Eben diese am Antisemitismus gescheiterte Emanzipation [der Jüdinnen und Juden] in den bürgerlichen Staat nötigt dem Zionismus auf, dass ihm eigene Spannungsverhältnis zwischen Universalismus und Partikularismus in praktischer Hinsicht zumindest so lange partikularistisch zu lösen, bis die den Antisemitismus immer wieder hervorbringende Herrschaft von Wertgesetz und abstrakter Arbeit revolutionär abgeschafft ist.
Hamburger Studienbibliothek: Die partikulare Notwendigkeit
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Wenn, wie ich glauben möchte, die Krise der Moderne oder der berühmte 'Untergang des Abendlandes' wesentlich darin bestehen, daß in der Neuzeit die römische Dreieinigkeit von Autorität - Tradition - Religion als eine Dreieinigkeit untergegangen und dadurch das spezifische römische Fundament westlicher Politik ins Wanken geraten ist, dann könnten die Revolutionen der letzten Jahrhunderte wie ein gigantischer Versuch erscheinen, mit den Mitteln der Tradition selbst den gerissenen Faden der Tradition wieder neu zu knüpfen, durch das Legen neuer Grundlagen das zu wiederholen, was für so lange Jahrhunderte dem gesamten politischen Bereich sein eigentümliches Pathos und seine eigentümliche Größe gegeben hat.
Kein Mensch kann wissen, ob dieser Weg uns heute noch offen steht. Dagegen spricht die brutale Tatsache, daß alle Revolutionen unseres Jahrhunderts schlecht geendet haben; auch dort, wo sie nicht direkt in die totalitäre Herrschaft führten, haben sie doch zumindest ausgesprochen tyrannische politische Körper entstehen lassen. Von dem Aufkommen einer neuen Autorität, die als politische sich im öffentlichen Raum zu beweisen hätte und allgemein als gültig anerkannt werden müßte, zeigt sich mir wenigstens nirgends eine Spur. Immerhin darf man in diesem Zusammenhang nicht übersehen, daß es am Beginn der modernen Welt und mitten in der Neuzeit auch eine erfolgreiche Revolution gegeben hat, die amerikanische Revolution, in der charakteristischerweise die 'Founding Fathers' (...) mit Hilfe einer Konstitution einen durchaus neuen politischen Körper gegründet haben, der bisher wenigstens standgehalten hat, und dies obwohl die spezifische Modernität der modernen Welt sich in allen nichtpolitischen Bereichen kaum irgendwo so radikal äußert wie gerade in den Vereinigten Staaten.
Arendt, Hannah (1957). Was ist Autorität? In dies.: Fragwürdige Traditionsbestände im politischen Denken der Gegenwart. S. 167. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt.
Welche Bedeutung hat der Universalismus für die Demokratie?
Der Universalismus spielt eine wichtige Rolle in der Demokratie, da er die Idee verkörpert, dass alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Ethnie oder sozialen Status gleiche Rechte und Chancen haben sollten. Hier sind einige Aspekte, wie der Universalismus die Demokratie beeinflusst:
Gleichheit: Universalismus fördert die Gleichheit vor dem Gesetz und die Gleichheit der Bürger, was eine grundlegende Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie ist.
Menschenrechte: Der Universalismus unterstreicht die universellen Menschenrechte, die für alle gelten. In einer Demokratie ist der Schutz dieser Rechte entscheidend, um individuelle Freiheiten und die Würde jedes Einzelnen zu gewährleisten.
Partizipation: Universalistische Ansätze fördern die aktive Teilnahme aller Bürgerinnen und Bürger am politischen Prozess, was für die Legitimität und die Repräsentativität einer Demokratie wichtig ist.
Soziale Gerechtigkeit: Der Universalismus kann dazu beitragen, soziale Ungleichheiten abzubauen und eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Macht zu fördern, was die Stabilität und das Vertrauen in demokratische Institutionen stärkt.
Globale Verantwortung: In einer zunehmend globalisierten Welt ermutigt der Universalismus die Demokratien, über nationale Grenzen hinaus zu denken und sich für globale Gerechtigkeit und Zusammenarbeit einzusetzen.
Insgesamt trägt der Universalismus dazu bei, eine inklusive und gerechte Gesellschaft zu fördern, die für die Funktionsweise einer Demokratie unerlässlich ist. Wenn Sie mehr über verwandte Themen erfahren möchten, lassen Sie es mich wissen!
Hier gibt es eine vertiefende Beschreibung der Bedeutung des Universalismus für die Demokratie.
Der Kunstbegriff eröffnet also mindestens zwei Möglichkeiten: Als transzendentaler Begriff schafft Kunst das Phantasma der Zuständigkeit der Kunstgeschichte für Kunst weltweit, was dazu führen kann, einen allgemeingültigen Kunstbegriff auf der Basis von selektiven Kriterien oder anthropologisch-naturalisierten Faktoren zu formulieren, der nicht zuletzt ökonomisch durchgesetzt wird. Gleichzeitig eröffnet eine solche Universalie aber auch eine Reklamierbarkeit für die unterschiedlichsten Praktiken, die genau einen solchen Einheitsbegriff unterminieren. Gerade die Reklamierung von einer Kategorie führt dazu, dass eine Homogenisierung zu einer Kategorie unmöglich wird.
Leeb, Susanne (2017). Weltkunstgeschichte und Universalismusbegriffe: 1900/2010. kritische berichte - Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften, Bd. 40, Nr. 2 (2012): kritische berichte. doi:10.11588/KB.2012.2.40176 S. 13-25, S. 23
„Was wir wollen, was wir brauchen, ist nicht nur das Geld, von dem wir leben können, sondern in erster Linie etwas, für das wir leben können – etwas, was unserem Leben Sinn gibt! Es gibt also nicht nur einen Hunger nach Brot, sondern auch einen Hunger nach Sinn! Und das wird auch im Wohlfahrtsstaat zuwenig berücksichtigt! Auch im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit. Die seelische Not des Arbeitslosen wird kaum berücksichtigt. (…) Die Depression hängt nicht allein davon ab, ob da einer arbeitslos ist oder nicht, sondern eher davon, ob er sein Leben sinnlos hält oder nicht. (…) Die Sinnorientierung ist nicht nur lebenswichtig, sondern überlebens-wichtig! (…) In jedem Menschen steckt das alte und ewige metaphysische Bedürfnis, sich Rechenschaft abzulegen über den Sinn des Daseins.“ Viktor E. Frankl Hinter diesem Gedanken Viktor Frankls steckt eine Vorstellung, ein Bild vom Menschen, ein Menschenbild. Welches Bild wir vom Menschen haben ist entscheidend in der Begegnung mit anderen Menschen uns mir uns selbst. Welches Bild vom Menschen habt ihr? Schonmal drüber nachgedacht? #Logotherapie @ilopp #Menschenbild #Universalismus #Sinn #sinnfindung #Würde #Dimensionalontologie #nachdenken #selberdenken (hier: Baden-Württemberg, Germany) https://www.instagram.com/p/Cjx0aU7Ks7k/?igshid=NGJjMDIxMWI=
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Universalismus - Ansprüche, Probleme und Potentiale
Kerner, Ina. 2017. Arch+, Nr. 230.
09
Ist unser eurozentrischer Universalismus wirklich Rational und Allgemeingültig?
Es existieren genug Einwände, die die universalistischen Prinzipien, die tief in der westlichen Denktradition verankert sind, nicht unhinterfragt belassen sollten.
Zu den Denkschulen, die derartige Einwände ausgearbeitet haben, gehört die dekoloniale Theorietradition aus Lateinamerika - und damit eine Tradition, die von der Annahme geleitet ist, dass Formen und Muster kolonialer Macht in den vielfältigsten Sphären fortwirken [...] Sei es in Wissenschft, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik usw. auf der ganzen Welt.
[...] das heißt mit der Durchsetzung der europäischen Kultur als hegemonialem Modell auch außerhalb Europas, nichts sei weniger rational als der Anspruch, dass die Kosmovision einer partikularen Ethnie, in diesem Falle der westeuropäischen, als universale Rationalität verstanden werden solle; denn dabei würde ein Provinzialismus als Universalismus ausgegeben
Laut Walter Mignolo existiert eine Komplizenschaft zwischen der Moderne und Rationalität
Der europäische Kolonialismus ging Mignolo zufolge mit der Missachtung und weitgehenden Zurückdrängung nicht-europäischer Kosmologien, Denk- und Normsysteme einher.
Ein eurozentrischer Universalismus bedeutet folglich die “Reproduktion kolonialer Logiken”
Ziel dieses Unterfangens [der Dekolonialisierung von Wissenschaft] ist ein dekolonialer Umsturz, der pluriversale statt universale Lebenshorizonte eröffnet [...]
Nach Mignolo erscheint der Universalismus allein schon wegen seines allgemeinen Anspruchs bei gleichzeitiger Verschleierung seiner unweigerlichen provinziellen Herkunft problematisch - also aufgrund seiner Struktur, die grundsätzlich, und damit unabhängig von möglichen Inhalten, kolonial sei.
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Magnollo nutzt den Begriff “Transmoderne” von Enrique Dussel. Transmoderne bedeutet: Die positiven Dinge der Moderne nutzen, aber die unterschiedlichen Kriterien aus anderen Kulturen mitprüfen und dikutieren. Damit ensteht ein authentishcer pluraler Dialog.
Die Lösung für universelle Probleme erwachsen nicht aus eurozentrischen Kulturen, so Dussel. Nach ihm ist das Ideal eines Weltdiskurses ein transmodernes Pluriversum mit vielfältiger Universalität
Die Auswirkungen von eurozentrischer Zukunftsvisionen ist zu einem die Reproduktion von Kolonialismus, zum anderen die Einebnung von Differenzen unter dem Vorwand eines vermeintlich universellen Rationalismus, der nichts anderes bedeutet als ökonomische oder administrative Profiterhöhung.
McDonaldisierung der ganzen Welt.
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Laut Jullien ist das Universelle kein ökonomischer Begriff. Universalismus ist eine maximal rationale Vorschrift, die Allgemeingültigkeit besitzt. Hier als Beispiel die Erklärung der Menschenrecht. Der Gegensatz zu Universelle ist das Konkrete, wie bei dem genauen umsetzen von Fastfood-Franchise Regeln.
Das Problem des westlichen Universalismus ist, dass er exklusiv für den weißen männlichen Menschen ist, der als Autor auch diesen Begriff und Normen definiert. Obwohl er einen Geltungsanspruch an alle Menschen einfordert. Er schließt alle nicht Autoren aus dem Diskurs aus. Der Weiße Mann stellt Spielregeln auf und sagt sie seien Universell. Damit immunisiert er sich nicht nur vor Kritik sondern verhindert auch einen Diskurs über die Definition.
Diese Widersprüchlichkeit des westlichen Universalismus führt nicht zu seiner Ablehnung sondern ihn anhand seiner eigenen Forderungen zu verbessern.
Das bedeutet ihn von seiner eurozentrischen Perspektive zu befreien.
Nach Laclau besitzt das Universelle keine aus sich selbst definierbare konkreten Vorschriften [im Gegensatz zu Jullien], sondern ist ein sich ausdehnender Begriff, der nach und nach durch aufeinander aufbauender Forderungen definiert wird.
Anders als der Universalismus versteht sich die transmoderne Pluriversalität als klar multikulturell.
Beide sind sich einig, dass der jetzige Universalismus seinen eigenen Ansprüchen kaum gerecht wird , wenn er sich als fertig (monadisch) und nicht kritisierbar sieht. Es muss eine Dezentrierung, also weg von der provinziellen eurozentrischen Sicht, hin zu einem pluralen Diskurs aller Kulturen vorgenommen werden.
Eine kritische Beanspruchung, Infragestellung und steten Erweiterung muss immanent für den Universalismus sein!
"Egal ob Transpersonen, Muslime oder Frauen: Politik im Namen einer benachteiligten Gruppen zu machen, gilt als fortschrittlich. Dabei ist Identitätspolitik ein Kind der Gegenaufklärung."
Eine wahrhaft allgemeine Duldung wird am sichersten erreicht, wenn man das Besondere der einzelnen Menschen und Völkerschaften auf sich beruhen läßt, bei der Überzeugung jedoch festhält, daß das wahrhaft Verdienstliche sich dadurch auszeichnet, daß es der ganzen Menschheit angehört.