Mein Nervensystem ist am zusammenbrechen
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Mein Nervensystem ist am zusammenbrechen

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Und irgendwann bist du einfach nur noch still. Viel zu müde von diesem ständigen Reden ohne Veränderung.
wie ziehe ich deine Aufmerksamkeit auf mich und über mich wie eine warme Decke an einem regnerischen Tag? Ich will ihr Gewicht auf mir spüren. Und deinen Körper. Wie finde ich den Weg in deine Träume?
„Ich will das Licht, das du im Dunkeln siehst, Und dass du mich nicht mehr vergisst“
Edwin Rosen - leichter/kälter
Ich habe in den Therapien gelernt, die Ellbogen auszufahren. „Denk an dich“, haben sie gesagt. „Nimm dir deinen Raum.“ Jetzt stehe ich hier, bereit, diesen Schritt zu gehen und starre fassungslos auf den unbezahlbaren Preis, den ich dafür zahlen soll.
Es gab keinen Plan, keine Absicht, nicht einmal ein leises Kokettieren mit dem Chaos. Und doch trat dieser fremde Mensch in mein Leben und riss mein mühsam betoniertes Fundament mit einer einzigen Bewegung ein. Er hat etwas in mir freigelegt, das ich vor Ewigkeiten tief in mir vergraben, zubetoniert und für tot erklärt hatte.
Es ist eine surreale, fast beängstigende Wucht, die über mich hereinbricht. Ungebeten. Ungewollt. Und doch absolut unaufhaltsam.
In den Therapiesitzungen saß ich meistens nur meine Zeit ab,stumm, innerlich weit weg, völlig „out of tune“. Ich hatte keine Nerven für das theoretische Gerede, während in mir der Sturm tobte. Meine Rüstung war mein Meisterwerk, über Jahre hinweg millimetergenau maßgeschneidert, eine zweite Haut aus kaltem Stahl. Sie hielt jedem Schlag stand, blockte jeden Schmerz ab, funktionierte perfekt. Aber auf diesen einen Angriff war sie nicht vorbereitet. Denn dieser Mensch kam nicht mit roher Gewalt. Er hat nicht versucht, meine Rüstung zu zertrümmern.... dieser Mensch hat einfach nur ganz leise den Verschluss geöffnet.
Jetzt stehe ich im brutalsten Spagat meines Lebens. Auf der einen Seite dieser Mensch, der mich mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit aus meinem Panzer schält. Auf der anderen Seite der Mensch, für den ich meine Rüstung noch dicker, noch undurchdringlicher machen muss, um das Geheimnis zu wahren.
Der eine weckt das schmerzhaft lebendige Flackern in mir. Er rüttelt an Sehnsüchten, die wehtun, entfacht ein hungriges Verlangen, eine wilde Begierde, und blickt so tief in meine Seele, dass es mich schaudert. Niemand hat mich je so nackt gesehen.
Ich fühle mich vor diesem Fremden völlig schutzlos, absolut preisgegeben. Da ist kein Blatt, kein Schatten, hinter dem ich mich noch verstecken könnte.
Doch was ist daran eigentlich falsch?
Es ist die Bindung. Die Loyalität. Der Partner, der zu Hause wartet.
Der Preis dafür, endlich wieder Atem in den Lungen zu spüren, ist ein Flächenbrand. Er legt ganze Welten in Schutt und Asche. Und der Preis zu bleiben? Der verbrennt mich selbst bei lebendigem Leib von innen heraus. Was ist das eigene Leben wert, wenn man das Glück eines anderen Menschen dafür opfern, vielleicht gänzlich vernichten muss?
Jeder Schritt auf dieser Rasierklinge ist ein Tanz mit dem Abgrund. Ein einziger Fehltritt, und die Narben werden hässlich, tief und dauerhaft sein. Wenn die wichtigste Lektion meines Lebens sein sollte, endlich an mich selbst zu denken, warum fühlt sich die Umsetzung dann plötzlich an wie ein Verbrechen?
Ist Selbstfürsorge ein Preisschild, das meine Existenz ruiniert, oder ist es der einzige Weg zurück ins echte Leben? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Denn das Leben lässt sich nicht kalkulieren, sein einziger Wert liegt im mutigen, oft schmerzvollen Akt des Lebendigseins.
Ich zermartere mir den Kopf, suche verzweifelt nach einem Ausweg, und drehe mich doch nur im Kreis: Was richte ich mit diesem Feuer in meinem Herzen bei meinem Partner an? Und warum frage ich mich das, statt mich endlich zu fragen: Wie fange ich an zu leben?
Ist es nicht die reinste Tragödie, ein sterbendes Leben weiterzuspielen, während da draußen jemand existiert, der wie ein Spiegel meiner wahrsten Seele wirkt?
Sind wir verdammt dazu, uns für das Glück der anderen aufzuopfern? Ist unser eigenes Dasein am Ende doch nur zweitrangig, wenn der Preis für ein Stück echtes Leben zu hoch ist?
Aber diese Fragen atme ich nur lautlos aus.
Das bleibt aber unter uns und wird nie ausgesprochen.

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Warum tauchen in mir diese merkwürdigen Dürste auf? Der Regen und die Sterne, diese kalte und dichte Mischung hat mich aufgeweckt, hat die Tore zu meinem grünen und finsteren Wald geöffnet, diesem nach Abgrund riechenden Wald, wo Wasser fließt. Und hat ihn mit der Nacht vereint.
Clarice Lispector: "Nahe dem wilden Herzen", S.84
Gefangen zwischen dem Verlangen nach Liebe und der Furcht davor.