Der Ruf des Cthulhu: Geniales Gruselkabinett 114 + 115
Francis Wayland Thurston tritt das Erbe seines Onkels an. Schon bald muss er erkennen, dass alles mit dem uralten Kult des Cthulhu zu tun ha
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Der Ruf des Cthulhu: Geniales Gruselkabinett 114 + 115
Francis Wayland Thurston tritt das Erbe seines Onkels an. Schon bald muss er erkennen, dass alles mit dem uralten Kult des Cthulhu zu tun ha

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Und tschüss!
Kurz nachdem ich gestorben war, verließ ich meinen Körper in dem ich zweiundsiebzig Jahre lang gelebt hatte. Eigentlich wollte ich ja noch etwas warten, um zu sehen, was nach dem Ableben damit geschehen würde, aber dann siegte die Neugier. Ich musste raus!
Und das war auch gut so, das sah ich sofort.
Eine Augenweide war er nicht mehr, dieser olle Leib. Ich gebe zu, dass ich überhaupt nicht mehr mit ihm zufrieden war in der letzten Zeit. Nicht nur das Optische hatte ich als Belästigung für jeden Ästheten empfunden. Nein er war einfach fix und fertig. Der Rücken schmerzte, die Knie beugten sich schwer und die Füße schwollen immer an. Auch nachts ließ er mir keine Ruhe, denn ich musste ich öfter raus, als mir lieb war. Blöde Blase!
Darum war das Dasein in ihm zunehmend unkomfortabel.
Also, raus!
Da lag er also blöde rum, im Bett. Wenn ihn jemand finden würde in den nächsten Stunde, was nicht anzunehmen war, würde der glatt denken, ich sei noch drin und schliefe am helllichten Tag wie ein Murmeltier.
Je später man mich jedoch vermissen würde, desto unangenehmer wäre es für den bedauernswerten Finder... Aber eigentlich war mir auch das jetzt egal.
Ich war frei! Frei von dieser unansehnlich gewordenen Hülle - toll!
Auch die neue Perspektive war fabelhaft. Ich schaute von oben herab und fand, dass es im Zimmer ganz ordentlich aussah.
Kurz vor dem Ableben hatte ich mich sogar noch sorgsam zugedeckt, obwohl ich eigentlich nicht wissen konnte, daß der Tag fürs Sterben gekommen war.
Nahezu perfektes Timing! Die Decke lag faltenfrei über dem Körper. Auch mein Gesichtsausdruck stimmte so ungefähr. Ich sah entspannt aus, wenn auch etwas verkniffen um die Mundpartie herum. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich letzte Woche noch mal zur Kosmetik gegangen wäre?
Ach, Humbug... auf jeden Fall würde mir niemand nachsagen können, dass ich gelitten hätte auf meinem „letzten Gang“.
Von wegen letzter Gang! Jetzt sollte erst mal richtig die Post abgehen!
Um Himmelswillen, die Post!!!
Wer holte denn heute meine Post raus? Ich konnte das ja nicht mehr. Hoffentlich stopften sie heute nicht ausgerechnet so viele Kataloge den Kasten.
Ansonsten hatte ich mich gut vorbereitet. Schon seit einigen Jahren war ich bestrebt gewesen, den hoffentlich stark trauernden Anverwandten und Freunden kein unübersichtliches Chaos zu hinterlassen.
Meine Sammeltassen hatte ich Stück für Stück zum Trödler getragen, die Schallplatten und CD-Sammlung an Musik-Studenten verschenkt, lange nicht getragene Kleidung entsorgt und alle Liebesbriefe gnadenlos in den Schredder gesteckt, nachdem ich sie ein letztes Mal gelesen hatte. Eigentlich schade drum. Es waren so schöne poetische Sahnestückchen dabei gewesen.
Mit den zahlreichen Fotoalben hatte ich anfangs Probleme. Aber wer wollte sich denn noch meine Jugendfotos anschauen? Ich steckte sie schließlich in den Müllcontainer. Nur das Album mit den Kinderfotos meines Sohnes fand schließlich eine barmherzige Abnehmerin, denn meine Enkeltochter stand total auf die schwarz-weiß Bilder vom kleinen Papa. Als Draufgabe schenkte ich ihr meine echt goldenen Lieblingsohrringe und Berge von Modeschmuck.
Die Bibliothek hatte sich ganz von allein aufgelöst. Ich ließ mir die verliehenen Bücher seit Jahren einfach nicht mehr zurückbringen.
Das Testament, einfach formuliert, lag bei unserem Familien-Anwalt zur Eröffnung bereit. Einige goldige Münzen waren wohl geordnet im Schließfach.
Aber, ach - die Rente!! Die würde sich jetzt Vater Staat einstreichen. achtundvierzig Jahre lang war ich die regelmäßigste Renteneinzahlerin gewesen, die ich kannte.
Die Pfennigfuchser bei der BfA konnten keinen einzigen Fehltag finden. Und nun? Alles für die Katz! Nur vier Jahre lang kassierte ich monatlich einen Bruchteil von dem was ich mal eingezahlt hatte. Mein fleißiges Horten von Rentenpunkten und das Ansparen- alles war mühsam aber nicht effektiv gewesen!
Ja, umsonst ist der Tod. Schön wär’s! Ich hatte vorsorglich bei verschiedenen Bestattungs-Unternehmen nachgefragt, was denn das Sterben so kostet.
Die wussten ja nicht, dass es dabei um mich ging und legten mir Preislisten vor bei denen mir die Ohren schlackerten.
Meinetwegen können die den Körper, der da unten bereits zu vergammeln beginnt, verheizen und dann ab damit ins Wasser.
Ostsee wäre doch prima. Da braucht niemand kurzlebige Blumen aufs Grab zu stellen und an den eisig kalten Totensonntagen so tun, als wäre ich ein großer Verlust gewesen...
Ob ich anfing zu riechen? Ich versuchte, die Luft zu inhalieren. Ging nicht, ich war ja selbst so ähnlich wie Luft.
Ich merkte, wie meine Enttäuschung wuchs. Nichts von allem war geschehen, was in der einschlägigen Literatur über das Sterben vermerkt worden war: Kein langer, dunkler Tunnel mit warmem, hellen Licht am Ende, keine schöne Musik, kein Vorüberziehen des gesamten Lebens, keine auf mich wartende, bekannte, schon früher verstorbene Menschenseele.
So bescheißen sie die Lebenden, mit Geschichten über „schönes Sterben“! Beschweren müsste man sich, wenn man könnte. Aber da lag das Problem, daß ich es niemandem mitteilen konnte. Ich war tot.
Vorsorglich hatte ich mal eine Geschichte mit diesem Thema geschrieben, die im Computer abgespeichert war. Derjenige, der sie lesen würde, wüsste dann wenigstens Bescheid!
Das war genial, jawohl. Genau so hatte ich es aufgeschrieben!
Allerdings wüsste der Leser dann auch, daß ich nun endlich all die Sachen erledigen würde, die schon immer mal vorgehabt hatte.
Oh ja! Mein neuer Zustand, völlig schmerzfrei, beweglich und unsichtbar - das wird einfach großartig!
Zuerst werde ich eine kleine Runde um die blankgeputzte Kugel des Fernsehturms drehen und mich dann ich mich Richtung Norden wenden, denn ich habe noch nie das Nordlicht gesehen.
Dann schaue ich mir Island von oben an und werde anschließend das Tiefseetauchen am Grand - Barrier - Riff ausprobieren.
Ich schaue mir die „Madame Butterfly“ an der Mailänder Scala an oder noch besser - an der MET. Alle interessanten Inszenierungen werde ich vom ersten Rang aus verfolgen. Oder... sogar vom Dirigentenpult aus.
Ich werde mir umsonst alle Kinofilme reinziehen, auch mal einen knackigen Sex-Film.
Und ich setze mich in jede halbwegs interessante Gerichtverhandlung, gleich neben den Staatsanwalt.
Dann werde ich der Aufsichtratssitzung bei Mercedes oder Siemens beiwohnen.
Oder vielleicht nehme ich mir doch lieber zuerst Bali vor und die Chinesische Mauer!
Ich werde die Weihnachtstage in den Wohnzimmern mit den größten Weihnachtsbäumen und dem leckersten Gänsebraten verbringen, bei vertrauten oder auch fremden Familien heimlich mit am Tisch sitzen.
Mit den Drachenfliegern und den großen Ballons will ich fliegen. Und dann, wenn ich alles Irdische gesehen habe, schaue ich mir an, wie sich die Erde vom Mond aus betrachten lässt, oder vom Saturn.
Aber vorher schaue ich noch schnell ganz unbemerkt bei meinen Nachbarn rein. Es hat mich schon immer interessiert, wie deren Wohnung geschnitten ist.
Na, die werden sich schön ärgern, dass sie mich nie zum Kaffee eingeladen haben, jetzt wo ich weg bin.
Oh, jetzt klingelt es. Ich mache einfach nicht auf. Geht ja auch nicht...
Und ich haue jetzt ab... sofort... endlich... ganz fix!
Und tschüss!!
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