7. November 2018
Schreibmaschinenpapier. Ein archäologischer Fund
Heute Abend will ich in Bielefeld anlässlich der â25 Jahre Schreiblaborâ-Feier ein Quiz zum Thema Schreibtechnik der letzten 25 Jahre veranstalten. Da ich aus dem Haushalt der Mutter anreise, kann ich die TeilnahmebĂśgen sogar selbst ausdrucken. Es ist ein bisschen mĂźhsam, weil der Drucker sich beim Einziehen des Papiers häufig verschluckt, aber nach einer Stunde geduldiger Bastelei besitze ich 20 beidseitig bedruckte Blätter.
Ich suche nach einem verstärkten Umschlag, in dem ich sie unzerknittert nach Bielefeld transportieren kann, und finde auch gleich einen in der Kiste neben dem Schreibtisch, die Schmierpapier und andere Wiederverwendbarkeiten enthält. âSchreibmaschineâ steht in der Handschrift meines Vaters darauf.
Im Umschlag ist etwas drin, und ich erhoffe mir schon eine Wiederbegegnung mit meinen Schreibmaschinen-FingerĂźbungen oder womĂśglich sogar denen des Vaters. Aber es ist dann nur leeres weiĂes Papier, etwas dĂźnner als gewohnt, 70 Gramm pro Quadratmeter statt der Ăźblichen 80. Mein Vater muss diesen Umschlag beschriftet haben, bevor man den Inhalt âDruckerpapierâ nannte, wie ich es heute tun wĂźrde.
In den 1980er Jahren, vermute ich also, denn ich glaube, dass es schon in den 90ern einen Drucker im Elternhaushalt gab, einen von mir abgelegten wahrscheinlich. Aber der Poststempel ist von 1991:
Die 8000 auf dem Poststempel ist die Postleitzahl von MĂźnchen, die Zeit von Rolf und âFĂźnf ist TrĂźmpfâ war noch nicht gekommen. Das sieht man auch an der aufgedruckten Absenderadresse:
Bayerischer Landesverein fĂźr Heimatpflege e.V. LudwigstraĂe 23, RĂźckgebäude 8000 MĂźnchen 22
Ich suche bei Amazon nach âSchreibmaschinenpapierâ, um herauszufinden, ob sich dieser Sprachgebrauch irgendwo erhalten hat. Es gibt tatsächlich noch drei Angebote von Schreibmaschinenpapier, ansonsten aber vor allem Kopierpapier, Druckerpapier, Laserpapier (so vermutlich die Abfolge des Sprachwandels) und schlieĂlich das äuĂerst zukunftssicher benannte âBrunnen 1032219 BĂźropapierâ.
(Kathrin Passig)













