Schreibmaschinenpapier. Ein archäologischer Fund
Heute Abend will ich in Bielefeld anlässlich der “25 Jahre Schreiblabor”-Feier ein Quiz zum Thema Schreibtechnik der letzten 25 Jahre veranstalten. Da ich aus dem Haushalt der Mutter anreise, kann ich die Teilnahmebögen sogar selbst ausdrucken. Es ist ein bisschen mühsam, weil der Drucker sich beim Einziehen des Papiers häufig verschluckt, aber nach einer Stunde geduldiger Bastelei besitze ich 20 beidseitig bedruckte Blätter.
Ich suche nach einem verstärkten Umschlag, in dem ich sie unzerknittert nach Bielefeld transportieren kann, und finde auch gleich einen in der Kiste neben dem Schreibtisch, die Schmierpapier und andere Wiederverwendbarkeiten enthält. “Schreibmaschine” steht in der Handschrift meines Vaters darauf.
Im Umschlag ist etwas drin, und ich erhoffe mir schon eine Wiederbegegnung mit meinen Schreibmaschinen-Fingerübungen oder womöglich sogar denen des Vaters. Aber es ist dann nur leeres weißes Papier, etwas dünner als gewohnt, 70 Gramm pro Quadratmeter statt der üblichen 80. Mein Vater muss diesen Umschlag beschriftet haben, bevor man den Inhalt “Druckerpapier” nannte, wie ich es heute tun würde.
In den 1980er Jahren, vermute ich also, denn ich glaube, dass es schon in den 90ern einen Drucker im Elternhaushalt gab, einen von mir abgelegten wahrscheinlich. Aber der Poststempel ist von 1991:
Die 8000 auf dem Poststempel ist die Postleitzahl von München, die Zeit von Rolf und “Fünf ist Trümpf” war noch nicht gekommen. Das sieht man auch an der aufgedruckten Absenderadresse:
Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V.
Ludwigstraße 23, Rückgebäude
8000 München 22
Ich suche bei Amazon nach “Schreibmaschinenpapier”, um herauszufinden, ob sich dieser Sprachgebrauch irgendwo erhalten hat. Es gibt tatsächlich noch drei Angebote von Schreibmaschinenpapier, ansonsten aber vor allem Kopierpapier, Druckerpapier, Laserpapier (so vermutlich die Abfolge des Sprachwandels) und schließlich das äußerst zukunftssicher benannte “Brunnen 1032219 Büropapier”.