BRĂLLWĂRFEL
Als kleiner HĂ€ndler gibt es nichts Schöneres als einmal zu verkaufen wie ein GroĂer. Den Blick fĂŒr KundenbedĂŒrfnisse hat man ja. Glaubte ich zumindest, als ich vor zwei Jahren fĂŒr die Computerzeit fĂŒnf Bluetooth-Lautsprecher einkaufte und stolz im Regal platzierte. Super Ware, praktisch und modern â aber es lag wie Blei, sieben Wochen lang wollte es niemand kaufen. âDas Ding braucht einen Namenâ, sagte mir ein Mitarbeiter, âpass auf, wir nennen den BrĂŒllwĂŒrfel!â Wir lachten, ich machte ein Foto von dem Teil, stellte es auf Facebook unter dem Namen âBickendorfer BrĂŒllwĂŒrfelâ ein und ging zum Kundentermin. Zwei Stunden spĂ€ter bekam ich einen Anruf: âWir mĂŒssen nachbestellen!â â âWie?â, war meine fassungslose Antwort, âweil einer einen gekauft hat?â â âNein, alle fĂŒnf sind weg und hier liegen noch vier Bestellungen.â Ich dachte, das sei ein Witz. Ich wurde eines Besseren belehrt.
Wir bestellten immer schneller immer mehr: 20, 50, 100, 300 StĂŒck alle paar Tage. Es gab auf Facebook eine kleine Nonsens-Serie mit BrĂŒllwĂŒrfel-Urlaubsfotos aus Florida oder Dubai, wo Kunden ihre Lautsprecher aus der StrandhĂ€ngematte oder am Hotelpool knipsten. SchlieĂlich richteten wir einen Mini-Shop auf der Website ein â nur fĂŒr drei Produkte: ein und derselbe Lautsprecher in drei Farben. Seitdem lief auch unser restlicher Shop, der jahrelang vor sich hingedĂŒmpelt war. Egal, was wir anstellten: man riss sich die Dinger förmlich aus den HĂ€nden. Irgendwann kauften wir alles. Die gesamte Produktion, die noch zu haben war. Aufgeregt rief uns der Vertreter des Herstellers aus Asien an und fragte, was wir da machten. Wir beruhigten ihn, dass wir keine Kopien bauen wollten, sondern dass wir einfach auf groĂe Nachfrage trĂ€fen.
Gut sind sie ja, die BrĂŒllwĂŒrfel. Sie gehen nie kaputt, schaffen beachtliche LautstĂ€rke und recht guten Klang. Jedes Kind kann sie bedienen. Das wollte eines Tages auch das Android Magazine testen. Die Mitarbeiter tranken nett Kaffee mit uns und machten sich dann mit ein paar Exemplaren ans Testen. Allein der Bericht mit Link zum Shop brachte uns weitere 300 VerkĂ€ufe. Zwischenzeitlich war eine Vollzeitkraft nur mit dem einen Produkt beschĂ€ftigt â wir scherzten schon, der Trend gehe zum Zweit- und DrittbrĂŒllwĂŒrfel. Als wir LieferengpĂ€sse hatten, besorgten wir Ersatz, den wir Kreischkreisel nannten. Von dem gingen aber ânurâ insgesamt 500 StĂŒck weg â das wĂ€re Wochen zuvor eine Sensation fĂŒr sich gewesen.
Der Hype ging ĂŒber ein Jahr lang. Es war vielleicht nur Zufall, aber heute wissen wir eins: als lokaler HĂ€ndler hat man eine Chance, wenn man mit einer pfiffigen Idee und lustiger Inszenierung punkten kann. Wir haben mit den Bickendorfer BrĂŒllwĂŒrfeln einem Allerweltsprodukt LokalitĂ€t und Coolness zugleich verschafft und eine kleine Story drumherum gebaut, an der man teilhaben und bei der man mitmachen konnte. So haben wir zumindest eine Zeitlang durchaus einmal gegen die GroĂen angestunken und richtig viel Umsatz gemacht. Wir machen neben Handel noch einiges mehr, etwa Reparatur, Netzwerke, Software, IT-Sicherheit. Aber wir haben die Computerzeit nicht als Marketing-Schmiede oder Lifestyle-Adresse konzipiert. Gerade deswegen haben wir aus dem Fall viel gelernt: Jeder kann dabei sein, solange er den Mut hat, einer Idee Raum zu geben, einen Rahmen zu schaffen und eine Story zu erzĂ€hlen.
- Michael Pferrer von Computerzeit












