15. Januar 2018
Unscharfe EindrĂĽcke aus der Logistikbranche
Ich vertrete das Techniktagebuch bei einer Führung durch den DHL Hub Leipzig. Sonst darf man hier bei Besucherführungen nicht fotografieren, aber es handelt sich um eine spezielle Social-Media-Angelegenheit und wir dürfen. Die Führung findet nachts statt, weil das Frachtgeschäft nachts abgewickelt wird. Das weiß auch Google Maps:
Zwischen elf und ein Uhr nachts landen hier ĂĽber sechzig Frachtflugzeuge, und morgens sind alle wieder weg.
Die Berichterstattung über die kilometerlangen Sortieranlagen bereitet mir jetzt allerdings Probleme. Erstens hat so ein Frachtflughafen außer für die dort Beschäftigten wenig mit Alltagstechnik zu tun. Aber gut, hier wurde auch schon über die Lineale der NASA berichtet, über slowenische CP/M-Computer, Pegelansagegeräte und chilenische Riesenteleskope, da kommt es auf ein paar Kilometer Sortieranlagen nicht an. Zweitens braucht Technikbetrachtung Zeit und davon hat man zu wenig, wenn man in drei Stunden ein Flughafengelände von der Größe eines Flughafengeländes besichtigt.
Drittens sind – bedingt durch Dunkelheit, Eile, Inkompetenz und Handygeiz – alle meine Fotos unscharf, unansehnlich und unverständlich. Es ist nicht mehr wie früher, als Social-Media-Influencer noch ein ordentlicher Handwerksberuf war. Heute darf das jeder Narr:
Da ist es auch nicht mehr so schlimm, dass man bestimmte Dinge nicht mal bei einer Fotografierführung fotografieren darf – vermutlich hätte man auf meinen Bildern ohnehin nur eine Eule am Horizont oder das Innere meiner Jackentasche erkannt.
Unfotografierter Gegenstand 1: Ein Handvenenscanner an der Sicherheitskontrolle, die alle Mitarbeiter und Besucher beim Betreten des Gebäudes durchlaufen müssen. In der Wikipedia gibt es ein Bild davon. Mitarbeiter müssen sich mit einer RFID-Karte und dem zusätzlichen Handscan identifizieren. Für Gäste reicht das übliche Flughafenprozedere: man legt alles ab, die Sachen werden geröntgt, und obwohl man das Kleingeld wirklich nicht in den Hosentaschen vergessen hat, piepst es trotzdem und man muss zur Nachkontrolle.
Unfotografierter Gegenstand 2 ist in Wirklichkeit ein fotografierter Gegenstand, aber im gleichen Moment erfuhr ich, dass man ihn nicht fotografieren darf. Deshalb sage ich nur, dass die Röntgenkontrolle der Pakete ganz oder teilweise automatisch passiert und durch eine Anlage erledigt wird, die ihren Ursprung wohl in einem anderen Zweig des Flughafengeschäfts hat, denn auf ihrem Display ist viel von Bags die Rede.
Den Unfotografierten Gegenstand 3 hätte ich zwar fotografieren dürfen, nur war er an der Hand von Mitarbeitern befestigt, die man wiederum nicht fotografieren sollte: Beim Einsortieren der Pakete in die Frachtcontainer scannen die Mitarbeiter den Barcode der Sendungen mit einem Scanner, den sie am Fingerrücken tragen. So sieht das bei UPS aus, bei DHL war es ähnlich.
Aber es ist nicht so, als gäbe es gar keine Bilder von der fortschrittlichen Frachtflughafentechnik! Hier ist ein Milchautomat an der Shuttlebus-Haltestelle (der helle Fleck im Hintergrund):
(Kathrin Passig)















