Ich bin zu Besuch bei Verwandten und entdecke dort eine wundersame Technikecke. Es handelt sich um eine der größten und besten Ablageflächen in der ganzen Wohnung, direkt neben dem Esstisch. Alan Smithee führt mich durch die Sammlung.
Alan: Mehrere Speichersticks ... 4 GB und ... schwer zu sagen ... 512 MB! Fast neuwertig. Diverse Speicherkarten, diverse Akkus, die sicher alle leer sind. Ein Anker, der seit dem Tag des Umsonstbekommens nicht funktioniert und seitdem am Strom hängt.
Kathrin: Warum ist da in der untersten Schicht ein iPhone?
Alan: Das ist das altes iPhone 4S von meiner Mutter, was halt irgendwann, als sie Ersatz bekommen hat, da hingewandert ist und dann liegen geblieben.
Kathrin: Wann war das ungefähr?
Alan: Ziemlich genau vor einem Jahr.
Kathrin: Okay, hier ein Fahrradrücklicht, nehme ich an.
Alan: Ja, aber auch ohne Halterung.
Kathrin: Zu welchem Handy gehört das hier?
Alan: Das ist ein iPhone-Ladegerät für alle iPhones. Wird aber nicht benutzt, weil es scheiße ist und wir zwei davon haben.
Kathrin: Was ist das da? Ein Mauspad? Nee, ah, okay, so ein Anker-Verpackungsteil. Die Dinger hebe ich auch immer auf. Es ist zwar sinnlos, aber sie sind so schön. Man braucht es genau nie. Aber es ist hübsch. Warum die Apple Watch da liegt, weiß ich schon.
Aufschreibekathrin im Jahr 2021 weiß es nicht mehr, ist aber zuversichtlich, dass sich die Lösung eines Tages aus einer anderen Audioaufnahme ergeben wird.
Alan: Gut. Das ist der Vorgänger von Apple Watch, eine Sportuhr, die keine Sau mehr braucht, weil es gibt ja die Apple Watch.
Kathrin: War aber bestimmt teurer damals.
Alan: Sicher! Deutlich teurer! Davon liegen auch zwei oder drei hier herum, mehrere Generationen. Was haben wir hier unten noch? Ne externe Festplatte mit irgendeiner Datensicherung drauf von ... irgendwas. “MyPassport”. Ich würde sagen, die wurde angeschafft, als mein Vater sich sein neues Macbook gekauft hat und das alte da drauf gespiegelt hat und das neue eingerichtet hat. Ich könnte wetten, dass kaum welche von den Daten oder Bildern, die da drauf sind ... dass die jetzt die nächsten 20 Jahre da rumliegen wird ... was externe Festplatten halt so machen.
Kathrin: Aber es sieht so aus, als wäre das noch eine richtige Festplatte mit beweglichen Teilen drin, oder?
Alan: Ja. So, was haben wir noch Schönes? Apple Earpods, braucht keine Sau.
Alan: Verliert mein Vater eh nur.
Kathrin (so etwas noch nie gesehen habend): Was ist das für ein Ding?
Alan: Das sind die Apple-Kopfhörer. Bluetooth, kabellos ...
Kathrin: Ach, die sind da drin. Wie, und die werden nicht benutzt?
Alan: Doch aber er verliert sie sicherlich. Also einen wahrscheinlich. Aber noch sind sie neu und da.
Kathrin: Ein Brieföffner ... wird wahrscheinlich sogar benutzt ...
Alan: Wird sogar benutzt, ja. Ich glaube, das ist eins der wenigen Sachen, die benutzt werden hier. Noch mehr Batterien. Unmengen an Kabeln. Oh, ein Kabel! Schön orange, das will ich haben. Gehört offenbar zu irgendwelchen Kopfhörern dazu ...die auch natürlich nicht benutzt werden. Eine Uhrarmbandschnalle. Ein nicht gebrannter Rohling, wo jetzt schon Kratzer drauf sind. Bisschen Werkzeug. Paar Rechnungen. Verpackungsmüll. Noch mehr Rechnungen. Eine sündhaft teure Apple-Maus ...
Kathrin: Wird vermutlich auch nicht benutzt? Sonst wär sie nicht hier?
Alan: Nein, weil die Pads einfach viel mehr Gesten können als die Scheißmaus.
Kathrin: Wann war die zuletzt im Einsatz?
Alan: Ich möchte nicht lügen. Meine, die ich oben hab, ist seit bestimmt drei Jahren nicht mehr im Einsatz gewesen. Aber die könnte sogar im Einsatz gewesen sein in letzter Zeit.
Kathrin: Ein Brillenputztuch mit Regionalwerbung. Eine etwas angestaubte Rohlingsspindel mit ungefähr 20 Rohlingen, aber der oberste ist schon verdächtig staubig.
Alan: Auch hübsch ist diese Handyhalterung fürs Auto. Weil die passt zu diesem iPhone 4S, aber die Halterung ist aus dem Auto von meinem Vater, und das hat er schon vor drei Jahren an meine Mutter abgegeben.
An dieser Stelle wird die Führung durch mein Wehgeschrei unterbrochen, weil ich merke, dass meine Aufzeichnungsapp gar nichts aufzeichnet. Sie kann nichts aufzeichnen, weil die neuerdings ständig im Hintergrund laufende AfterRecorder-App das Mikro für sich beansprucht. Zum Glück reden wir erst seit fünf Minuten, und ich kann alles nachträglich mit Hilfe von AfterRecorder aufzeichnen, so dass die App, die das Problem verursacht hat, gleichzeitig dessen Lösung ist.
Alan: Ja, jetzt noch zur letzten staubigen Ecke. Wir waren bei diesem Dingsda, das schon seit mindestens drei Jahren da rumliegt. Ein digitaler Bilderrahmen. Da ist ein Betriebsstempel drauf aus der Firma von meinem Vater, von 2010, und da ist er dann kurz darauf wieder heimgekommen. Das heißt, der ist bestimmt seit 2008 oder so bei uns, ist richtig teuer gewesen, da waren immer Kinderbilder von mir drin, als ich drei war. Der ist bestimmt seit fünf Jahren aus.
Kathrin: Und das ist so ein spezialisiertes Ding, was auch nur genau das kann. Bilder anzeigen?
Alan: Wir können's ja mal anstecken. Wenn er angeht. Nee, da ist mein kleiner Bruder schon da. Das ist fast schon neuwertig ... Noch mehr Kabel. Diverse Uhrarmbänder für die Apple Watch.
Kathrin: Und noch mehr Uhrarmbandschnallen, wahrscheinlich auch Apple Watch, oder?
Alan: Nee, von seiner anderen Uhr.
Kathrin: Immerhin, das Akkuladegerät ist da, wo die Akkus sind!
Alan: Ja, aber keine geladenen. Was haben wir noch, Krempel ... ein VGA-Kabel ...
Alan: Du fragst mich Sachen.
Kathrin: Noch mehr Brillenetuis, ein Rohling, eine Anker-Schachtel von einem ... PowerCore, eine 10.000er Powerbank. Eine nicht benutzte FritzBox und ein ...
Alan: Eine externe Festplatte und ... Oh, das ist schön hier! Das ist ein Handyladegerät von einem Motorola V600 Klapphandy! Das war mein zweites Handy. Das alte von meiner Mutter. Wann kam das iPhone raus?
Alan: Dann hab ich mir 2008 oder 2009 mein iPhone 1 gekauft. Das war mein Vorgängerhandy. Und seitdem liegt das wahrscheinlich da.
(Alan Smithee, befragt von Kathrin Passig, transkribiert 2021 mit Hilfe von Amberscript.)