Ich habe âDas kleine Etymologicumâ von Kristin Kopf gelesen.
Das Buch ist 2014 erschienen und Kristin Kopf nimmt ihre Leserschaft darin auf eine Reise durch die Geschichte der deutschen Sprache mit. Es geht um Sprachgeschichte, Wortverwandtschaften und Mechanismen des Sprachwandels.
Die Aufmacher fĂŒr diese Erkundungen sind dabei oft Beobachtungen im heutigen Deutschen (und anderen Sprachen). Was haben Berhard, Bussard und Bastard gemein? Klingen das deutsche âZaunâ und das englische âtownâ nur zufĂ€llig so Ă€hnlich? Wenn âElternâ mit âaltâ verwandt ist, warum wird es dann mit <E> geschrieben? Manchmal ist der Ansatz aber auch entgegengesetzt: In welchen Wörtern steckt ĂŒberall die Zahl 2? Wie genau ist das Deutsche mit Lateinischen verwandt? Woher kommen Farbbezeichnungen?
Das Ganze ist sehr verstĂ€ndlich und anschaulich beschrieben, fĂŒr die Fachbegriffe gibt es ĂŒbersichtliche Infoboxen. Obwohl das Buch sich teils an komplexe historische PhĂ€nomene heranwagt, geschieht das immer ohne Jargon und anhand vieler Beispiele.
Der Aufbau des Etymologicums ist, wie Kopf schon im Vorwort schreibt, âmĂ€anderndâ. Es gibt Oberkapitel mit je mehreren kurzen Unterkapiteln zu einem Thema, zum Beispiel âWie Wörter ausbleichen: Bombenstimmung auf der Riesenpartyâ mit Unterkapiteln zu âsehrâ, âbombensicherâ und âtopâ. Die Anordnung der Oberkapitel folgt aber keine bestimmten Reihenfolge. Da an geeigneten Stellen immer darauf verwiesen wird, wo ein Thema am ausfĂŒhrlichsten beschrieben wird, kann man die Kapitel sicher auch in einer anderen Reihenfolge lesen. So fehlt ein wenig der Spannungsbogen ĂŒber das gesamte Buch hinweg.
Innerhalb der einzelnen Teilkapitel ging es mir manchmal etwas zu sprunghaft zu. Da kann es schon einmal von einer Etymologie zur nĂ€chsten gehen, obwohl das Thema eigentlich war, wie das PrĂ€teritum entstanden ist. Das kann aber natĂŒrlich auch seinen Reiz haben, wenn das Kapitel sich teils etwas assoziativ entfaltet. Die ErklĂ€rung fĂŒr den Aufbau ist leicht gefunden: Viele der Kapitel basieren auf Blogposts, die Kristin Kopf fĂŒr das Sprachlog, einen der gröĂten deutschen Sprachblogs, geschrieben hat (der allerdings seit ein paar Jahren ruht).Â
Apropos Blog: Ich fand echt gruselig, wie viele der Themen, die Kopf hier behandelt, ich selbst schon fĂŒr meinen Blog (derzwiebel.wordpress.com) zu Posts verarbeitet habe. Als hĂ€tte ich nicht selbst die Ideen fĂŒr meine Posts, sondern es gĂ€be nur eine begrenzte Anzahl von sprachgeschichtlichen Blogthemen eignen! Gerade erst letzten Dienstag habe ich einen Post ĂŒber Verbpaare wie âliegenâ und âlegenâ veröffentlicht - bei Kopf findet sich das in Kapitel 12. Oh Mann...
Zu Beginn des Buchs arbeitet Kopf viel mit einer Fluss-Metapher: die deutsche Sprachgeschichte als Fluss, auf dem wir uns in der Sprachgeschichte zurĂŒckblickend immer weiter der Quelle nĂ€hern. Abzweigungen des Flusses sind verwandte Sprachen oder Sprachzweige, ab und an ergeben sich Stromschnellen, Verengungen etc. Das wurde mir nach ein paar Kapiteln zu viel, aber ungefĂ€hr ab der HĂ€lfte des Buchs kommen FlĂŒsse dann auch nicht mehr vor.
Ich habe deutlich gemerkt, dass ich einfach nicht wirklich zur Zielgruppe des kleinen Etymologicums gehöre. Die Prozesse kannte ich alle, ich fand es auch nicht so schön, als Leserin direkt (und dann auch noch mit âSieâ) angesprochen zu werden. Viele der Etmologien und Verwandtschaften waren mir auch schon klar, aber ich habe auch noch einiges gelernt. Wenn ich das Buch direkt bei Erscheinen gelesen hĂ€tte, als ich gerade im zweiten Mastersemester war, hĂ€tte es mir sicher noch wesentlich besser gefallen. Als Abiturientin oder Bachelorstudentin im niedrigen Semester hĂ€tte ich es sicher begeistert verschlungen. So habe ich es vor allem interessiert gelesen, um zu sehen, wie Kopf die PhĂ€nomene laiengerecht darstellt.
Ich kann âDas kleine Etymologicumâ definitiv empfehlen. Es eignet sich vor allem fĂŒr Leute mit Interesse an Sprachwissenschaft, Sprachenlernen und Sprache im Allgemeinen. Sollte es heutzutage noch Menschen geben, die die BĂŒcher von Bastian Sick mögen - denen kann man auf jeden Fall besser dieses Buch schenken. Hier gibt es keine elitĂ€re StĂ€nkerei, sondern unterhaltsame Fun Facts und Sprachgeschichtsbeschreibungen.



















