Das vorherrschende KlassenverhĂ€ltnis der Feudalgesellschaft war die Leibeigenschaft, bei der die BĂ€uer*innen einen Teil der Arbeit fĂŒr sich selbst verrichteten und einen Teil fĂŒr ihren Herren. Diese bĂ€uerliche Welt war, entgegen unseren heutigen Vorstellungen, alles andere als ein ruhiger Ort. Vielmehr war das mittelalterliche Dorf Schauplatz eines alltĂ€glichen Krieges. Hauptziel der BĂ€uer*innen war unter anderem den Teil der Mehrarbeit, den sie in Form von Frondiensten den Herren ĂŒberlassen mussten, einzubehalten und ihre wirtschaftlichen & rechtlichen AnsprĂŒche auszuweiten. Das bedeutendste Kampffeld war jedoch die Arbeit, die sie an bestimmten Wochentagen auf dem Land der Lehnsherren zu leisten hatten, sie war das gesamte 13. Jahrhundert Streitpunkt. EintrĂ€ge in GerichtsbĂŒchern weisen darauf hin, dass bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts diese Fronarbeit massenhaft verweigert wurde. Andere Konflikte entfachten um nicht bewirtschafteten Boden, der von den Leibeigenen als Kollektiveigentum angesehen wurde, oder um den Waffendienst, bei dem Bauern unter Zwang rekrutiert wurden und von dem sie oft bei der ersten Gelegenheit abhauten, nachdem sie ihren Lohn erhalten hatten. Die erbittertsten KĂ€mpfen gingen jedoch um die verschiedenen Steuern und Lasten, die fĂŒr die Leibeigenen die ganze WillkĂŒr der Feudalmacht offenbarten. Offensichtlichstes Beispiel war die Taille, ein willkĂŒrlich festgesetzter Geldbetrag, den die Lehnsherren jederzeit fordern konnten. Zu offenen Konfrontationen kamen auĂerdem unsichtbare Widerstandsformen hinzu, etwa die Bummelei, die TĂ€uschung, vorgetĂ€uschtes Unwissen oder kleine DiebstĂ€hle. Auf diese Weise erlangten die BĂ€uer*innen einige ZugestĂ€ndnisse. Insbesondere wurden die Frondienste in Geldleistungen umgewandelt, was die Leibeigenschaft praktisch beendete. Gleichzeitig wirkte diese Neuerung jedoch auch als Mittel der Spaltung und beförderte den Zerfall des feudalen Dorfes. Ărmere BĂ€uer*innen gerieten in einen Zustand chronischer Verschuldung und ein Prozess setzte ein, durch den viele ihre Arbeitskraft verkaufen mussten. Fortsetzung folgt.