Schöner preppen, billiger preppen
Der groĂe Stromausfall im Berliner SĂŒdwesten zu Beginn dieses Jahres zeigt nicht nur, wie verwundbar eine deutsche GroĂstadt bei Störung ihrer kritischen Infrastruktur ist. Sondern ebenso, wie verwundbar viele StĂ€dtebewohner sind, wenn diese Infrastruktur nicht funktioniert.
Kein Licht, weil ja kein Strom. Keine Info, weil ohne Strom kein Internet. Und keine Kommunikation, weil ohne Strom kein WhatsApp. Von nix zu essen und keinem heiĂen Tee ganz zu schweigen: FĂŒr viele Berliner (und das dĂŒrfte in anderen StĂ€dten genauso sein) funktioniert schlicht nichts, weil es bei ihnen nichts gibt, was ohne Strom aus der Steckdose funktioniert. Entsprechende Vorsorge, heiĂt es entschuldigend bis wĂŒtend in den Debatten in den sozialen Netzwerken, sei schlicht nicht drin. Kein Geld oder kein Platz. Oder gleich beides.
Das muss ja nicht sein. Deshalb eine kleine Anleitung zum billigen, platzsparenden Vorbereiten. Nix groĂes, nix aufwĂ€ndiges, nix teures, und auch nur ein kleines Starterpack. Wenn wieder der Strom wegbleibt:
Wir fangen mal an mit dem einfachsten Hilfsmittel in dunklen Tagen: Einem Paket Teelichter. Im groĂen schwedischen Möbelhaus gibt es das Hunderterpack fĂŒr fĂŒnf Euro; und jedes einzelne Teelicht soll bis zu vier Stunden lang brennen. Damit lĂ€sst sich schon ein Raum halbwegs beleuchten, keiner muss im Dunkeln sitzen. Vorsorglich gehört dazu natĂŒrlich auch ein - vielleicht sogar vorsorglich: 2 - Einwegfeuerzeug. Oder, noch billiger, eine Schachtel Streichhölzer. GroĂzĂŒgig gerechnet: sieben Euro, wenig Platzbedarf.
Wichtig ebenso: Trinkwasser, wenn es nicht mehr aus dem Hahn kommt. Beim Discounter gibt's Plastikflaschen mit 1,5 Litern stillem Wasser fĂŒr 29 Cent; fĂŒr 2,90 Euro also 15 Liter (fairerweise dazu gesagt: auch 2,50 Euro Pfand, aber die bekommt man ja zurĂŒck). Bei extremer Auslegung der Empfehlungen des Bundesamtes fĂŒr Bevölkerungsschutz, die mit mindestens 1,5 Litern pro Person und Tag rechnen: Trinkwasser fĂŒr zehn Tage.
Ok, diese beiden dringendsten BedĂŒrfnisse sind auch bei einem Blackout erfĂŒllt, was ist denn an Technik nötig? Zuerst vermutlich eine Lampe, denn mit Teelichtern mag man nicht so gerne durch die - dunkle - Gegend laufen. Decathlon, der französische Outdoor-Discounter, hat Stirnlampen ab ca 6 Euro im Angebot (natĂŒrlich auch teurere). Die fĂŒr die Billig-Lampe nötigen AAA-Batterien gibt's wiederum beim Discounter, der Zehnerpack fĂŒr 1,59 Euro. Wieder grob gerechnet: FĂŒr sieben Euro ist mobiles Licht da, fĂŒr einige Tage.
Zur hilfreichen Technik gehören auch Information und Kommunikation. Das InformationsbedĂŒrfnis lĂ€sst sich am leichtesten ... nein, nicht via WhatsApp, sondern mit einem Radio befriedigen. Und die billigsten Radios, die auch mit Batterien funktionieren, habe die beiden groĂen Elektronik-Ketten fĂŒr 25 Euro im Angebot. Das sind sogar Radios, die sowohl UKW als auch den digitalen Radiostandard DAB+ an Bord haben. Und fĂŒr die nötigen Batterien, die das GerĂ€t beim Blackout am Laufen halten, sorgt erneut der Discounter, diesmal mit AA-Batterien, ebenfalls im Zehnerpack fĂŒr 1,59 Euro: FĂŒr 27 Euro sind die Nachrichten gesichert.
Wer darauf Wert legt, das Mobiltelefon möglichst weiterbenutzen und damit auch kommunizieren zu können, wird um eine Powerbank nicht herumkommen. Da gibt es etliches fĂŒr unter 30 Euro auf dem Markt. Ein Stromspeicher mit der - wenn auch etwas irrefĂŒhrenden - Angabe 10.000 mAh sollte es schon sein, um das Smartphone zwei Mal oder mehr wieder voll zu bekommen.
Und die immer wieder empfohlenen VorrĂ€te fĂŒrs Ăberleben, zumindest einige Tage? Da gibt es ausgefeilte Empfehlungen, aber wer ĂŒber Platzmangel klagt, legt sich einfach ein oder zwei 500-Gramm-Packungen Couscous hin. Die gibt's zum Beispiel, sogar in BioqualitĂ€t, bei einer groĂen Drogeriemarktkette fĂŒr 1,25 Euro die Packung. Der Vorteil: Couscous wird zwar in der Regel mit kochendem Wasser angesetzt - kann aber auch mit kaltem Wasser genutzt werden, wenn kein Kocher (s. unten) vorhanden ist. Und mit einer Dose gehackter Tomaten, beim Discounter fĂŒr 65 Cent (oder 75 Cent in BioqualitĂ€t) zu bekommen, schmeckt das auch ein bisschen besser. Ein Kilogramm Couscous, vier kleine Dosen Tomaten schlagen so mit 5,10 Euro zu Buche - und ernĂ€hren eine Person ein paar Tage.
NatĂŒrlich ist warmes Essen nicht nur angenehmer, sondern auch eine psychische StĂŒtze in dunklen und kalten Tagen. Genauso ist ein heiĂer Kaffee oder Tee fĂŒr viele wichtig. Und dafĂŒr muss auch bei einem Stromausfall kein High-Tech-Campingkocher sein. Die billigste Variante: aus einer alten Dose (vielleicht von den Tomaten) selber einen Spirituskocher bauen â dafĂŒr gibt es zahlreiche Anleitungen im Internet, zum Beispiel hier.
Den nötigen Brennstoff gibt's dann auch im Drogeriemarkt, den Liter fĂŒr knapp vier Euro (bisweilen auch kleinere Flaschen fĂŒr entsprechend weniger Geld). NatĂŒrlich gilt fĂŒr so einen Brenner erst recht, was schon oben fĂŒr die Teelichter gilt: groĂe Vorsicht mit offenem Feuer, und nie, nie, nie Kerzen, Teelichter oder einen Kocher auf eine brennbare FlĂ€che stellen. Sonst hat man noch ganz andere Probleme als nur einen Stromausfall.
FĂŒr die Nicht-Selberbauer gibt es auch billige Varianten â Camping-Gaskocher fĂŒr um die 15 Euro. Oder gĂŒnstiger einen Esbit-Taschenkocher. Der hat auch noch den Vorteil, dass der Brennstoff viel besser gelagert werden kann und Temperatur-unempfindlich ist.
Unterm Strich, die Billig-Variante fĂŒr Prepper:
Teelichter und Feuerzeug, 7 Euro.
15 Liter Trinkwasser, lagerfÀhig, 2,90 Euro.
Notfallvorrat Couscous und Tomaten, 5,10 Euro.
Notfallkocher selbstgebaut, mit Spiritus, 4 Euro.
(alternativ: Esbit-Taschenkocher, ca 10 Euro)
Stirnlampe mit Reservebatterien, 7,59 Euro.
Notfallradio mit Reservebatterien, 26,59 Euro.
Powerbank fĂŒrs Handy, ca 30 Euro.
Was davon finanzierbar ist, weiĂ jeder selbst am besten.