Papst Stephan VI. ließ 896/897 gegen einer seiner Vorgänger, Papst Formosus, einen Prozess führen. Er selbst hatte dabei den Vorsitz inne.
Allerdings war Formosus zu diesem Zeitpunkt schon seit 9 Monaten tot und begraben. Halb verwest wurde er aus seinem Grab gezerrt, in seine Pontifikalgewänder gesteckt und auf den Apostolischen Stuhl gesetzt, wo ihm dann der Prozess gemacht wurde.
Drei Tage lang dauerte es, bis das Urteil fiel. Angeblich habe er nach Höherem gestrebt, außerdem warf man ihm neben Eidbruch auch noch den Wechsel des Bischofssitzes (trotz Translationsverbot) vor. Interessanterweise hatte auch Stephan VI., der einst von Formosus zum Bischof geweiht worden war, die Translation in persona durchgeführt.
Man sprach Formosus schuldig, annullierte seine Weihen, seine Entscheidungen - und man verfluchte ihn. Auch schändete man den Leichnam, indem man die Schwurfinger abtrennte und den leblosen Körper durch die Straßen Roms zog.
Nun gibt es tatsächlich Leute, die glauben, so etwas sei im Mittelalter (zumal im frühen!) völlig normal gewesen und habe doch durchaus der gängigen Praxis entsprochen.
Nein. Die sogenannte Leichensynode (in der englischen Forschung auch cadaver-synod, lat. synodus horrenda) ist in der Geschichte des Papsttums vermutlich einzigartig und wurde schon zeitnah stark kritisiert und scharf verurteilt.