Joseph Stalin Museum in Gori ( Georgia )Â

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DIE BARBAREI DER ARBEIT
By  Achim Szepanski
"Je mehr die (objektive) Notwendigkeit der Arbeit sich nicht mehr darstellen lĂ€sst, desto mehr wird die Arbeit im Zuge ihrer universellen PrĂ€senz heroisiert oder genossen, und dies geht so weit, dass sogar die Arbeitslosen und Kinder von der Arbeit besessen sind, insofern kein Zweifel aufkommt, dass man seine Arbeitskraft zur Sicherung des Lebensunterhaltes vermieten muss. Mit der UbiquitĂ€t einer Propaganda der Arbeit kommt es zur Kolonialisierung der Wochenenden, der spĂ€ten Abende, ja sogar der TrĂ€ume, bis die Bediensteten als sog. Human Capital nicht nur einen Job haben oder einen Job performen, sondern der Job selbst sind, wobei derlei Ăbereinstimmung von Job und Ego mit einem Genussakt zusammenfĂ€llt, was sich dem von GĂŒnther Anders als »Totalitarismus der Lust« bezeichneten Zustand annĂ€hert, der dann eintritt, wenn eben sĂ€mtliche AktivitĂ€ten inklusive der »Arbeit« einen Anstrich von Genussakten erhalten."
Und GĂŒnther Anders schreibt: »Wahrhaftig, angst und bange kann einem werden, wenn man es sich klarmacht, daĂ auch jetzt, in diesem Moment, Hunderte von Millionen mit solcher Gymnastik beschĂ€ftigt sind, und daĂ diese Hunderte von Millionen sogar noch dankbar dafĂŒr sind, daĂ es ihnen, im Unterschied zu Millionen weniger GlĂŒcklichen: den Arbeitslosen, noch vergönnt ist, diese Gymnastik zu treiben; und daĂ sie verbissen das Recht auf diese Gymnastik als politisches Grundrecht proklamieren, in der Tat proklamieren mĂŒssen, weil sie ohne derart nichtige Gymnastik im Nichts stehen, oder â aber dieses âșTunâč ist nur eine VerbrĂ€mung von Nichtstun â vor dem Bildschirm sitzen wĂŒrden; und weil sie gezwungen wĂ€ren sich tĂ€glich durch den sich immer neu vor ihnen aufstauenden Zeitbrei durchzufressen.«Und ganz Ă€hnlich schreiben Tiqqun: »Was MAN heute Arbeit nennt, bewertete MAN gestern als Freizeit â âșVideospiel-Testerâč werden dafĂŒr bezahlt, den ganzen Tag lang zu spielen, âșKĂŒnstlerâč dafĂŒr, die Clowns der Ăffentlichkeit zu sein; eine wachsende Masse von UnfĂ€higen, die MAN Psychoanalytiker, Kartenleger, Coaches oder nur Psychologen nennt, werden fett dafĂŒr bezahlt sich das Lamento der anderen anzuhören âŠÂ«
Photo by Eric BĂ©nier-BĂŒrckel
Pressemitteilung, Darmstadt, 5. September 2017 Das PEN-Zentrum Deutschland fordert die Leitung sowie die Studierenden der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf dazu auf, sich mit allem Nachdruck fĂŒr den Erhalt des Gedichts âAvenidasâ des Lyrik-PreistrĂ€gers der Hochschule, Eugen Gomringer, an der SĂŒdfassade der Hochschule und damit fĂŒr die Freiheit des dichterischen Wortes einzusetz ...
âWirklich skandalös an diesem barbarischen Schwachsinn eines AStA ist: Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin ist eine Fachhochschule mit den Schwerpunkten Erziehung und Bildung, d.h. diese KulturstĂŒrmer werden einst den Nachwuchs ausbildenâ, so der EhrenprĂ€sident des deutschen PEN, Christoph Hein. âUwe Bettig, der Rektor der Alice-Salomon-Hochschule Berlin, hĂ€lt das Gedicht und die Anbringung auf der Fassade zwar fĂŒr ein gelungenes Kunstwerk, will aber âdie kritischen Stimmen der Studierenden ernst nehmen und diesen Rechnung tragenâ. Herr Bettig hat als Rektor einer Hochschule fĂŒr Erziehung und Bildung einen gesellschaftlichen Auftrag: Er hat den Studierenden etwas von Erziehung und Bildung zu vermitteln und nicht deren unerzogene Unbildung zu respektieren. Er hat die Erzieher von morgen auszubilden und nicht deren Kultur- und Bildungsferne ernst zu nehmen und gar ihr zu folgen.â

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Das Beisammensein von LeichtglĂ€ubigkeit und Zynismus war charakteristisch fĂŒr die MobmentalitĂ€t, bevor es eine alltĂ€gliche Erscheinung moderner Massen wurde. In beiden FĂ€llen entstand diese Mischung dort, wo Menschen in einer stĂ€ndig wechselnden und immer unverstĂ€ndlicheren Welt sich darauf eingerichtet hatten, jederzeit jegliches und gar nichts zu glauben, ĂŒberzeugt, dass schlechterdings alles möglich sei und nichts wahr. Das Beisammensein von LeichtglĂ€ubigkeit und Zynismus war an sich merkwĂŒrdig genug, denn es bedeutete das Ende jener Illusion, derzufolge LeichtglĂ€ubigkeit das Zeichen primitiver âungebildeterâ Menschen, wĂ€hrend Zynismus das Laster souverĂ€ner und raffinierter Geister ist. Diesem Vorurteil macht die Massenpropaganda insofern ein Ende, als sie mit auĂerordentlichem Erfolg ein Publikum voraussetzt, dass jederzeit bereit ist, leichtglĂ€ubig alles hinzunehmen, und sei es noch so unwahrscheinlich, und es doch nicht im mindesten verĂŒbelt, wenn der Betrug sich herausstellt, weil es offenbar jede Aussage ohnehin fĂŒr eine LĂŒge hĂ€lt. TotalitĂ€re FĂŒhrer haben ihre gesamte Propaganda auf die psychologisch richtige Annahme gegrĂŒndet, daĂ dieselben Menschen heute dazu gebracht werden können, die unglaublichtsten MĂ€rchen zu akzeptieren, und morgen, wenn sie sich von der Unrichtigkeit der MĂ€rchen ĂŒberzeugt haben sollten, dazu gebracht werden können, zynisch zu behaupten, sie hĂ€tten LĂŒgen von vorherein durchschaut und seien stolz darauf, FĂŒhrer zu haben, die so souverĂ€n Leute an der Nase herumzufĂŒhren verstĂŒnden.
Arendt, Hannah (2005). Elemente und UrsprĂŒnge totaler Herrschaft. S. 802. MĂŒnchen: Piper.
Wenn, wie ich glauben möchte, die Krise der Moderne oder der berĂŒhmte 'Untergang des Abendlandes' wesentlich darin bestehen, daĂ in der Neuzeit die römische Dreieinigkeit von AutoritĂ€t - Tradition - Religion als eine Dreieinigkeit untergegangen und dadurch das spezifische römische Fundament westlicher Politik ins Wanken geraten ist, dann könnten die Revolutionen der letzten Jahrhunderte wie ein gigantischer Versuch erscheinen, mit den Mitteln der Tradition selbst den gerissenen Faden der Tradition wieder neu zu knĂŒpfen, durch das Legen neuer Grundlagen das zu wiederholen, was fĂŒr so lange Jahrhunderte dem gesamten politischen Bereich sein eigentĂŒmliches Pathos und seine eigentĂŒmliche GröĂe gegeben hat. Kein Mensch kann wissen, ob dieser Weg uns heute noch offen steht. Dagegen spricht die brutale Tatsache, daĂ alle Revolutionen unseres Jahrhunderts schlecht geendet haben; auch dort, wo sie nicht direkt in die totalitĂ€re Herrschaft fĂŒhrten, haben sie doch zumindest ausgesprochen tyrannische politische Körper entstehen lassen. Von dem Aufkommen einer neuen AutoritĂ€t, die als politische sich im öffentlichen Raum zu beweisen hĂ€tte und allgemein als gĂŒltig anerkannt werden mĂŒĂte, zeigt sich mir wenigstens nirgends eine Spur. Immerhin darf man in diesem Zusammenhang nicht ĂŒbersehen, daĂ es am Beginn der modernen Welt und mitten in der Neuzeit auch eine erfolgreiche Revolution gegeben hat, die amerikanische Revolution, in der charakteristischerweise die 'Founding Fathers' (...) mit Hilfe einer Konstitution einen durchaus neuen politischen Körper gegrĂŒndet haben, der bisher wenigstens standgehalten hat, und dies obwohl die spezifische ModernitĂ€t der modernen Welt sich in allen nichtpolitischen Bereichen kaum irgendwo so radikal Ă€uĂert wie gerade in den Vereinigten Staaten.
Arendt, Hannah (1957). Was ist AutoritĂ€t? In dies.: FragwĂŒrdige TraditionsbestĂ€nde im politischen Denken der Gegenwart. S. 167. Frankfurt am Main: EuropĂ€ische Verlagsanstalt.
Das eiserne Band des Terrors, mit dem der totalitĂ€re Herrschaftsapparat die von ihm organisierten Massen in die entfesselte Bewegung reiĂt, erscheint so als letzter Halt und die 'eiskalte Logik', mit der totalitĂ€re Gewalthaber ihre AnhĂ€nger auf das Ărgste vorbereiten, als das einzige, worauf wenigstens noch Verlass ist. Vergleicht man diese Praxis mit der Praxis der Tyrannei, so ist es, als sei das Mittel gefunden worden, die WĂŒste selbst in Bewegung zu setzen, den Sandsturm loszulassen, dass er sich auf alle Teile der bewohnten Erde legt. Die Bedingungen, unter denen wir uns heute im politischen Feld bewegen, stehen unter der Bedrohung dieser verwĂŒstenden SandstĂŒrme. (...) Ihre Gefahr ist, dass sie die uns bekannte Welt, die ĂŒberall an ein Ende geraten scheint, zu verwĂŒsten droht, bevor wir Zeit gehabt haben, aus diesem Ende einen neuen Anfang erstehen zu sehen, der an sich in jedem Ende liegt, ja, der das eigentliche Versprechen des Endes an uns ist.
Arendt, Hannah (2005). Elemente und UrsprĂŒnge totaler Herrschaft. S. 978. MĂŒnchen: Piper.