Die Packstation macht mir den Schrödinger und so gewinnen der Paketshop und der stationäre Einzelhandel verloren geglaubtes Terrain zurück
Am bevorstehenden Wochenende plane ich eine Fahrradunternehmung. Vorausschauend habe ich mir bereits eine neue Fahrradkette bestellt. Leider stellt sich heraus, dass auch die Kassette – also der Satz Zahnräder am Hinterrad – ziemlich abgenutzt ist. Mit dem Ergebnis, dass die nagelneue Kette auf den mittleren Ritzeln über die Zähne springt, wenn ich fest genug in die Pedale trete.
Ich könnte nun die alte Kette wieder montieren, die aber wirklich schon sehr ausgeleiert ist. Dann doch lieber gleich auch die Kassette erneuern, auf dass sie gemeinsam mit der Kette verschleiße. Das Wochenende naht und so wird das Teil flugs bei Amazon bestellt.
Damit ich kostenlos in den Genuss einer raschen Lieferung komme, verwende ich das Prime-Konto meiner Frau. Dort ist auch die nächste Packstation samt meinem Packstation-Account bereits als Versandadresse hinterlegt. Die Zustellung soll am Freitag erfolgen, die Zeit sollte also noch vor dem Wochenende für den Einbau der Kassette reichen.
Im Verlauf des Freitagvormittags schaue ich gelegentlich in das Amazon-Konto meiner Frau, in meinen Email-Posteingang sowie in die DHL-App auf dem Telefon. Gegen 10 meldet die Amazon-Website, das Päckchen läge in der Packstation. Ich habe aber weder per App noch per Mail einen Abholcode erhalten.
Gegen 11 leitet mir meine Gattin eine Mail mit einem solchen Code weiter. Das wundert mich etwas, da das Päckchen ja an meinen Packstation-Account verschickt wurde. Bei früheren Sendungen, die über meine Frau bestellt, aber für mich an die Packstation geliefert wurden, hatte ich auch immer diese Codes per Mail an meine Adresse erhalten.
Ich begebe mich in der Mittagspause aus dem Home Office zur Packstation, melde mich an und gebe den Sendungscode ein. Ich erhalte eine Fehlermeldung, der Code sei nicht korrekt. Ich probiere es noch einmal, diesmal darauf achtend, mich auf dem Touch-Display der Packstation nicht zu vertippen. Ich bekomme dieselbe Meldung und nach einem dritten Versuch heiĂźt es, mein Packstation-Account sei nun gesperrt und ich solle den Support kontaktieren.
Zurück nach Hause laufend prüfe ich zuerst einmal, dass ich auch die richtige Packstation aufgesucht habe. Das ist mir nämlich auch schon passiert, dass die Sendung in eine andere Packstation in unserem Viertel umgeleitet wurde, und ich das erst spät bemerkt habe. Das ist aber diesmal nicht der Fall.
Dann ergoogle ich die DHL-Support-Telefonnummer und rufe dort an. Relativ rasch werde ich zu einer Mitarbeiterin durchgestellt, die sich Daten von mir durchsagen lässt und etwas später verkündet, es läge ein Fehler vor, die Sendung sei noch gar nicht in der Packstation angekommen. Sie habe mein Konto entsperrt und ich solle es am Montag noch einmal probieren.
Ich suche also später am Tag ein traditionelles Fahrradgeschäft auf und erstehe dort umstandslos und nur wenig teurer als beim Versandgiganten die benötigte Kassette und kann sie rechtzeitig vor der Radtour montieren. Die bestellte werde ich dann wohl zurückschicken.
Am Samstag gilt es, ein Päckchen im zuständigen DHL-Paketshop abzuholen. Das Wetter ist gut und so macht es mir nichts aus, pandemiebedingt einige Minuten vor dem Laden zu warten. Immerhin habe ich dabei Gelegenheit, diese launigen Aushänge im Schaufenster des Shops zu fotografieren.
Als ich an der Reihe bin, erhalte ich im Laden umstandslos mein Päckchen.
Ich komme am Montag und Dienstag nicht dazu, erneut zur Packstation zu gehen. Es eilt ja nun auch nicht mehr. Am Mittwoch erhalte ich eine Mail, es läge dort eine Sendung für mich bereit. Diese kann ich auch abholen, es ist aber nicht die Kassette, sondern ein anderes Ding, das ich gleichzeitig mit dem Fahrradteil bestellt hatte. Ein weiteres Päckchen liegt nicht in der Packstation. Auch die DHL-App zeigt weiterhin keine Sendung für mich an. Dennoch leitet mir meine Gattin erneut eine Mail weiter, die behauptet, die Kassette läge seit Freitag dort und harre der Abholung.
Ich bin es aber leid und unternehme keine weiteren Versuche. Ich kann es mir nur so erklären, dass dieses Päckchen irgendwie an ein (vermeintliches) Packstation-Konto meiner Frau geschickt wurde. Sie bestreitet aber vehement, eines zu besitzen. Die Dinge nehmen also ihren Lauf, das Paket geht offenbar zurück und steht eine ganze Weile mit einem Vermerk wie "Zustellung fehlgeschlagen" in der Bestellliste, bevor Amazon letztendlich kommentarlos den Kaufpreis zurückbucht.