Über den Dating-Dschungel in Pandemiezeiten – Teil 2
Und wie geht es dann weiter? Wir lassen uns irgendwann auf eine Unterhaltung ein, auf ein Telefonat und irgendwann vielleicht auch auf ein Treffen. Umso geringer die Erwartungen sind, umso geringer auch die Enttäuschungen – so heißt es  zumindest im Allgemeinen. Aber es scheint unvermeidlich zu sein, ein Treffen an gewisse Vorstellungen zu knüpfen, denn schließlich haben wir ganz automatisch und unbewusst bereits beim Schreiben angefangen, unsere Vorstellung von der jeweils anderen Person zu bilden.
Letztendlich bleibt es ungewiss, wem wir im nächsten Moment gegenüber treten. Bilder sind immer nur ein Teil des großen Bildes – und geben wir es doch zu, kaum jemand würde ein Bild von sich rein stellen, bei dem er oder sie unvorteilhaft aussieht... Jedoch wäre es wohl unser Selbst willen gegenüber und im Sinne der Authentizität  echt – uns möglichst echt zu präsentieren.
Nun denn, wenn die erste Überraschung (positiv oder negativ) überwunden ist, nähern wir uns der ganzen Sache mit Gesprächen. Je nach dem, aus welchem Grund wir uns auf dem jeweiligen Portal angemeldet haben, verlaufen wohl auch die Treffen.
Jedoch scheint es immer sinnvoll, mit offenem Geist neuen Menschen zu begegnen. Denn manchmal ist es vielleicht nicht der/die potenzielle PartnerIn, dem oder der wir begegnen. Warum kann es nicht auch einfach eine neue Bekanntschaft, eine Inspiration, eine Verkörperung dessen, was nicht zu uns passt oder einfach nur ein Gesprächspartner sein? Warum gibt es die allgemeingültige Auffassung, dass es DAS nun sein muss? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir beim Feiern oder Sonstigem auf Anhieb DIE Person finden?
Dennoch lohnt es sich oft, auch ein zweites Mal hinzuschauen. An bekannten Orten, die sich zum Spazieren eignen, herrscht derzeit Hochbetrieb was die Dating-Aktivität angeht. Die Umgebung scheint ein wichtiger Faktor zu sein, der sich auf die Stimmung auswirkt. Romantische oder gar erotische Gefühle können sich wohl kaum bilden, wenn wir mit herunter gezogener Kapuze gegen das raue Januarwetter ankämpfen... in der Hoffnung, nicht völlig einem zerrupften Huhn zu gleichen.
Außerdem lohnt es sich ebenfalls einen zweiten Blick darauf zu werfen, weil uns Menschen trotzdem immer wieder (positiv) überraschen können. Gerade wenn wir relativ klare Vorstellungen von unserem Wunschpartner haben, neigen wir dazu, Menschen vorschnell in Schubladen zu stecken. Schubladen geben den Menschen auch eine gewissen Sicherheit, denn wir haben in jungen Jahren so gelernt, Situation oder Personen einschätzen zu können. Allerdings obliegt es trotzdem letztendlich unserer Subjektivität und zeichnet nur unsere Realität ab – deshalb: go for the second run! (Außer, unsere Intuition wehrt sich vehement dagegen).
Wie sieht die Sache allerdings aus, wenn wir uns bereits einige Male getroffen haben und es trotzdem nicht „hinhaut“? Aus welchen Gründen auch immer –  wir haben es uns immerhin getraut. Auch wenn man sich möglichst wenig Situationen stellen möchte, die einen verletzlich machen – so sind sie unumgänglich, wenn wir irgendwann lieben und geliebt werden möchten.
Und so lernen wir wohl mit jedem weiteren Date, das keine Zukunft verspricht, was wir nicht wollen und somit zeitgleich auch, was wir in Zukunft möchten.
Eines Abends schielen wir wieder in Richtung Handy + Datingapp... Jedoch können wir bestimmen, in welcher Geschwindigkeit dieser Dating-Dschungel abläuft. Und auch wenn wir uns ihm entziehen, ist das völlig in Ordnung. Letztendlich gilt es, in sich rein zu hören – was tut mir gut?
Und nur das zählt – denn die wichtigste Beziehung stellt immer die dar, die wir zu uns selbst haben.
J.S.

















