20. Juli 2019
Letztlich ist die Sparkasse schuld
Zum September 2019 tritt eine neue Richtlinie in Kraft, die Banken zu höherer Sicherheit beim Online-Banking verpflichtet – das Verfahren, eine Transaktion mittels einer papierhaft vorliegenden Transaktionsnummer zu legitimieren, ist dann nicht mehr zulässig. Folge: Die Banken überbieten sich gegenseitig darin, mehr oder weniger sonderbare Smartphone-Apps zu entwickeln, die dann an die Stelle der gedruckten TAN-Bögen oder simplen TAN-SMS treten sollen.
Somit ist also das Vorhandensein eines Smartphones nebst geeignetem Vertrag Pflicht, möchte man nicht wegen jeder Überweisung nach Anlaufstellen mit Banking-Terminals im immer weiter ausgedünnten Filialnetz suchen oder horrende Gebühren für Totholz-Formular-basierte Überweisungen (sofern überhaupt noch möglich) entrichten.
Woraus folgt: Meine Mutter (78), bislang glückliche Benutzerin eines niedlichen Samsung-Klapphandys, das ich vor Äonen mal als Gratis-Dreingabe zum Erwerb eines Farblaserdruckers des gleichen Herstellers bekommen hatte, und Eigentümerin eines tatsächlich 20 Jahre alten T-Mobile-Vertrags für 9,95 €/Monat inkl. 60 Gesprächsfreiminuten, braucht ein Smartphone. Und, wie sich leidvoll und kostenintensiv herausstellt, auch einen neuen Telefonvertrag.
Die Smartphonefrage ist schnell gelöst – nein, auch nicht ganz. Im Haushalt sind – vermeintlich – zwei abgelegte Smartphones vorhanden: Ein Samsung Galaxy S5 und ein Nokia N8 mit Symbian-OS. Die bisher verwendete SIM-Karte passt nur ins Nokia, und in niedlicher Naivität geht meine Mutter davon aus, dass sich die erforderliche Sparkassen-App doch auf dem Nokia installieren lasse? – Die Ernüchterung folgt selbstverständlich auf dem Fuße, denn der ehrwürdige Nokia-Greis eignet sich zwar durchaus noch hervorragend zum Telefonieren und Fotografieren, aber die Internetfähigkeiten beschränken sich auf den WAP-Standard und der Symbian-Appstore wirft nur noch einen “Nicht erreichbar”-Fehler.
Nun muss es also das S5 werden. Mittels eines irgendwann mal unbedacht erworbenen SIM-Karten-Lochers wird die Mini-SIM auf Micro-SIM zurechtgestanzt und ins S5 eingeführt. Ein grober Fehler, wie sich herausstellt, denn das Telefon hat nichts besseres zu tun, als sich erstmal kräftig updaten zu wollen – und irgendwie ist da wohl auch die eine oder andere nicht so ganz gutmeinende App drauf gelandet – und das geht wider Erwarten nicht übers heimische W-LAN, sondern über den Uralt-Telekom-Vertrag. Und der hat’s in sich: da wird der Datentransfer offensichtlich nach Zeiteinheit abgerechnet oder am Goldstandard festgemacht, jedenfalls kostet der Download von 23 MB nutzlosen Daten – kein Scherz, keine Übertreibung – ÜBER FÜNFZIG EURO.
Die Telekom ist immerhin so nett gewesen, diesen Sachverhalt per SMS mitzuteilen, sonst hätten am Ende des Monats wohl mehrere tausend Euro auf der Rechnung gestanden.
Fünfzig Euro. Für dreiundzwanzig Megabyte. Nicht etwa über Satellit, auf dem Mittelmeer oder im Urwald oder so. Einfach mal so. Fünfzig. Euro. Für. Daten. Im. Jahr. 2019.
Erster Schritt: Mobile Daten im Smartphone deaktivieren. Zweiter Schritt: Beim besagten Vertrag per Anruf bei der Hotline die Nutzung von GPRS blockieren lassen. Kulanz? Fehlanzeige. Dritter Schritt: Im Telekomladen erfahren, dass der Vertrag jeweils 12 Monate läuft, frühestens also im Mai 2020 beendet werden kann, auch nicht auf irgendwas Zeitgemäßes umgestellt werden kann, ansonsten von einem so genannten “Berater”, der ausschließlich auf seine eigene Vertriebsprovision schielt, so derartig schlecht beraten werden, dass ein rüder Gesprächsabbruch, ein Quasi-Hausverbot und der feste Wille, der Telekom den Rücken zu kehren, am Ende steht.
Die Notwendigkeit zum Rückenkehren ergibt sich auch daraus, dass die Übertragung der Rufnummer sowieso nur dann möglich ist, wenn dies zu einem anderen Anbieter erfolgt. Es ist also nicht möglich, vorfristig den nachteiligen Uraltvertrag auf einen zeitgemäßen Telekom-Vertrag umzustellen. Verbindlichsten Dank.
Die Wahl fällt auf smartmobil Prepaid aus dem Hause Drillisch, wo es für läppische 4,95 € ein vergleichsweise üppiges Kontingent an Gesprächs- und Datenvolumen gibt, wenn auch nicht mehr im D-, sondern E-Netz. Unmittelbar nach der unbefriedigenden Erfahrung im Telekomladen bestelle ich für meine Mutter auf der smartmobil-Website die Prepaidkarte, gehe zwecks Post-Ident-Foo mit ihr nachmittags zur Post, und bereits am übernächsten Tag kommt die neue SIM-Karte an.
Eine Woche später ist dann auch die Rufnummernmitnahme umgesetzt – nach einer Irritation durch einen Telekom-Schrieb, der wohl 6 Tage per Snailmail unterwegs war und den Eindruck erweckte, es wären noch weitere Handlungen erforderlich – und fortan kann das S5 ohne Gebührensorgen benutzt werden.
Happy End? Bedingt. Es bleibt nicht nur der fade Nachgeschmack von über 50 geradezu lächerlich verbrannten Euro, sondern auch die Tatsache, dass der nunmehr nutzlose Vertrag noch für weitere 9 Monate fröhlich mit monatlich 9,95 Euro zu Buche schlägt. Plus Übernahmegebühr. Aber so einem armen, notleidenden Telekommunikationskonzern schmeißt man natürlich gern 150 Euro für nichts und wieder nichts in den Rachen.
Wieso müssen TK-Unternehmen bloß immer solche A*löcher sein?
(schilderburger, zuerst veröffentlicht unter schilderburger.tumblr.com/post/186427681779/letztlich-ist-die-sparkasse-schuld)













