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Going to be busy for a while, so hope you don't mind the chibi sketch to tide you over.
Wenn wir uns an unsere alte Lebensweise klammern, werden wir ganz sicher in einer neuen Barbarei landen.
Slavoj Zizek: “Unordnung im Himmel”, S.53
DIE BARBAREI DER ARBEIT
By Achim Szepanski
"Je mehr die (objektive) Notwendigkeit der Arbeit sich nicht mehr darstellen lässt, desto mehr wird die Arbeit im Zuge ihrer universellen Präsenz heroisiert oder genossen, und dies geht so weit, dass sogar die Arbeitslosen und Kinder von der Arbeit besessen sind, insofern kein Zweifel aufkommt, dass man seine Arbeitskraft zur Sicherung des Lebensunterhaltes vermieten muss. Mit der Ubiquität einer Propaganda der Arbeit kommt es zur Kolonialisierung der Wochenenden, der späten Abende, ja sogar der Träume, bis die Bediensteten als sog. Human Capital nicht nur einen Job haben oder einen Job performen, sondern der Job selbst sind, wobei derlei Übereinstimmung von Job und Ego mit einem Genussakt zusammenfällt, was sich dem von Günther Anders als »Totalitarismus der Lust« bezeichneten Zustand annähert, der dann eintritt, wenn eben sämtliche Aktivitäten inklusive der »Arbeit« einen Anstrich von Genussakten erhalten."
Und Günther Anders schreibt: »Wahrhaftig, angst und bange kann einem werden, wenn man es sich klarmacht, daß auch jetzt, in diesem Moment, Hunderte von Millionen mit solcher Gymnastik beschäftigt sind, und daß diese Hunderte von Millionen sogar noch dankbar dafür sind, daß es ihnen, im Unterschied zu Millionen weniger Glücklichen: den Arbeitslosen, noch vergönnt ist, diese Gymnastik zu treiben; und daß sie verbissen das Recht auf diese Gymnastik als politisches Grundrecht proklamieren, in der Tat proklamieren müssen, weil sie ohne derart nichtige Gymnastik im Nichts stehen, oder – aber dieses ›Tun‹ ist nur eine Verbrämung von Nichtstun – vor dem Bildschirm sitzen würden; und weil sie gezwungen wären sich täglich durch den sich immer neu vor ihnen aufstauenden Zeitbrei durchzufressen.«Und ganz ähnlich schreiben Tiqqun: »Was MAN heute Arbeit nennt, bewertete MAN gestern als Freizeit – ›Videospiel-Tester‹ werden dafür bezahlt, den ganzen Tag lang zu spielen, ›Künstler‹ dafür, die Clowns der Öffentlichkeit zu sein; eine wachsende Masse von Unfähigen, die MAN Psychoanalytiker, Kartenleger, Coaches oder nur Psychologen nennt, werden fett dafür bezahlt sich das Lamento der anderen anzuhören …«
So wie die Religionskritik Voraussetzung jeder Kritik ist, so ist der Fortgang der Dialektik von Zivilisation und Barbarei die Möglichkeitsbedingung der Revolution – erst recht seit dem Bekanntwerden des Verschwindens des revolutionären Subjekts. Die Alternative der Revolution, die losgelassene Barbarei, die tatsächlich, wenn auch unterschwellig, Deutschland mit den Islamisten verbindet, wäre die praktisch vollzogene Negation jeder Kritik, der Verrat jeder Hoffnung, daß Selbsterhaltung doch noch einmal unter dem Primat der freien Assoziation, und nicht dem Zwang des nackten Überleben-Müssens stehen könnte.
Manfred Dahlmann

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Becker: Vielleicht darf ich einmal eine ganz präzise Frage stellen: Neulich hat ein Politiker geäußert, die Vorfälle bei den Straßenauseinandersetzungen in Bremen um die Tariferhöhung der Verkehrsmittel seien ein Beweis für das Versagen der politischen Bildung, denn die Jugend habe in barbarischen Formen gegen eine öffentliche Maßnahme Stellung genommen, über deren Richtigkeit man verschiedener Ansicht sein könnte, die man aber nicht mit solchen, sagen wir mal ruhig barbarischen Demolierungen beantworten könnte. Adorno: Ich halte die Äußerungen, die sie zitieren, für eine abscheuliche Form von Demagogie. Wenn das Verhalten der Gymnasiasten in Bremen etwas beweist, dann gerade, daß bei ihnen der politische Unterricht doch nicht so erfolglos war, wie man immer behauptet; das heißt, daß diese Menschen die Spontaneität nicht sich haben austreiben lassen, daß sie nicht zu willfährigen Instrumenten einer nun einmal bestehenden Ordnung geworden sind. Die heute drohende Form der Barbarei ist gerade die, daß im Namen von Ordnung, im Namen von Autorität, im Namen etablierter Mächte eben Akte begangen werden, die ihrer eigenen Gestalt nach die Ungeformtheit, den Zerstörungstrieb und das verstümmelte Wesen der meisten Menschen bekunden. Becker: Wir müssen uns aber einmal in die Situation junger Menschen hineinzuversetzen versuchen. Woher erhalten sie die Kriterien, zu entscheiden, was barbarisch ist? In der Diskussion über die Gewaltlosigkeit wird heute oft zwischen der Gewalt gegen Menschen und gegen Dinge unterschieden. Es wird unterschieden zwischen der Gewalt, die angewandt wird, und der, die nur angedroht ist, es wird von Gewaltlosigkeit bei an sich unerlaubten Handlungen gesprochen. Es wird sozusagen eine Eskalation der wirklichen oder angeblichen Gewaltlosigkeit entwickelt, und es wird hieran von vielen Menschen in unserem Lande die Frage der Barbarei geprüft. Wenn ich sie richtig verstehe, scheint es Ihnen bei der Barbarei eigentlich um etwas anderes zu gehen. Die Gewalt kann ein Symptom der Barbarei sein, sie braucht es aber nicht in jedem Fall zu sein. In Wirklichkeit geht es Ihnen um etwas anderes, und das ist, glaube ich, noch nicht deutlich. Adorno: Ja, es ist hier vielleicht doch gut, obwohl ich mich dagegen sträube, Barbarei zu definieren. Mein Verdacht ist, daß Barbarei überall dort vorliegt, wo ein Rückfall in primitive physische Gewalt stattfindet, ohne daß er in einer durchsichtigen Beziehung zu vernünftigen Zwecken der Gesellschaft steht, wo also die Identifikation mit dem Ausbruch physischer Gewalt gegeben ist. Während Gewalt dort, wo sie in einem transparenten Zusammenhang zu der Herbeiführung menschenwürdigerer Zustände auch in ganz eingeengten Situationen führt, nicht ohne weiteres als Barbarei verurteilt werden kann. Becker: Sie würden also z.B. sagen, wenn ich das richtig verstehe, Barbarei ist nicht die aufgrund rationaler Erwägungen durchgeführte, selbst die Grenzen der Legalität verletzende Demonstration von Jugendlichen oder auch Erwachsenen. Barbarei ist vielmehr das sachlich nicht notwendige überstarke Eingreifen von Polizei in solchem Falle. Adorno: Das würde ich allerdings meinen. Wenn man die Vorgänge, die sich heute bei den rebellierenden Studenten abspielen, ein bißchen aus der Nähe kennt, dann wird man finden können, daß es sich hier keineswegs um primitive Ausbrüche von Gewalt handelt, sondern im allgemeinen um politisch reflektierte Verhaltensweisen. Ob diese Reflexion im einzelnen richtig oder nicht richtig ist, das brauchen wir im Augenblick gar nicht zu diskutieren. Aber es ist nicht so, daß es sich dabei um ein ungeformtes, unmittelbar aggressives Bewusstsein handelt. Was geschieht, versteht sich selber zumindest im Dienst von Humanität. Ich glaube, wenn man einmal dabeigewesen ist, wie etwa auf einem Sportplatz eine fremde Mannschaft, wenn sie siegt, beleidigt und niedergebrüllt wird, oder wenn man erlebt, wie irgendwelche angeblich guten Bürger über Studenten herfallen, wenn auch nur mit Worten, dann kann man gerade an diesen heute so aktuellen Phänomenen den Unterschied dessen, was Barbarei ist und was nicht Barbarei ist, doch sehr drastisch wahrnehmen.
Theodor W. Adorno: Erziehung zur Entbarbarisierung (1968), in: ders. (1971): Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt/M.: 123 ff.
In vielen antirassistischen Kreisen ist es verpönt, Demokratie und Freiheitsrechte zu verteidigen. Überhaupt gehört es zum guten Ton, sich einem Pessimismus hinzugeben, der für reale Menschenrechte nur mehr ein zynisches Lächeln übrighat. Oder schlimmer: wenn im Namen des Kampfes gegen den weißen Imperialismus (natürlich nur des westlichen) kultureller Respekt vor Barbareien wie der weiblichen Genitalverstümmelung verlangt wird. Die Mischung aus ideologischen Grundsatzkämpfen und den Fragen nach Identität bringt statt Vernunft Ungeheuer hervor. Kulturrelativismus ist, wenn Menschen meinen, dass es den Weißen nicht zustehe, voraufklärerische Praktiken in der Migrationsgesellschaft zu kritisieren statt zu respektieren. Und dass solche Praktiken eben zur Identität einer Gruppe gehörten. Eine solche Haltung ist nicht respektvoll, sondern rassistisch. Was in aller Welt ist so kompliziert daran, universalistisch zu denken? Die Freiheit, in der Demokratie über die eigene Identität selbst entscheiden zu können und so erwachsen zu werden, wie man es eben vermag, ist ein großartiges Verdienst der Aufklärung
Kahane, Anetta: Identität und Ideologie.
Ok, I might have a thing for Barbatos too...