In der Schule des Lebens bleibt man für immer ein Lernender. Doch vieles, was sich hier wiederholt, fühlt sich nicht nach Fortschritt an, sondern wie eine permanente, zermürbende Endlosschleife, wie die lästige, laute Werbung, die immer wieder ein eigentlich gutes Lebensdrama unterbricht.
Man bildet sich ein, auf die große Prüfung des Lebens vorbereitet zu sein. Doch dann konfrontiert es uns mit einer Gleichung, die wir nie gelernt haben, und lässt uns gnadenlos durchfallen. Wie löst man diese eine Aufgabe: zwei geteilt durch zwei, mit dem Ziel, dass daraus etwas völlig Neues, zwei neue Leben entstehen?
Zwei im Kopf, zwei im Sinn. Wie rechnet man diese verdammt schwere Aufgabe zu Ende? Endet sie mit zwei Gewinnern und zwei Tragödien? Oder mit vier Tragödien und überhaupt keinem Gewinner? Wie berechnet man das Leben?
Die Antwort ist: überhaupt nicht. Egal, wie gut man in der Theorie sein mag, das Leben entzieht sich jeder Logik. Das musste ich mir vor Kurzem schmerzhaft wieder vor Augen führen. Doch mein Blick liegt eigentlich gar nicht auf dieser großen, unlösbaren Weltformel. Mir geht es um eine viel intimere, exakte Gleichung meiner selbst. Ich frage mich: Wenn ich nur eine Hälfte bin und mein Gegenüber ebenfalls nur eine Hälfte ist, ergeben wir dann zusammen ein Ganzes? Oder sind wir in Wahrheit zwei eigenständige Ganze, deren bloße Summe das eigentliche Ergebnis ist?
Manchmal fühle ich mich wie eine perforierte Seite in einem Matheheft. Eine Seite, die man lieblos ausreißt und wegwirft, weil die Rechnung darauf von Anfang an falsch war. Am liebsten wäre es mir, man würde mich einfach sauber heraustrennen, zerknüllen und im Ofen verbrenneny bevor mich jemand liest, der mich ohnehin nicht versteht.
Der tröstliche Gedanke, dass zwei beschädigte Menschen gemeinsam eine heile Welt erschaffen könnten, ist oft stärker als der bittere Bruch der Realität. Aber die Mathematik des Lebens ist grausam: Manchmal geht die Rechnung einfach nicht auf, und vier Halbe dürfen nicht als zwei Ganze existieren. Die Wirklichkeit und die Mathematik sind zwei unkalkulierbare Mächte, die sich nicht an gerechte Regeln halten. Und so leben zwei von uns nur zum Schein, während sie sich im Alltag permanent neue Masken aufsetzen, um nicht aufzufallen. Zwei von uns leben, während zwei innerlich tot sind. Oder müssen erst zwei sterben, damit die anderen zwei endlich anfangen können zu leben?
Müssen wir erst sterben, um wirklich zu leben?
Aber das bleibt unter uns. Das wird nie ausgesprochen.














