Es brummt ned (weil elektrisch)
Ich fotografiere einen Berlkönig-Van auf der anderen Straßenseite und erkläre Hanna, dass ich darüber schon länger im Techniktagebuch schreiben wollte. Ich muss nur erst mit einem fahren. Berlkönig ist ein Ridesharing-Angebot der Berliner Verkehrsbetriebe, also näher am Rufbus als am Taxi. Ich habe im Dezember 2018 zum ersten Mal davon gehört und mich gleich angemeldet, aber bisher hat sich keine Gelegenheit zum Ausprobieren ergeben.
Im Hintergrund ein “Tele-Internet-Café” und handgeschriebene Plakate, die bewerben, wie viele GB mobiles Datenvolumen man bei welchen Prepaid-SIM-Karten zu welchem Preis bekommt. Bei Ortel 14 GB für 17 Euro, bei einem nicht erkennbaren anderen Anbieter 12 GB (mit LTE) für 12 Euro. Eventuell muss ich AldiTalk bald verlassen.
Hanna sagt, dass sie in letzter Zeit einen Dienst namens CleverShuttle nutzt. Das sei so ähnlich, aber nur mit Elektroautos. Außerdem wirkten die Fahrer (wohl zum Teil ehemalige Busfahrer) dort sehr zufrieden. Aufschreiben will sie das aber nicht, um keine Werbung zu machen, und auch mein Vorschlag, den Namen des Unternehmens zu verschweigen, scheint ihren Aufschreibewillen nicht zu vermehren. Da wir abends sowieso gemeinsame Pläne haben, schlägt Hanna vor, auf dem Rückweg ein CleverShuttle zu teilen. Wenn man zu zweit dieselbe Strecke fährt, kostet es nur 25% mehr als für eine Person.
Für den Hinweg nehmen wir die U-Bahn. Ich hätte das normalerweise auf dem Rückweg auch getan, erwarte mir vom CleverShuttle aber 1. Material für einen Techniktagebuchbeitrag, 2. weniger Wartezeit in U-Bahnhöfen gemeinsam mit Betrunkenen und 3. einen schnelleren und schöneren Heimweg zu einem Preis, der nicht so hoch ist wie beim Taxi. Außerdem fahre ich nicht besonders gern Taxi, mir ist die soziale Situation im Taxi unangenehm. Ein Kleinbus oder Van mit mehreren Fahrgästen würde dieses Problem für mich lindern.
Während wir gegen Mitternacht am anderen Ende der Stadt den Aufbruch erwägen, zeigt die App Wartezeiten um die fünf bis acht Minuten an. Als wir dann tatsächlich gehen wollen und Hanna das Fahrzeug anfordert, sind es siebzehn Minuten. Die anderen Gäste gehen zur U-Bahn, wir stehen vor dem Literaturhaus herum und warten. Der dritte Mitfahrer sagt, er müsse in solchen Situationen immer an einen Songtext von DÖF denken. Das geht mir wegen Gleichaltrigkeit genauso, und wir rezitieren gemeinsam “I steh in da Kötn und woat auf a Taxi, owas kummt ned, kummt ned, kummt ned”. Der Mitfahrer weiß, wie es weitergeht: “I woat auf des Brummen von am Mercedes Diesl, owas brummt ned, brummt ned, brummt ned”. Als er bei “De Dame vom Funk sogt zu mia: Der Wogn 734 ist in 4 Minuten hier” ankommt, ist der Wagen auch schon hier. Ohne Brummen, weil elektrisch.
Ungefähr so sah der Rufbus aus, nur weniger unscharf.
Hanna hat nur zwei Personen in der App angemeldet, der dritte Mitfahrer hat sich spontan eingefunden. Man kann in der App nicht angeben, dass noch eine Person mehr mitfahren will, was ich unpraktisch finde, da mir das wie ein häufiger Anwendungsfall vorkommt. Man müsste wohl die Anfrage stornieren und eine neue stellen, das war uns aber zu riskant. Zum Glück ist genug Platz für drei, und der Fahrer trägt den zusätzlichen Fahrgast auf dem Handy mit der CleverShuttle-App ein, das er neben dem eingebauten Navi des Autos montiert hat. Er fragt, ob die Aussteigestelle auf unserer Strecke liegt, und wir bejahen.
Unterwegs sammeln wir einen vierten Fahrgast auf. Dadurch nehmen wir eine andere Strecke als die erwartete, und die zusätzliche Aussteigestelle unseres Mitfahrers liegt jetzt nicht mehr auf dem Weg, was mündliche Korrekturen der Richtung erfordert. Das scheint aber kein Problem zu sein.
Der Heimweg kostet mich fünf Euro, die ich Hanna bar aushändige. Mit der U-Bahn wären es 2,80 gewesen, mit einem Taxi wahrscheinlich (da wir zu zweit und auf einer Teilstrecke zu dritt waren) acht bis zehn Euro. “Ich zahle das jetzt mit Paypal”, sagt Hanna zum Fahrer und wartet, bis der den Eingang der Zahlung bestätigt. Ich vermute, dass Ankündigen und Warten eigentlich unnötig sind, aber es fühlt sich vorerst noch zu seltsam an, einfach so auszusteigen.