It is the mark of a true love that one thinks of what the other person suffers. For he suffers too, is also a poor devil.
Ludwig Wittgenstein, Nachlass, MS 131 (14 August 1946)
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Ludwig Wittgenstein, Nachlass, MS 131 (14 August 1946)

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Gustav Klimt: Nachlass
Welches Vermächtnis hinterlassen wir unserer Nachwelt? Auch wenn das Thema für viele unangenehm ist, so möchten wir es nicht ausschweigen.
Was ist geschehen Am Ufer zieht leise Ein sinkender Stein Konzentrische Kreise Der Wind streift umher Auf seltsame Weise Schlägt seine Kraft Im Feld eine Schneise Nimmt noch ein Weidenkind Mit auf die Reise Vom Bachlauf am Bahndamm Ans Ende der Gleise
Swinging Mush // Solo exhibition @ Kabakon art house, Leipzig, 2019
1-channel video Maximaler Gewinn by Flaccid Knob, digital prints with sausage pattern, padded 1/2-seater (wood, textile, children's mattress, various lining materials, fringe border), carpet, planted aquarium with HAARPUNE bottle, artificial veranda planting
kindly supported by Stiftung Kunstfonds, Bonn photos by Manuel Frolik

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15. Mai 2019
Ich werde ungefragt zum digitalen Nachlassverwalter
Ich bekomme eine Facebook-Benachrichtigung. Jemand hat mich in einem Video markiert. Ich muss nun zustimmen, ob das auch in meiner Timeline gepostet werden soll. Ich sehe nach, wer mich da benachrichtigt haben soll: M., mein ehemaliger Schlagzeuger, der vor über einem Jahr verstorben ist. Offensichtlich wurde sein Account gehackt, und geschmackloserweise werden dort nun Werbevideos gepostet, die gewissermaßen eine schwache Seite an ihm verhonepipeln. Das muss nun echt nicht sein! Ich melde die Werbung erst mal als unerwünscht.
Dann nehme ich mit unserem gemeinsamen Facebookfreund J. Kontakt auf, den ich auf unserem “Requiem” im Herbst persönlich erstmalig und bislang auch letztmalig getroffen habe. Ich weiß, dass M. und J. dicke Kumpels waren. Vielleicht kennt er ja jemanden, der sich kümmern kann.
Zwischenzeitlich frage ich Google nach einer Antwort auf “Facebook Tod melden” und erreiche über diesen Link die Seite “Wie kann ich die Entfernung des Facebook-Kontos eines verstorbenen Familienangehörigen beantragen?”, auf der ich ein paar Hinweise finde. Danach müsste ich anscheinend allerlei offizielle Dokumente einreichen. Ich liege, weil es schon spät am Abend ist, bereits im Bett und mache das alles am Handy. Jetzt noch Dokumente zusammenzusuchen fällt definitiv aus. J. hat allerdings zwischenzeitlich auch nichts erreicht.
Ich klicke mich weiter zu der Seite “Wie melde ich einen verstorbenen Nutzer oder ein Facebook-Konto, das in den Gedenkzustand versetzt werden muss?”. Das klingt besser. Dort kann ich einfach ein Profil melden, das in den sog. Gedenkzustand versetzt werden soll. Ich klicke mich weiter, gebe den Profilnamen von M. ein und stutze. Huch! Das ist gar nicht sein richtiger Name. Den Nachnamen hatte er vor ein paar Jahren mal geändert, der Vorname war immer schon abgewandelt. Naja, mal sehen, wie das weitergeht. Als nächstes muss ich sein genaues Sterbedatum eingeben. Ich sehe in seinem immer noch aktiven Profil nach und finde den Tag, an dem die bestürzten Meldungen über seinen Tod beginnen.
Dann soll ich einen Nachruf oder ähnliches benennen. M. war ein angesehener Musiker, dessen Wurzeln weit in die West-Berliner Musikszene der 1980er Jahre zurückreichen. Ich erinnere mich daran, dass T., ein Beobachter der Berliner Musikszene, einen Nachruf gebloggt hat. Dort steht M.s richtiger Name. Ich kopiere den Link und füge ihn in das entsprechende Feld ein. Dann lege ich das Handy beiseite und schlafe erst mal.
Am nächsten Morgen habe ich eine Mail von Facebook in der Inbox:
Memorialize Request
Hallo Markus, Ich möchte dir mein aufrichtiges Beileid ausdrücken. Wir haben das genannte Konto wie gewünscht in den Gedenkzustand versetzt. Wenn du mehr über Konten im Gedenkzustand erfahren möchtest, besuche bitte den Hilfebereich: https://www.facebook.com/help/103897939701143/?ref=cr Ich bin in Gedanken bei dir und deiner Familie. Bitte gib mir Bescheid, falls du irgendwelche Fragen haben solltest. Mit freundlichen Grüßen Danke, dass du Facebook kontaktiert hast. Jeremy
Ich finde, das ging jetzt ziemlich super. Ich informiere noch ein paar Leute, dass ich mich gekümmert habe. Der Werbepost ist leider noch zu sehen. Mal sehen, ob man den noch durch ein paar mal Melden als unerwünschte Werbung wegbekommt. Störung der Totenruhe gibt es leider nicht als Meldegrund. Dann sende ich M. noch ein paar gute Gedanken.
Ruhe in Frieden, dicker Kumpel!
(Markus Winninghoff)
The philosopher Edmund Husserl developed a strong commitment to his Nachlass (which included about 40,000 pages of sketches) during the last years of his life, allowing his colleagues to sort and classify it. Bernet, Kern, and Marbach suggest that because Husserl had difficulty in putting his thoughts into a definitive, publishable form, he accordingly attached great importance to the survival of his notes. In fact, because Husserl was of Jewish ethnicity and died in Germany in the year 1938, his Nachlass only narrowly escaped destruction under the Nazi regime.
Alfred North Whitehead, in contrast, asked that his Nachlass be destroyed, a wish that his widow carried out. According to Lowe (1982), Whitehead “idealized youth and wanted young thinkers to develop their own ideas, not spend their best years on a Nachlass.” Gilbert Ryle likewise disapproved of scholars spending their time editing a Nachlass. According to Anthony Palmer, he “hated the Nachlass industry and thought that he had destroyed everything of his that he had not chosen to publish himself so that there would be no Ryle Nachlass.” (”One or two” papers (Palmer) did survive, however, and were published.)
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