Letztlich ist die Sparkasse schuld
Zum September 2019 tritt eine neue Richtlinie in Kraft, die Banken zu hĂśherer Sicherheit beim Online-Banking verpflichtet â das Verfahren, eine Transaktion mittels einer papierhaft vorliegenden Transaktionsnummer zu legitimieren, ist dann nicht mehr zulässig. Folge: Die Banken Ăźberbieten sich gegenseitig darin, mehr oder weniger sonderbare Smartphone-Apps zu entwickeln, die dann an die Stelle der gedruckten TAN-BĂśgen oder simplen TAN-SMS treten sollen.
Somit ist also das Vorhandensein eines Smartphones nebst geeignetem Vertrag Pflicht, mĂśchte man nicht wegen jeder Ăberweisung nach Anlaufstellen mit Banking-Terminals im immer weiter ausgedĂźnnten Filialnetz suchen oder horrende GebĂźhren fĂźr Totholz-Formular-basierte Ăberweisungen (sofern Ăźberhaupt noch mĂśglich) entrichten.
Woraus folgt: Meine Mutter (78), bislang glĂźckliche Benutzerin eines niedlichen Samsung-Klapphandys, das ich vor Ăonen mal als Gratis-Dreingabe zum Erwerb eines Farblaserdruckers des gleichen Herstellers bekommen hatte, und EigentĂźmerin eines tatsächlich 20 Jahre alten T-Mobile-Vertrags fĂźr 9,95 âŹ/Monat inkl. 60 Gesprächsfreiminuten, braucht ein Smartphone. Und, wie sich leidvoll und kostenintensiv herausstellt, auch einen neuen Telefonvertrag.
Die Smartphonefrage ist schnell gelĂśst â nein, auch nicht ganz. Im Haushalt sind â vermeintlich â zwei abgelegte Smartphones vorhanden: Ein Samsung Galaxy S5 und ein Nokia N8 mit Symbian-OS. Die bisher verwendete SIM-Karte passt nur ins Nokia, und in niedlicher Naivität geht meine Mutter davon aus, dass sich die erforderliche Sparkassen-App doch auf dem Nokia installieren lasse? â Die ErnĂźchterung folgt selbstverständlich auf dem FuĂe, denn der ehrwĂźrdige Nokia-Greis eignet sich zwar durchaus noch hervorragend zum Telefonieren und Fotografieren, aber die Internetfähigkeiten beschränken sich auf den WAP-Standard und der Symbian-Appstore wirft nur noch einen âNicht erreichbarâ-Fehler.
Nun muss es also das S5 werden. Mittels eines irgendwann mal unbedacht erworbenen SIM-Karten-Lochers wird die Mini-SIM auf Micro-SIM zurechtgestanzt und ins S5 eingefĂźhrt. Ein grober Fehler, wie sich herausstellt, denn das Telefon hat nichts besseres zu tun, als sich erstmal kräftig updaten zu wollen â und irgendwie ist da wohl auch die eine oder andere nicht so ganz gutmeinende App drauf gelandet â und das geht wider Erwarten nicht Ăźbers heimische W-LAN, sondern Ăźber den Uralt-Telekom-Vertrag. Und der hatâs in sich: da wird der Datentransfer offensichtlich nach Zeiteinheit abgerechnet oder am Goldstandard festgemacht, jedenfalls kostet der Download von 23 MB nutzlosen Daten â kein Scherz, keine Ăbertreibung â ĂBER FĂNFZIG EURO.
Die Telekom ist immerhin so nett gewesen, diesen Sachverhalt per SMS mitzuteilen, sonst hätten am Ende des Monats wohl mehrere tausend Euro auf der Rechnung gestanden.
FĂźnfzig Euro. FĂźr dreiundzwanzig Megabyte. Nicht etwa Ăźber Satellit, auf dem Mittelmeer oder im Urwald oder so. Einfach mal so. FĂźnfzig. Euro. FĂźr. Daten. Im. Jahr. 2019.
Erster Schritt: Mobile Daten im Smartphone deaktivieren. Zweiter Schritt: Beim besagten Vertrag per Anruf bei der Hotline die Nutzung von GPRS blockieren lassen. Kulanz? Fehlanzeige. Dritter Schritt: Im Telekomladen erfahren, dass der Vertrag jeweils 12 Monate läuft, frĂźhestens also im Mai 2020 beendet werden kann, auch nicht auf irgendwas ZeitgemäĂes umgestellt werden kann, ansonsten von einem so genannten âBeraterâ, der ausschlieĂlich auf seine eigene Vertriebsprovision schielt, so derartig schlecht beraten werden, dass ein rĂźder Gesprächsabbruch, ein Quasi-Hausverbot und der feste Wille, der Telekom den RĂźcken zu kehren, am Ende steht.
Die Notwendigkeit zum RĂźckenkehren ergibt sich auch daraus, dass die Ăbertragung der Rufnummer sowieso nur dann mĂśglich ist, wenn dies zu einem anderen Anbieter erfolgt. Es ist also nicht mĂśglich, vorfristig den nachteiligen Uraltvertrag auf einen zeitgemäĂen Telekom-Vertrag umzustellen. Verbindlichsten Dank.
Die Wahl fällt auf smartmobil Prepaid aus dem Hause Drillisch, wo es fßr läppische 4,95 ⏠ein vergleichsweise ßppiges Kontingent an Gesprächs- und Datenvolumen gibt, wenn auch nicht mehr im D-, sondern E-Netz. Unmittelbar nach der unbefriedigenden Erfahrung im Telekomladen bestelle ich fßr meine Mutter auf der smartmobil-Website die Prepaidkarte, gehe zwecks Post-Ident-Foo mit ihr nachmittags zur Post, und bereits am ßbernächsten Tag kommt die neue SIM-Karte an.
Eine Woche später ist dann auch die Rufnummernmitnahme umgesetzt â nach einer Irritation durch einen Telekom-Schrieb, der wohl 6 Tage per Snailmail unterwegs war und den Eindruck erweckte, es wären noch weitere Handlungen erforderlich â und fortan kann das S5 ohne GebĂźhrensorgen benutzt werden.
Happy End? Bedingt. Es bleibt nicht nur der fade Nachgeschmack von Ăźber 50 geradezu lächerlich verbrannten Euro, sondern auch die Tatsache, dass der nunmehr nutzlose Vertrag noch fĂźr weitere 9 Monate frĂśhlich mit monatlich 9,95 Euro zu Buche schlägt. Plus ĂbernahmegebĂźhr. Aber so einem armen, notleidenden Telekommunikationskonzern schmeiĂt man natĂźrlich gern 150 Euro fĂźr nichts und wieder nichts in den Rachen.
Wieso mĂźssen TK-Unternehmen bloĂ immer solche A*lĂścher sein?
(schilderburger, zuerst verÜffentlicht unter schilderburger.tumblr.com/post/186427681779/letztlich-ist-die-sparkasse-schuld)