Anfang 1998
GrĂŒne und gelbe Disketten
In einer deutschen Bundesbehörde ergibt sich die Aufgabenstellung, einen in russische Sprache ĂŒbersetzten Text als Word-Datei an eine am selben Ort ansĂ€ssige Landesbehörde zu ĂŒbermitteln. Obwohl ich bereits seit zwei Jahren privat E-Mail nutze (zu diesem Zeitpunkt von einer AOL-CD), ist mir dies an meinem neuen Arbeitsplatz Anfang 1998 noch nicht möglich. Vereinzelt gibt es dort das X.400 System, nicht jedoch an meinem Arbeitsplatz (ein mit Safe-Guard abgesicherter Windows 3.1 Rechner, der u.a. das Kopieren von .exe Dateien unterbindet). Es mangelt aber auch an X.400 fĂ€higen EmpfĂ€ngern. Ebenfalls verfĂŒgt dieser Arbeitsplatz nicht ĂŒber einen Internetzugang, diesen wird mein Vorgesetzter im Laufe der kommenden Monate erst noch fĂŒr mich beantragen.
Mir wird das eingespielte Verfahren von Kollegen erlĂ€utert: Es gibt grĂŒne und gelbe 3,5" Disketten. Die grĂŒnen Disketten sind dem Datenaustausch innerhalb der Behörde vorbehalten. Solche habe ich an meinem Arbeitsplatz bereits vorgefunden. Ăber den Postweg versandt werden dĂŒrfen nur gelbe Disketten. Gelbe Disketten werden aber nicht an die BeschĂ€ftigten ausgegeben. Das Umkopieren von grĂŒn nach gelb erfolgt an einer zentralen Stelle und wird mittels papiernem Formular ĂŒber die Botenpost beauftragt.
Von dem Formular bin ich ĂŒberfordert, weil es eher fĂŒr den Datentausch konzipiert ist und eine Vielzahl von Fragen zu klĂ€ren sind. Ich bin mir relativ sicher, dass die Textcodierung nicht darunter fĂ€llt, wohl aber die DateigröĂe, das Format und welche Rechte an den Daten bestehen.
Die KlĂ€rung der Details nimmt lange Zeit in Anspruch. Es lĂ€sst sich nicht mehr zweifelsfrei eruieren, ob die empfangende Stelle in der Zwischenzeit ihr Interesse an der Datei verloren hat oder die EinfĂŒhrung und Verbreitung des Versands von DateianhĂ€ngen per E-Mail einen einfacheren Versand ermöglichte, fĂŒr den so schnell keine Ă€hnliche BĂŒrokratie geschaffen werden konnte.
(Michael)


















