Eigentlich will ich nicht, dass du mich „toll“ findest. Nicht, nicht weil ich dich nicht toll finde, sondern einfach Angst habe, dass du dich anders entscheidest und einfach gehst.

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@nieausgesprochen
Eigentlich will ich nicht, dass du mich „toll“ findest. Nicht, nicht weil ich dich nicht toll finde, sondern einfach Angst habe, dass du dich anders entscheidest und einfach gehst.

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Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass wir ganze Romane, Tragödien, Trash Talk, Drama und die absolut wildesten Pornos produzieren können, und das, obwohl wir uns nicht einmal privat in die Augen geschaut haben.
​Du sezierst dich vor mir, Stück für Stück, oberflächlich, aber mit Bedacht. Ich tue dasselbe. Am Ende des Tages forderst du ein Resümee, willst, dass ich meinen Tag nach positiven Dingen beurteile.
​Du fragst einen stark Suizidgefährdeten nach positiven Sachen? Ich lebe das Chaos und suche meine eigene Zerstörung, jeden verschissenen Tag. Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich suche ihn. Doch eines muss ich dir eingestehen: Du könntest mein erhofftes Ende sein.
​Deine Art, dein Wesen, deine Tiefe, das ist keine Rettung, das ist Erlösung. Legen wir auf unseren Verfall noch eine Schippe drauf. Wir kommunizieren in einer eigenen Welt, weit entfernt von gesellschaftlicher Ordnung und Etikette.
​Mir ist scheißegal, was Menschen über mich denken. Den Mantel der Verschwiegenheit habe ich mir längst übergetan und ihre Urteile mit dem Mittelfinger und einem Grinsen beantwortet.
​Aber du bist anders. Du schürst in mir keine Waldbrände, die man mit Benzin löscht. Du bist diejenige, die im Wohngebiet mit dem Flammenwerfer grinsend die Gesellschaft in Brand steckt und das in einem völlig hemmungslosen Porno.
​Du zeigst mir, dass ich verstanden werde. Und hey, du bist derjenige, der mich mit dem Benzin für den Flammenwerfer versorgt. Das sollte uns zu denken geben. Denn wir sind genau das, was die Gesellschaft, Freunde und Familie immer als „falsch“ und „krank“ bezeichnen.
​Der ultimative Upfuck der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, der Freunde, der Familie. Niemand weiß von uns. Niemand kennt unsere kleine, verdorbene Welt, in der wir uns bewegen und uns hemmungslos im Gewitter ficken.
​Aber eines solltest du wissen. Egal wie verdorben wir auch angesehen werden, es ist die schönste Welt, die ich bisher erleben durfte.
Das bleibt aber unter uns und wird nie ausgesprochen.
Nein, Scheiße, verdammt, ich bekomme dich nicht aus meinen Gedanken. Ich weiß, was du meinst, alles in sich zu betäuben, doch selbst dort ist dein Gesicht.
​Es hat kaum noch was einen Wert in meinem scheiß Hirn außer deiner schleierhaften Silhouette. Ich verstehe nicht, was du von einem Penner willst, der sein Hab und Gut ins Nichts verbrannt hat.
​Ich habe nichts und besitze nichts mehr außer meinem Leben. Alles andere habe ich abgelegt, um genau das nochmal fühlen zu müssen, was du in mir auslöst.
​Ich finde keine richtigen Worte, um das zu beschreiben. Du bist, du bist kein scheiß Wort, das man verzweifelt sucht. Du bist die scheiß Angst, wieder zu fühlen, und ja, das bist du: eine scheiß Angst, mich nochmal im Leben zu verlaufen.
​Wie es hier unten ist, will ich dir nicht erzählen, denn du bist zu tief in mir. Egal, was ich dir schreibe oder antworte, es ist nicht einmal ein Bruchteil von dem, was ich empfinde ... Du hast einen Weg hinter dir. Einen Weg, vor dem ich den Hut ziehe und der mich gleichzeitig dieses Karussell sehen lässt.
​In dieses Karussell will ich nie wieder rein. Die Menschen, die Anforderungen enttäuschten nicht nur, sie hinterließen Narben auf allem, was ich liebte. Jetzt bist du in meinen Gedanken, Träumen und Fantasien.
​Es zerfickt mich, und ich habe keine Medikamente gegen dich.
Doch das bleibt unter uns und wird nie ausgesprochen.
​In der Schule des Lebens bleibt man für immer ein Lernender. Doch vieles, was sich hier wiederholt, fühlt sich nicht nach Fortschritt an, sondern wie eine permanente, zermürbende Endlosschleife, wie die lästige, laute Werbung, die immer wieder ein eigentlich gutes Lebensdrama unterbricht.
​Man bildet sich ein, auf die große Prüfung des Lebens vorbereitet zu sein. Doch dann konfrontiert es uns mit einer Gleichung, die wir nie gelernt haben, und lässt uns gnadenlos durchfallen. Wie löst man diese eine Aufgabe: zwei geteilt durch zwei, mit dem Ziel, dass daraus etwas völlig Neues, zwei neue Leben entstehen?
​Zwei im Kopf, zwei im Sinn. Wie rechnet man diese verdammt schwere Aufgabe zu Ende? Endet sie mit zwei Gewinnern und zwei Tragödien? Oder mit vier Tragödien und überhaupt keinem Gewinner? Wie berechnet man das Leben?
​Die Antwort ist: überhaupt nicht. Egal, wie gut man in der Theorie sein mag, das Leben entzieht sich jeder Logik. Das musste ich mir vor Kurzem schmerzhaft wieder vor Augen führen. Doch mein Blick liegt eigentlich gar nicht auf dieser großen, unlösbaren Weltformel. Mir geht es um eine viel intimere, exakte Gleichung meiner selbst. Ich frage mich: Wenn ich nur eine Hälfte bin und mein Gegenüber ebenfalls nur eine Hälfte ist, ergeben wir dann zusammen ein Ganzes? Oder sind wir in Wahrheit zwei eigenständige Ganze, deren bloße Summe das eigentliche Ergebnis ist?
​Manchmal fühle ich mich wie eine perforierte Seite in einem Matheheft. Eine Seite, die man lieblos ausreißt und wegwirft, weil die Rechnung darauf von Anfang an falsch war. Am liebsten wäre es mir, man würde mich einfach sauber heraustrennen, zerknüllen und im Ofen verbrenneny bevor mich jemand liest, der mich ohnehin nicht versteht.
​Der tröstliche Gedanke, dass zwei beschädigte Menschen gemeinsam eine heile Welt erschaffen könnten, ist oft stärker als der bittere Bruch der Realität. Aber die Mathematik des Lebens ist grausam: Manchmal geht die Rechnung einfach nicht auf, und vier Halbe dürfen nicht als zwei Ganze existieren. Die Wirklichkeit und die Mathematik sind zwei unkalkulierbare Mächte, die sich nicht an gerechte Regeln halten. Und so leben zwei von uns nur zum Schein, während sie sich im Alltag permanent neue Masken aufsetzen, um nicht aufzufallen. Zwei von uns leben, während zwei innerlich tot sind. Oder müssen erst zwei sterben, damit die anderen zwei endlich anfangen können zu leben?
​Müssen wir erst sterben, um wirklich zu leben?
Aber das bleibt unter uns. Das wird nie ausgesprochen.
Ich habe in den Therapien gelernt, die Ellbogen auszufahren. „Denk an dich“, haben sie gesagt. „Nimm dir deinen Raum.“ Jetzt stehe ich hier, bereit, diesen Schritt zu gehen und starre fassungslos auf den unbezahlbaren Preis, den ich dafür zahlen soll.
​Es gab keinen Plan, keine Absicht, nicht einmal ein leises Kokettieren mit dem Chaos. Und doch trat dieser fremde Mensch in mein Leben und riss mein mühsam betoniertes Fundament mit einer einzigen Bewegung ein. Er hat etwas in mir freigelegt, das ich vor Ewigkeiten tief in mir vergraben, zubetoniert und für tot erklärt hatte.
​Es ist eine surreale, fast beängstigende Wucht, die über mich hereinbricht. Ungebeten. Ungewollt. Und doch absolut unaufhaltsam.
​In den Therapiesitzungen saß ich meistens nur meine Zeit ab,stumm, innerlich weit weg, völlig „out of tune“. Ich hatte keine Nerven für das theoretische Gerede, während in mir der Sturm tobte. Meine Rüstung war mein Meisterwerk, über Jahre hinweg millimetergenau maßgeschneidert, eine zweite Haut aus kaltem Stahl. Sie hielt jedem Schlag stand, blockte jeden Schmerz ab, funktionierte perfekt. Aber auf diesen einen Angriff war sie nicht vorbereitet. Denn dieser Mensch kam nicht mit roher Gewalt. Er hat nicht versucht, meine Rüstung zu zertrümmern.... dieser Mensch hat einfach nur ganz leise den Verschluss geöffnet.
​Jetzt stehe ich im brutalsten Spagat meines Lebens. Auf der einen Seite dieser Mensch, der mich mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit aus meinem Panzer schält. Auf der anderen Seite der Mensch, für den ich meine Rüstung noch dicker, noch undurchdringlicher machen muss, um das Geheimnis zu wahren.
​Der eine weckt das schmerzhaft lebendige Flackern in mir. Er rüttelt an Sehnsüchten, die wehtun, entfacht ein hungriges Verlangen, eine wilde Begierde, und blickt so tief in meine Seele, dass es mich schaudert. Niemand hat mich je so nackt gesehen.
​Ich fühle mich vor diesem Fremden völlig schutzlos, absolut preisgegeben. Da ist kein Blatt, kein Schatten, hinter dem ich mich noch verstecken könnte.
​Doch was ist daran eigentlich falsch?
​Es ist die Bindung. Die Loyalität. Der Partner, der zu Hause wartet.
Der Preis dafür, endlich wieder Atem in den Lungen zu spüren, ist ein Flächenbrand. Er legt ganze Welten in Schutt und Asche. Und der Preis zu bleiben? Der verbrennt mich selbst bei lebendigem Leib von innen heraus. Was ist das eigene Leben wert, wenn man das Glück eines anderen Menschen dafür opfern, vielleicht gänzlich vernichten muss?
​Jeder Schritt auf dieser Rasierklinge ist ein Tanz mit dem Abgrund. Ein einziger Fehltritt, und die Narben werden hässlich, tief und dauerhaft sein. Wenn die wichtigste Lektion meines Lebens sein sollte, endlich an mich selbst zu denken, warum fühlt sich die Umsetzung dann plötzlich an wie ein Verbrechen?
​Ist Selbstfürsorge ein Preisschild, das meine Existenz ruiniert, oder ist es der einzige Weg zurück ins echte Leben? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Denn das Leben lässt sich nicht kalkulieren, sein einziger Wert liegt im mutigen, oft schmerzvollen Akt des Lebendigseins.
​Ich zermartere mir den Kopf, suche verzweifelt nach einem Ausweg, und drehe mich doch nur im Kreis: Was richte ich mit diesem Feuer in meinem Herzen bei meinem Partner an? Und warum frage ich mich das, statt mich endlich zu fragen: Wie fange ich an zu leben?
​Ist es nicht die reinste Tragödie, ein sterbendes Leben weiterzuspielen, während da draußen jemand existiert, der wie ein Spiegel meiner wahrsten Seele wirkt?
​Sind wir verdammt dazu, uns für das Glück der anderen aufzuopfern? Ist unser eigenes Dasein am Ende doch nur zweitrangig, wenn der Preis für ein Stück echtes Leben zu hoch ist?
​Aber diese Fragen atme ich nur lautlos aus.
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Was nie ausgesprochen wird
​Was ein einziger Kommentar anrichten kann, ist mir schmerzhaft bewusst. Während der Staatsschutz mich scannt, mich im Visier hat und mir Hochverrat an Bund und Staat vorwirft, während sie mich einen „Staatsfeind“ nennen, weil ich den öffentlichen Frieden gestört haben soll, lächle ich nur müde. Denn die wahre Erschütterung, die eigentliche Bedrohung für meine mühsam errichtete Ordnung, kam von einer ganz anderen Seite. Sie kam leise, scharf wie eine Klinge, und traf mich an einer Stelle, an der ich völlig schutzlos war.
​Ein ganz normaler Kommentar unter einer Frage. Eine Antwort, die wie ein chirurgischer Schnitt eine tief vergrabene, fast vergessene Wunde in mir aufriss.
​Über Jahre hinweg hatte ich die Kunst perfektioniert, Menschen auf Distanz zu halten. Stein für Stein hatte ich meine Festung hochgezogen, das Zement mit meinen eigenen Enttäuschungen gehärtet, um nie wieder angreifbar zu sein. Ich war sicher in meiner Einsamkeit. Doch in dieser kilometerhohen Mauer gab es einen winzigen, unsichtbaren Riss, einen toten Winkel, den ich selbst übersehen hatte, weil von dort noch nie jemand eingedrungen war. Bis jetzt.
​Aus den ersten flüchtigen Worten entstand eine Vertrautheit, die sich nicht langsam herantastete, sondern sich wie ein gieriges, heißes Feuer in mein Inneres fraß. Es war ein Gefühl, das ich aus einer längst vergrabenen Vergangenheit kannte , einer Vergangenheit, die nur noch aus Narben besteht. Wie tief darf man einen Fremden in sich hineinlassen, bevor man sich selbst darin verliert?
​Was innerhalb weniger Tage geschah, entzieht sich jeder Logik. Es fühlt sich beängstigend gut an, auch wenn jede vernünftige Grenze längst im Staub liegt. Da ist ein Mensch in mein Leben getreten, der nicht einmal klopfen musste. Er hat einfach durch die Lücke in meinem Bollwerk hindurchgesehen und mich erkannt.
​Ein Mensch mit einer seelischen Tiefe, von der ich fest überzeugt war, ich sei der einzige Überlebende auf dieser Welt, der sie in sich trägt. Unsere Worte wurden zu Atemzügen. Die Kommunikation wurde so intensiv, dass wir beide davor erschraken. Und als die Sehnsucht die Regie übernahm, kollabierte jede Vernunft.
​Wir sind beide in einer Partnerschaft. Ich weiß, was die Welt dazu sagen würde. Ich weiß, dass ich für diese verbotene Nähe nirgendwo Gehör, geschweige denn Verständnis oder Zuspruch finden werde. Aber seit dieser erste Funke übergesprungen ist, hat sich die Realität um mich herum aufgelöst. Die Welt ist unscharf geworden, ein verrauschtes Hintergrundgeräusch. Mein Tagesablauf hat sich verschoben, mein Fokus hat sich völlig verschoben.
​Ich weiß, dass ich zu weit gehe. Ich weiß, dass es moralisch nicht okay ist. Aber wer führt eigentlich das Regiment über mein Dasein? Wer maßt sich an, über mein Leben zu urteilen? Wer, wenn nicht ich selbst? Ich kenne die kalten Blicke und die Verurteilungen der Scheinheiligen bereits. Doch wer diese alles verzehrende Tiefe nicht selbst gefühlt hat, wer diesen Abgrund nicht selbst geschaut hat, der hat kein Recht zu richten.
​Wenn ein Mensch, den man erst seit ein paar Wimpernschlägen kennt, den man noch nie berührt oder vor sich gesehen hat, so ein Erdbeben in dir auslösen kann, dann soll mir jeder erst einmal beweisen, dass er in diesem Sturm die Hände in den Schoß gelegt hätte.
​Ich hatte diese Tiefe tief im Fundament meiner Mauern einbetoniert. Ich wollte sie nie wieder spüren, weil sie wehtut. Doch dieser Mensch weckt Gefühle und Sehnsüchte, die zwar denselben Ursprung haben wie damals, sich aber völlig anders anfühlen. Heller. Reiner. Schmerzhafter.
​Soll ich mich darin verlieren? Dieser Mensch besetzt 90 Prozent meines Tages. Ein Wesen, das denkt wie ich und doch mein absolutes Spiegelbild im Gegenteil ist. Jemand, der nie geplant war, den ich wegen meiner alten Wunden eigentlich sofort hätte abwehren müssen und der mir nun näher ist als meine eigene Haut. Allein der Gedanke an ihn reißt mich in Tiefen, die ich für immer versiegelt glaubte.
​Wenn man mir vorschreiben will, wie ich zu atmen habe, und mir Grenzen zieht, die mich nur ersticken, dann reiße ich diese Mauern lieber eigenhändig nieder. Ich will mein Leben spüren. Ich will fühlen, genießen, brennen, weit außerhalb dessen, was die gesellschaftliche Etikette erlaubt.
​Alles, was ich im Moment empfinde, ist die nackte, pulsierende Wahrheit des Lebens. Eine Sehnsucht, für die es keine Worte gibt. Ein wildes Verlangen zu sein, auch wenn es im Urteil der anderen als "verdorben" gilt. Mein echtes, gefühltes Leben ist mir tausendmal wichtiger als die sterile Scheinheiligkeit, die ich bisher aufrechterhalten habe.
​Aber das bleibt unser Geheimnis. Das wird nie ausgesprochen.