Meine Schule ist zum Beginn des Schuljahrs umgezogen, und zwar in ein bereits vorhandenes, nicht etwa neu gebautes Schulgebäude, das ein Jahr lang leer gestanden ist, weil die ursprßnglich darin behauste Schule selber in einen Neubau umgezogen ist. Wir haben einfach die bereits vorhandene Technik ßbernommen.
Deshalb haben wir auch keinen Schulgong. Der lässt sich zwar manuell aus dem Sekretariat auslĂśsen, wozu es einen kleinen, in ein Gehäuse verbauten Tablet-Rechner mit Touchscreen und einem sehr alten Windows-Betriebssystem gibt, auf dem das Verwaltungsprogramm läuft. (Voreingestellt sind in diesem unter anderem âGong normalâ, âGong kurzâ, âPutzen/Hand AUSâ. Letzteres ist kein Gongzeichen, sondern sorgt dafĂźr, dass aus den Lautsprechern in der Schule eine algorithmisch generierte Stimme âPutzen Putzen Putzenâ ruft. Der Anlass fĂźr diese Einstellung ist uns nicht bekannt; das Ausprobieren sorgte fĂźr Irritation beim Personal im Schulgebäude.)
Allerdings funktioniert das automatische AuslĂśsen des Schulgongs nicht. Ăblicherweise läutet dieser am Vormittag etwa neun Mal, am Anfang und Ende von Stunden und Pausen, am Nachmittag ähnlich. Das ist zu oft fĂźr ein regelmäĂiges manuelles AuslĂśsen, also bleibt der Gong aus.
Der automatische Gong funktioniert deshalb nicht, weil die eigentlich vorgesehene Verbindung der Anlage zum europaweiten Langwellen-Zeitzeichensender DCF77 nicht mĂśglich oder nicht korrekt eingestellt ist. Stattdessen läuft die Systemuhr quarzgesteuert. Schon in den letzten Jahren, heiĂt es, sei diese Uhr regelmäĂig nachgegangen, so dass alle drei Monate jemand vom zuständigen Sachaufwandsträger an die Schule entsendet wurde, um diese Systemzeit neu einzustellen. Das war Herr L., der allerdings inzwischen, kurz vor seiner Rente, gestorben ist. Es gibt jetzt niemanden mehr, der die falsche Uhrzeit der zentralen Anlage ändern kann. Zumindest die bisherigen ersten zwei Monate des Schuljahrs hat das den Schulalltag nicht beeinträchtigt.