorie sind die U-förmigen, bewohnbaren „Brücken“, die sich über sämtliche Flüsse spannen und an deren steilen Hängen Moos- und Algengärten angebracht sind. Ihre hydrokinetischen Windturbinen verbinden beide Hänge der Brücke durch Schleusen, erzeugen effektiv Strom und wärmen so die Wohnungen, unterstützt durch die kinetischen Wasserräder am Fuß der Brücke. Der Umbau soll im kommenden Jahr in Chicago, New York, Beijing und Mumbai beginnen und wird via Live-Stream auf der Website des Projekts übertragen.
14. Juni 2091
Die Firma Vortex Design - bekannt für ihre Innovationen im Bereich Windenergie - haben nun „Bladeless“ entwickelt, Rotorblattlose Windkraftanlagen. Die weißen Stauden maximieren ihren Durchmesser mit wachsender Höhe und sind so gebaut, dass sie stark vibrieren können, ein Phänomen, welches normalerweise zu vermeiden versucht wird. Die flügellosen Turbinen bedienen sich spezieller Magnete um sicherzustellen, dass die Turbine möglich optimal, das heißt energie- und kosteneffizient, schwingen kann, ohne negativ von der Windstärke beeinflusst zu werden. Die Vibration der WKAs wird in einer Weise von einem Generator in Elektrizität umgewandelt, die die konvertierte Elektrizität rund 40% kostengünstiger macht als die der gewöhnlichen Windkraftanlagen, da die Turbinen aufgrund der fehlenden Rotorblätter billiger in der Herstellung sind, und die Instandhaltungskosten durch den zunehmenden Mangel an beweglichen Elementen reduziert werden.Vortex gibt an, ihre Windkraftanlagen generieren etwa 30% weniger Energie als jene mit Flügeln, da es durch as neue Design jedoch möglich ist die doppelte Anzahl an „Bladeless“ auf der gleichen Fläche zu installieren als noch bei ihren Vorgänger realisierbar war ist dies jedoch relevant und wird weiter optimiert werden. Des weiteren werden sie ungleich leiser sein, indem sie Störungen der Windströmungen vermeiden, welche durch Rotorblätter entstünden.Die ersten öffentlich zugänglichen Anlagenkomplexe befinden sich in Singapore und sich zur Besichtigung freigegeben.
Solar Roadways: Nächstes Jahr beginnt der weltweite Ausbau öffentlicher Verkehrswege
20. November 2170 -
Die intelligenten, mikroprozessierenden, hexagonalen Sonnenkollektoren werden bald den Asphalt ersetzen, der anfällig ist für wiederkehrende Probleme und Gefahren wie Schlaglöcher, Risse und starke Hitzeabstrahlung, was oft die Ausbesserung eines ganzen Straßenabschnitts erfordert, wohingegen die Solarpaneels einzeln ausgewechselt werden können, sollten sie beschädigt sein. Sie sind mit recyceltem Glas ummantelt, welches mehrfach getestet wurde, um sämtlichen Traktions-, Temperatur- und Gewichtsansprüche zu erfüllen.
Sie sind auch für schneelastige Gebiete geeignet, da sie mit Wärmeelementen ausgestattet werden können, welche die Oberflächentemperatur stets wenige Grad Celsius über dem Gefrierpunkt halten und so zugefrorene und verschneite Straßen, Spiel- und Sportplätzen, Einfahrten, Geh- und Fahrradwegen vorbeugen. Als Konsequenz daraus ergeben sich wiederum weniger Straßenschäden, Unfälle, Staus und die Abschaffung schwerer Räum-und Streufahrzeuge.Als Solarpanels erzeugen sie Elektrizität durch Nutzung und Umwandlung von Sonnenenergie, für private Haushalte, öffentliche Gebäude aber auch für sämtliche Elektro-Fahrzeuge: durch eine gegenseitige Induktionstechnik wird deren Aufladen ermöglicht, so dass nun jede Person ein solches nutzen kann. Da es sich um Sonnenenergie handelt wird, wird es sich hierbei um ein kostenloses Unterfangen handeln, unter anderem auch, da ein weltweites Solar Roadway System etwa das Dreifache der global benötigten, sauberen Energie erzeugen kann. Parallel zur Straße wird ein Kabel-Korridor verlaufen, welcher sämtliche Strom- und Datenkabel enthalten wird, unter anderem High-Speed-Internet und somit stör- und sturmanfällige Telefon- und Strommasten ersetzen, was die Gefahr von Stromausfällen drastisch reduzieren wird. Ein zweiter ebenfalls paralleler Kanal sammelt Regen- und Schmelzwasser und leitet es zu Aufbereitungstationen um oder verarbeitet es vor Ort, um es dann in Flüsse und Seen umzuleiten; so wird deren Verschmutzung reduziert.Die in die Paneels eingebetteten LEDs können programmiert werden, intelligente Straßenlinien und -signale ersetzen und effektiver machen. So müssten etwa Umleitungen auf Autobahnen nicht mehr aufgemalt werden, Ampeln und Schilder könnten effizienter arbeiten und auf Parkplätze könnten sich die Größe der Stellflächen individuell den parkenden Fahrzeugen anpassen. Des weiteren erhöhen sie die Sichtbarkeit in der Nacht und unterstützen auf Landebahnen Piloten. Ebenso könnte man auf einer Fläche verschiedene Konfigurationen für verschiedene Zwecke möglich machen, etwas mehrere Sportcourts oder Umwandlung zu Parkplätzen, Festivals und kulturellen Veranstaltungen aller Art. Die Platten sind zusätzlich drucksensitiv, warnen also bereits hunderte Meter vor einer potenziellen Gefahr durch LED-Text, sollten sich Tiere auf der Fahrbahn aufhalten, Bäume umgestürzt, ein Stau entstanden oder ein Steinschlag passiert sein. Außerdem schaffen sie Arbeitsplätze beispielsweise durch Manufaktur und im Gebiet der Infrastruktur, ebenfalls werden die Straßenspezialisten integriert. Weitere Fortschritte zum Beginn und den Fortschritten des Umbaus werden auf der Website des Internationalen Straßenverkehrsbunds bekanntgegeben.
Dezellularisation - ein weiterer Durchbruch in der Organspende
2. April 2036 -
Dezellularisierung ist eine Gewebe-Engineering-Technik, die es erlaubt von einem Spenderorgan die Zellen des Spenders zu entfernen, so dass nichts anderes als Bindegewebe zurückbleibt, welches die Zellen in ihrer Position hielt. An dieses Gerüst des Bindegewebes - wegen seines blassen und fast durchscheinenden Aussehens auch „ghost organ" genannt - können dann die empfängereigenen Zellen wieder ausgesät werden; mit dem Ziel der Regeneration eines Organs, die in den Patienten ohne Angst vor Gewebeabstoßung transplantiert werden können. Diese Technik ist um einiges günstiger und wird Wartezeiten auf Spendenorgane auf ein Minimum reduzieren, da auch Organe tierischen Ursprungs genutzt werden können, insofern sie sich größentechnisch geeignet zeigen. Für weitere Informationen und - sollten sie Betroffen sein - zur Vorbereitung auf den Eingriff, wenden Sie sich bitte an ihren behandelnden Arzt.
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Gott, wie ich diese Idee hasste. Und da war ich höchstwahrscheinlich der einzige. Weshalb ich auch nichts gesagt hab.
Das würde hier auch nie jemand machen. Außer man wäre extrem dumm.
(Dafür könnte das ominöse D auch stehen…sogar das E wenn ich es mir recht überlege.)
Für 40 Stunden wollten wir alle gesammelt in die Wüste, was, wenn wir mal ehrlich sind, nicht nur höchstgradig illegal, sondern auch ebenso höchstgradig gefährlich war. Das war allerdings auch der Grund für diesen Plan - der Kick. Am Anfang hatte es noch gereicht in Abendgarderobe mit aufgespannten Schirmen aus einigen Metern Höhe zu springen, mittlerweile musste der Tod greifbarer sein.
Jetzt hatte ich also die ganze Nacht bis zum Morgengrauen Zeit gehabt, um mich vorzubereiten, was einfach war, da ich mir nur eine Thermosuit Montur und ein weiteres in meinen Rucksack packte, welcher ein integriertes Wasserfiltersystem beinhaltete, das vor 300 Jahren noch sehr viel größer in einer der damaligen Raumstation benutzt wurde, um eben aus Urin Wasser zu gewinnen, das zumindest zu dieser Zeit noch reiner war als das auf dem Planeten selbst. Es wäre unsinnig auch nur zu versuchen die benötigten Mengen an Flüssigkeit oder Nahrungsmitteln in Flaschen oder Kanistern mitnehmen zu wollen, aus diesem Grund also das Filtersystem und ein paar von den Nährstoffsupplements. Dazu noch ein Hightech-Lowweight-Tent - wer sich diesen Namen ausgedacht hatte, musste ein Genie der obersten Riege sein -, das sich auf Hosentaschenformat zusammenfalten konnte und sturmfest war. Mehr wollte und konnte ich nicht mitnehmen, das wäre unter den zu erwartenden Bedienungen schlicht zu schwer und anstrengend.
Es würde nicht mehr Sinn machen jetzt zu gehen, als noch länger zu Hause zu bleiben, also machte ich mich auf den Weg zum Treffpunkt, von dem aus es nicht mehr wirklich weit zur Grenze war, sich aber dafür wohl um die am schwersten überwachte Stelle handelte. Das einzig Gute daran: an diesem Teil handelte es sich nicht um menschliche -mehr oder minder - Wachen, wie an den meisten anderen Abschnitten, sondern um „Safety-Ensuring-Bots“ - oder kurz SEBs - welche man, Überraschung, hacken konnte. Zumindest die Mehrzahl unserer Gruppe konnte das.
Manchmal fragte ich mich was ich da überhaupt zu suchen hatte.
Angekommen, wartete ich.
Einige Stunden.
Die in mir die Frage aufwarfen, ob ich nicht doch lieber zu Hause geblieben wäre und noch etwas aufräumen hätte sollen, bis schließlich gleich zwei Mitglieder auf mich zusteuerten, deren Namen ich mir beide nicht merken konnte, was allerdings auch nie erwartet wurde, man grüßte sich für gewöhnlich mit einem erhabenen Kopfnicken, das irgendwas mit den Verhaltensregeln von vor einem halben Jahrtausend zu tun haben soll und anscheinend auf Distinguiertheit schließen ließ.
Ich nickte zurück.
So kamen - besser schlurften, trotteten, hüpften und so weiter - auch die restlichen elf dazu, von denen sieben auch gleich ihre flimmernden Holoboards anwarfen, um wiederum mit der Arbeit zu beginnen. Ich war davon ziemlich beeindruckt, solche Holos waren immer noch ziemlich teuer, egal was die Lobby so prophezeite, im Gegensatz zur Integration von Hochleistungsrechnern in der Größe von kleinen Fingernägeln in den Körper. Die hatten ja alle, auch wenn ich meinen beispielsweise nie auf diese Art verwenden könnte, weil ich mich damit einfach nicht so auseinandersetzte. Mir genügte die grundsätzliche Vernetzung mit meinem Haus. Wieder ein absolutes Gegenbeispiel zum Rest der Anwesenden, die ihre Computer ja kaum noch ausmachten, um sich sicher fortzubewegen. Auf jeden Fall flogen nun Zeichen durch und über die virtuellen Oberflächen, ohne dass die Operators auch nur einen Muskel bewegten. Daran erkannte man die wahren Profis…oder Abhängige. Diejenigen, die sich nicht mit dem Hacken von potenziell tödlichen Staatsrobotern beschäftigten, starrten in die Leere, auch wenn das nur so aussah, sie bewegten sich höchstwahrscheinlich in irgendwelchen 4DOnlineGames herum, in denen sie für irgendwelche längst vergessenen Staaten kämpften. Mir war schleierhaft wie man das noch so von der Realität unterscheiden konnte, dass man auch wieder dahin zurückkehren konnte, aber war ich ja wie gesagt kein Fachmann.
Und deshalb starrte ich einfach in die tatsächliche Leere, bis sie damit fertig waren, etwas zu tun, das eigentlich als unmöglich eingestuft wurde, und wir im Halbdunkel zwischen den letzten labyrinthartigen Mauern der Stadt in die Wüste aufbrechen konnten ohne Gefahr zu laufen festgenommen, erschossen, betäubt, überfahren oder geschockt zu werden, was alles höchstwahrscheinlich sicherer war als das, was wir geplant hatten.
Nur in diesem Bezirk waren die Grenzen zwischen Stadt und Wüste so fließend wie hier. Kaum hatte man die letzten bröckelnden Mauern hinter sich gelassen, fand man sich schon zwischen kleinen und größeren Gesteinsbrocken wieder, die eine graue Fläche bis zum Horizont bildeten. Allerdings ich hatte es mir hier um einiges heißer vorgestellt. Stattdessen war es wirklich kalt. Bestimmt nur 4 oder 5°C. Und es roch komisch. Hoffentlich war das einfach der typische Geruch, der außerhalb der Stadt herrschte und hatte nichts mit den Gerüchten über giftige Abfälle zu tun.
Vielleicht war es aber auch nur ungewohnt und würde mit etwas Bewegung in diesem Terrain wärmer werden, spätestens wenn die Sonne richtig aufgegangen war. Das Beruhigende war, das weit und breit außer uns nichts und niemand zu sehen war. Ich war stehengeblieben, um mich in Ruhe umzuschauen, im Gegensatz zu den anderen, die einfach in die Wüste gelaufen waren. Da ich keine Lust hatte sie aus den Augen zu verlieren und womöglich noch suchen zu müssen, gab ich mir Mühe aufzuschließen, was schwieriger war als gedacht. Der Boden bröckelte, gab an vermeintlich trittfesten Stellen nach und brachte mich zum rutschen, bis ich schließlich wieder bei den anderen war, wo sogleich eine Diskussion auf mich einprasselte.
Bis ich den Feed von Anfang an gelesen hatte, waren sie schon zu einem Entschluss gelangt, weshalb ich mir das Senden meiner Meinung sparte. Das Piepen der eingehenden Nachrichten in meinem Kopf war bis jetzt schon anstrengend genug gewesen, und ob wir jetzt eher Richtung Norden gehen oder uns lieber etwas südlich halten sollten, war mir sowieso so egal, dass ich aufhörte zu lesen.
Daran änderte sich auch bis gegen Mittag nicht viel, als ich erkannte, dass ich mich in meiner Vorstellung, eine Wüste wäre heiß, nicht geirrt hatte.
Es war noch viel schlimmer, als ich es mir jemals hätte ausmalen können.
Der Boden flimmerte und erzeugte scheinbare Pfützen, die immer kleiner wurden, umso näher man ihnen kam, um sich schließlich, wenn man sie erreichte, in Nichts aufgelöst zu haben. Ich hatte trotz meines genialen Filtersystems nicht genug Wasser, weil ich die Mengen an Flüssigkeit, die mein Körper verlor und die selbst meinen Thermo-Anzug lahmlegten, völlig unterschätzt hatte. Zwar hatte mir auch meine Ersatz-Garnitur schon behelfsmäßig um den Kopf gebunden, um irgendwie zu verhindern, dass mir die gleißende Sonne mit voller Kraft auf den Kopf brannte, doch das half nicht wirklich. Sogar durch meine Stiefel drückte sich die Hitze, als würde ich barfuß über glühende Kohlen laufen. Ich war verzweifelt. Mein Körper war grauenvoll überhitzt. Meine Lippen waren aufgesprungen und bluteten, mein Gesicht von aufgewirbelten Splittern und Staub zerkratzt und mit einer dünnen Salzkruste überzogen. Doch über allem hatte. ich. Durst. Unendlichen Durst. Ich saugte an meinen Lippen, um so wenigstens etwas Flüssigkeit in meinen Mund zu bekommen. Das änderte aber nichts daran, dass es sich anfühlte, als würde ich schon seit Tagen eine pelzige, tote und steife Maus mit mir herumtragen. Mit dem einzigen Unterschied, dass nun auch der Geschmack nach alten Münzen hinzumischte.
Meine Beine waren schrecklich müde und ich hätte alles gegeben, um mein Zelt aufstellen, mich darin zu verkriechen und mich vor der Sonne verstecken zu können.
- -
Durst. Ich hatte so oft gesagt ich hätte Durst. Ich werde das nie wieder sagen. Jetzt weiß ich wie das wirklich ist. Doch wenigstens hatte ich seitdem wir im Morgengrauen aufgebrochen waren Wasser gehabt. Helle Kleidung. Stiefel. Vorbereitung. Die anderen hatten nichts außer sich selbst. Ich wollte mir nicht ausmalen wie es ihnen ging…fast hätte ich in meinem Zustand vergessen, dass es eben das war was sie hier suchten. Was anderes, einen Kick, das Extreme, Außergewöhnliche, einen Ausbruch aus ihrer überstimulierten Welt, damit sie überhaupt etwas fühlten. Und dafür machten sie das. Weil es sich nicht mehr real genug anfühlte in einem Spiel erschossen zu werden, das den realen Schmerz simulierte. Sogar das normale surfen durchs Netz lies soviel Input in verschiedenen Fenstern aufblitzen, glitzern, blinken und herumwirbeln und auch gern direkt durch die Computerverbindung ins Gehirn leiten, sodass es völlig überreizt nicht mehr in der Lage war etwas aufnehmen zu können. Darum existierte das hier überhaupt. Auch wenn es um einiges größer war als das Dutzend Menschen, das wir momentan darstellten.
- -
Ah… Kopfschmerzen. Bohrend. Stechend. Heiß.
Etwas tropfte aus meiner Nase über mein Gesicht.
Ich brauchte sofort Wasser; das einzig Naheliegende war es, den Pfützen hinterherzulaufen und eine echte zu finden.
Bis ich einen dumpfen Schlag hinter mir hörte. Fast direkt gefolgt von einem leisen Pling. Hatte ich mir die Lautstärke vorher nur eingebildet…? Ein Name. Welcher? Wer? Auch egal. Wasser. Durst.
Plötzlich ein Schmerz in den Knien, dann am ganzen Körper und dann nur noch Steine.
Jemand schleppte sich in mein Blickfeld, wälzte sich schwer atmend auf den Rücken und schloss die Augen.
Dann verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Grinsen.
Meine Augen hefteten sich auf seine blutverschmierten Zähne, die im Sonnenlicht schimmerten, bevor meine Lider anfingen zu flattern; mein Blick zum Horizont hinter ihm schweifte und mich eine Welle aus Dankbarkeit und Übelkeit überrollte.
Bis ich erkannte, dass die Punkte, die ich für Fehler in meinen Linsen gehalten hatte, langsam größer und länger wurden und sich näherkommende Gestalten verwandelten.