Datentarife sind wie Socken geworden
Konstantin, 8. Klasse Realschule: Wenn man ein Handy irgendwo auf dem SchulgelĂ€nde benutzt, kriegt man es abgenommen. Das SchulgelĂ€nde ist nicht wirklich klar definiert, teilweise nehmen einem die Lehrer auf dem Edeka-Parkplatz das Handy ab. Und wenn einem das Handy abgenommen wird, mĂŒssen es die Eltern im Sekretariat mit einem GesprĂ€ch mit dem Lehrer wieder holen. Man kriegtâs auch abgenommen, wenn man es in dem Moment gar nicht benutzt, manchen Lehrern reicht der Umriss in der Hosentasche.
Kathrin: Wie oft kommt das vor, dass die Eltern einbestellt werden, um das Handy wieder auszulösen?
In unserer Klasse ist es relativ untypisch, dass jemandem das Handy abgenommen wird, weil die halbwegs intelligent sind, aber es gibt andere Klassen, da kommen die Eltern zweimal pro Woche rein. Der Lehrer darf das Handy maximal bis Schuljahresende behalten.
Die Leute bringen aber doch wahrscheinlich alle ihre Handys mit in die Schule, weil man brauchtâs ja im Schulbus, oder?
Zum Beispiel. Oder um die Uhrzeit nachzuschauen, weil Uhren sehen die Lehrern in Exen nicht gerne. Weil es mittlerweile so moderne Uhren gibt, dass man darauf Nachrichten speichern kann. Es gibt Lehrer, die verbieten Uhren in Schulaufgaben und in Exen, und zwar alle Uhren. Weil du kannst auch zwischen Uhr und Hand einen Zettel reinschieben.
Und was machen die Leute dann tagsĂŒber mit dem Handy?
Meistens in der Schultasche verstecken, oder in der Jackentasche, aber das ist halt riskant. Es gibt Deppen, die wenn sie krank sind oder âkrankâ, dann gehen sie in den Stunden, wo die Lehrer eh schon ekelhaft auf Handys reagieren, in die WhatsApp-Gruppe und machen einen Gruppenanruf. Dann fangen ganz viele Handys gleichzeitig an zu vibrieren und zu summen.
Wenn man jetzt ein Nonsmartphone hĂ€tte, das wirklich nur telefonieren kann, wĂ€re dann irgendwas anders oder ist das egal? Gilt das fĂŒr alle Handys?
Das könnte ja böses Internet enthalten! Das mĂŒssen wir unbedingt konfiszieren.
Gibtâs ĂŒberhaupt noch Leute, die so was haben?
Ja, manche. Ich hab einen in der Klasse, der benutzt es. Aber ich weiĂ auch nicht, wieso. Die meisten benutzen es eh nur, um in soziale Medien reinzukommen.
Was macht man, wenn man in der Schule mal kurz irgendwas am Handy machen will?
Aufs Klo gehen ⊠was kann man noch machen ... man geht raus in den Pausenhof und stellt sich in einen Busch rein. Es gibt an einer Stelle so einen Busch, da kann man sich untendrunter in den Busch reinzwĂ€ngen und innen ist der Busch hohl. Dann gibtâs einen SchĂŒler, der macht es ganz raffiniert: Der hat eine HandyhĂŒlle, die genauso aussieht wie seine Pulloverfarbe. Der hat immer denselben Pullover an, der hat da eine Tasche, da braucht er es nur reinzustecken, und das kann auch zur HĂ€lfte rausgucken und du siehst es nicht. Du musst erst ganz nah hingehen. Unsere Schule besteht aber halt hauptsĂ€chlich aus Stahl. Da hast du fast keinen Handyempfang. Es reicht aber, um aus dem Biosaal den PokĂ©stop am Kreisverkehr zu erreichen.
Wie ist es aktuell mit Datentarifen? Haben die Leute inzwischen mobiles Internet?
Ja, zwischen 100 MB und 12 GB. Die meisten sind so zwischen 2 und 8 GB.
Ist das was, was die selber zahlen mĂŒssen? Oder zahlen das die Eltern?
Da muss ich dich empört angucken. Welches Kind zahlt denn sein Handy selbst!
Ja, Handy, ok. Aber 12 GB kosten so zwischen 15 und 30 Euro, das ist schon was, was man im Prinzip vom Taschengeld bezahlen könnte. Oder ist Taschengeld generell abgeschafft worden?
Taschengeld ist mehr so fĂŒr âich kauf mir irgendwelchen MĂŒllâ, also so was wie bunte Haarreifen.
Also Datentarif ist eher so was wie ⊠Schuhe oder so? Wo es klar ist, dass das die Eltern zahlen mĂŒssen?
Schuhe sind ein ganz spezielles Thema!
Ok, lassen wir vielleicht mal die Schuhe, aber sagen wir ⊠Socken.
Ja, genau. Datentarife und Handys sind wie Socken geworden.
(Konstantin Passig, befragt von Kathrin Passig)