Über das Positive im Negativem, das immer zu finden ist.
Genau wie es sich mit negativen Dingen verhält, die vermehrt auftreten, wenn bereits zuvor etwas Negatives eingetreten ist, so scheint es auch mit positiven Ereignissen zu sein.
In den letzten Wochen habe ich zwei Glückskekse gegessen, wobei in dem ersten mir ein großartiges Schicksal prophezeit wurde und in dem anderen eine angenehme Überraschung in Sachen Liebe. Nun ja, das zweite ist wohl nicht ganz so eingetreten, wohingegen sich dafür der erste Zettel vielleicht bemerkbar macht. Eine andere Erklärung wäre wohl einfach die Funktion des Zufalls. Oder aber auch die Kraft der positiven Gedanken. Aus irgendeinem Grund scheinen wir dann oft auszustrahlen, dass wir guter Dinge sind, woraufhin sich noch weitere für uns günstige Fügungen ergeben.
Etwas, dass ich als sehr wertvoll empfinde ist die Tatsache, dass mein Beruf, mein Job, meine Karriere nur ganz allein mir gehören. Wenn es einem persönlich nicht gut geht, ist es umso wichtiger, einen oder mehrere Teile des eigenen Lebens zu haben, in dem der/ die PartnerIn keine Rolle spielt.
Wenn wir dabei sind, uns langsam wieder auf uns selbst zu konzentrieren, bemüht, das Loch auszufüllen und dabei erfolgreich sind, fühlen wir uns gut. Das schöne an (Liebes-)Enttäuschungen ist, dass sie oft große Kraft freisetzen. Wir sind dann motiviert, Dingen nachzugehen, die wir schon lange vor uns hin schieben oder setzen freigesetzte Kräfte noch mehr in Angelegenheiten, für die wir brennen. Ein Synonym wäre wohl: wir erfinden uns neu. Nicht, dass uns das Alte nicht gefällt nein – allerdings merkt man erst oft nach einer schwierigen Phase, dass man sich dabei vergessen hat.
Die Dynamik, aus negativen Dingen etwas Positives zu gestalten, ist wohl eine der wertvollsten Umgangsweisen mit Problemen. So haben wir oft die Wahl, wie wir mit Herausforderungen umgehen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Denn zunächst fühlen wir uns handlungsunfähig angesichts unserem riesigen Berg an negativen Gefühlen, Altlasten und (Zukunfts-)Ängsten. Wir fangen an, Dinge zu verarbeiten, indem wir über sie sprechen, nachdenken und vielleicht auch schreiben. Es ist an uns, wie wir die Dinge bewerten, die in der Vergangenheit geschehen sind. Auch hier ist es meist sinnvoll, auf rationaler Ebene Ereignisse oder Geschehnisse zu bewerten und sie letztendlich auch anzunehmen.
Im ersten Semester hat mein Ethikprofessor über den Umgang mit Fehlern gesprochen. Dazu malte er eine Gerade an die Tafel und versetzte ihr irgendwann einen kleinen Strich. Genau an diesem Punkt ist symbolisch ein Fehler passiert. Doch bevor wir uns versehen, sind wir zeitlich gesehen schon über diesen Punkt hinweg und können lediglich auf ihn zurück blicken. Und entweder, wir akzeptieren, dass der Fehler passiert ist und können weiter auf dem Zeitraffer gehen oder wir können nicht mit dem Fehler leben. Doch lässt sich dieser wohl kaum beheben.
Über diese Darstellung kann ein jeder natürlich denken, was er mag; sie stellt die Dinge mitunter sehr vereinfacht dar. Jedoch kommen wir immer auf das gleiche Ergebnis. Es hilft uns bei der Verarbeitung wesentlich, Dinge anzunehmen, wie sie passiert sind. Genauso auch, dass wir es sind, die Entscheidungen getroffen haben, die zu dem besagten Punkt führen. Und wir werden auch weiterhin vielleicht Entscheidungen treffen, die uns kurze Zeit später als falsch erscheinen.
Jedoch merkt ein mancher nach einer Zeit, dass die emotionale Unabhängigkeit wie Balsam für die Seele ist. Wir hören auf, uns zu fragen, was die andere Person gerade macht. Wir kommen immer mehr zu uns selbst und die Verbindung zu unseren Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen wächst enorm. Denn indem wir in Streitphasen unsere Energie oft in die Beziehung und in die andere Person gesteckt haben, hat sie uns selbst vielleicht gefehlt. Und genau aufgrund diesem Phänomen ist es heilsam, in Nachhinein Zeit für sich selbst zu nehmen. Das Gefühl wächst wieder handlungsfähig zu sein, da wir Herr über unsere Gefühle sind. Es kommt in erster Linie auf uns an, was uns geschieht. Auch wenn Beziehungen sehr schön und wichtig sind, können sie in diesem Punkt leider nicht mithalten. Denn wahrhaftig bei uns sind wir wohl kaum in ihnen. Dass dies kein Dauerzustand ist oder auf Lebenslänge gedacht ist, ist wohl auch klar. Aber gerade nach schwierigen Phasen ist diese Phase Balsam für die Seele. Sie schließt Wunden und fördert die bereits angesprochenen Dynamiken.
Meine Mutter pflegt ein Leben lang schon zu mir zu sagen: Wenn die eine Türe zu geht, geht die andere dafür auf. Und so lassen wir am einen Tag einen Menschen gehen, der uns sehr am Herzen liegt und erhalten am anderen Tag dafür eine Chance, uns weiterzuentwickeln. Das kann ein Buch sein, einen Kurs, eine Weiterbildung oder vielleicht auch eine inspirierende Person, die wir treffen. Was auch immer es sein mag, es verdient unsere ganze Energie.