Gewalt fängt nicht erst mit Zuschlagen an
Bei aller Liebe für den Diskurs, der in den letzten Tagen hier über Spatort stattfindet und bei aller Freude darüber, dass hier diskutiert wird (und das auch kontrovers! Unterschiedliche Meinungen sind super!), muss ich eine Sache einfach mal in den Raum stellen:
Gewalt fängt nicht erst mit Zuschlagen an.
Was Esther Katja da im letzten Flashback antut, ist Gewalt.
Katja sagt ganz klar, dass sie gehen möchte, aber Esther hindert sie daran. Sie packt sie an den Schultern, schüttelt sie und stößt sie dann zu Boden
Dazu schreit sie sie an ("Guck mich an, wenn du mit mir redest! Du guckst mich jetzt an!").
Sie setzt sich rittlings auf Katja und hält sie fest. Sie nimmt ihr jede Möglichkeit, zu gehen, hält ihr erst eine, dann beide Hände fest und sitzt mit erhobenem Stein über ihr.
Vom zu Boden schubsen bis zu dem Moment, in dem Esther von Katja ablässt, vergehen zwanzig Sekunden. Zwanzig.
Das ist kein Streit, das ist eine gewalttätige Situation, die fast eskaliert wäre.
Esther entscheidet sich nicht gegen Gewalt. Sie entscheidet sich, nicht zuzuschlagen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Sie tut Katja trotzdem Gewalt an und ich fände es wirklich wunderbar, wenn wir als Fandom das nicht verharmlosen würden, bloß weil wir die Figur mögen und verteidigen wollen.
Und ich sag das nicht, weil ich Esther nicht mag. Adam ist in DfL ebenfalls gewalttätig. Die Szene mit Aytac in EdN, in der er ihm nach der Verfolgung Handschellen anlegt, passiert offscreen, aber so wie Adam sich vorher benommen hat, ist sie auch bedenklich. Leo geht Adam in HdW körperlich an, und gerade bei Adams vergangenen Erfahrungen mit körperlicher Gewalt überschreitet auch das die Grenze.
Man kann das anerkennen und eine Figur trotzdem mögen. Man kann darüber diskutieren, was das für die Figur bedeutet, wo das herkommt und wo es hinführen könnte.
Aber es ist und bleibt Gewalt, weil Gewalt fängt nicht erst in dem Moment an, in dem jemand zuschlägt.













