How to behave as a men (at night)
Eine Google-Suche zu âFrauen Sicherheit nachtsâ ergab viele Artikel und Tipps fĂŒr Frauen und MĂ€dchen, wie sie sich Nachts verhalten sollten, um nicht Opfer von ĂberfĂ€llen zu werden. Ăberschriften wie âLiebe MĂ€nner begleitet uns bitte Nachts wieder nach Hause!â oder âAngstfrei als MĂ€dchen alleine unterwegsâ beinhalten gefĂŒhlt immer wieder die gleichen Tipps und verfolgen das gleiche Schema: Reproduzieren ein Bild von SchwĂ€che und schreiben Frauen*MĂ€dchen eine Opferrolle zu. Insgesamt finde ich Tipps, wie mehr Selbstvertrauen und selbstsichere Ausstrahlung total super, aber wenn wir alle selbstsicher wĂ€ren und uns behaupten könnten dann brĂ€uchten wir diese Tipps nicht! Bzw. gĂ€be es kein ĂŒbergriffiges Verhalten, keine ĂberfĂ€lle, sexuellen BelĂ€stigungen, Vergewaltigungen dann wĂ€ren all diese Tipps hinfĂ€llig, ĂŒnnotig und kein Mensch brĂ€uchte ein Heimwegtelefon.
Meine zweite Google-Suche zu âMĂ€nner Sicherheit nachtsâ ergab diverses Zeug allerdings kein Verhaltenskodex fĂŒr MĂ€nner die sich nachts im öffentlichen Raum bewegen... You see da problem? I do!
Daher kam mir die Idee eines Verhaltenskodex fĂŒr cis MĂ€nner, die sich nachts allein oder als Gruppe im öffentlichen Raum aufhalten.
At first: DonÂŽt touch, donÂŽt harass, donÂŽt be a rapist!
Leider ist diese SelbstverstĂ€ndlichkeit noch nicht bei jedem Menschen angekommen, deshalb muss ich es hier in aller Deutlichkeit erwĂ€hnen: Ich*Wir will*wollen nicht angegrapscht, sexuell belĂ€stigt, bedrĂ€ngt und*oder vergewaltigt werden. Auch nicht wenn wir ne Shorts oder einen Mini-Rock tragen. Oder wir betrunken sind. Nö! Ist eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen. Hast du unser EinverstĂ€ndnis nicht (Fragen hilft da durchaus und ich meine jetzt nicht âHey, darf ich dich vergewaltigen?â) dann kannst du deine HĂ€nde, Finger, Lippen und Worte gefĂ€lligst bei dir lassen. Und wenn wir Nein! sagen oder Hör auf!, dann meinen wir das auch so! Ne, das is jetz kein Spielchen: Ich tue jetz nich unnahbar und will doch. Das bedeutet einfach mal nicht âvielleichtâ oder âdoch ja, Baby gibs mirâ! Ich und meine Freund*innen haben viel zu viele Erfahrungen gemacht, in denen wir im Club beim Vorbeigehen am Oberschenkel angefasst werden, uns ein Kuss auf den Mund gedrĂŒckt wird (und da war alles andere als Romantik angesagt), uns an den Busen gefasst wurde, wir bedrĂ€ngt und belĂ€stigt oder auch vergewaltigt wurden. Wir wollen diese ScheiĂe nicht mehr erleben! Und damit meine ich auch all die LuftkĂŒsschen, all eure fucking oberflĂ€chlichen Kommentare ĂŒber meinen Körper oder mein Aussehen sowie euer slut shaming und victim blaming. Ich könnte jetzt ein PlĂ€doyer darĂŒber abhalten, was das mit unserem Sicherheitsempfinden und Vertrauen anrichtet, aber nö! Darauf habe ich kein Bock. Nix Opferrolle jetzt! Sei einfach kein TĂ€ter* und damit Basta! Und alle anderen: Wir arbeiten an unserer HandlungsfĂ€higkeit und ihr bekommt gehörig auf die Fresse!
 Second: Reflect yourself!
Hast du schon einmal versucht dich aus einer anderen Perspektive zu betrachten und dein Verhalten, wie du sprichst, was du sagst und wie du dabei wirkst in Frage gestellt? Je nachdem wie deine Antwort ausfĂ€llt: Tue es (nochmal)! HĂ€ufig muss ich cis-mĂ€nnliches Verhalten so ins lĂ€cherliche ziehen, um darĂŒber zu lachen damit ich nicht denke âOh wow, das hat alles nie ein Endeâ. Konkret meine ich damit vehementes Mackertum: Es wird nicht mehr gelaufen sondern stolziert, auf dem Ubahnhof wird posiert, die Bizeps prall aufgeplustert und sowas gelabert wie âSo sieht ein richtiger Mann aus, ich könnte jede haben!â.
Ich meine ganz ehrlich, are you fucking kidding me?Â
Manchmal muss ich ĂŒberlegen, ob ich weinen oder lachen soll. Soviel Selbstironie traue ich diesen MĂ€nnern dann allerdings doch nicht zu, was das ganze zu einer traurigen Clownsshow macht.Dieses Beispiel absurder MĂ€nnlichkeitskonstruktion ist natĂŒrlich von mir bewusst gewĂ€hlt: Viele von euch denken jetzt wahrscheinlich âso bin ich ja gar nicht!â und das so seid ihr vermutlich auch nicht. Trotzdem gibt es auch bei euch Tendenzen oder MĂ€nnlichkeitskonstruktionen, die mehr oder weniger ausgeprĂ€gt sind. Ihr könnt selbst definieren wie ihr sein möchtet und mĂŒsst nicht nach einem gesellschaftlichen Konstrukt leben, welches total ĂŒberzogen und sexistisch ist. MĂ€nner* mĂŒssen keine bestimmten Rollen einnehmen oder ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen. Ich muss das ja auch nicht! Ich wĂŒrde es total super finden, wenn ihr euch hinterfragt und heraus findet wer ihr abseits dieser MĂ€nnlichkeitskonstruktion sein wollt/könnt. Und verstĂ€ndlicherweise ist das nicht nur eure Aufgabe, ich reflektiere mich stĂ€ndig und hinterfrage MĂ€nner*- und Frauen*rollen. Ich will MĂ€nnern* keine bestimmten FĂ€higkeiten und Rollen zuweisen. Eigentlich sollte es auch nicht notwendig sein ĂŒber Verhaltensweisen und -regeln zu schreiben. Doch ich bin super abgenervt von einer einseitigen Betrachtungsweise wenn es um das Thema (sexuelle) Ăbergriffe geht: Ich möchte keiner Person sagen, was sie nicht tragen darf oder wie sie sich verhalten soll um kein Opfer zu werden. Ich möchte keine Opferrollen reproduzieren und konstruieren. Ich schreibe lieber an eine bestimmte Personengruppe, aus der unter anderem Ăbergriffe erfolgen und möchte euch sagen: Hört auf mit der ScheiĂe! Werdet kein Arschloch, werdet kein TĂ€ter*!
Thirdly, you are not the only one here...Â
Dominantes und raum einnehmendes Verhalten gehen mir voll auf den ZĂŒnder. Das triggert irgendwas in mir. Vermutlich meinen Vaterkomplex. Aber so wie mir geht es vielen anderen Frauen*Trans*Inter*Queer. Woher ich das weiĂ? Hab mal drĂŒber gesprochen...
Daher gilt auf Gehwegen, am Arbeitsplatz, in Clubs, auf Konzerten oder sonst wo: Mach doch mal Platz! Keine Lust dir und deinen Sechs Freunden stĂ€ndig den Weg frei zu machen oder nen Bogen um euch zu Laufen, weil ihr rum mackert. Insgesamt geht das natĂŒrlich an alle ignoranten Menschen, die dominant rumstehen. Es ist echt dufte wenn du auf deinen RĂŒcken achtest und immer super gerade stehst aber so zu tun als hĂ€ttest du nen Superheldenanzug an und wurdest zum aktuellen `sexiest Man aliveÂŽ gewĂ€hlt ist einfach ne Nummer zu viel fĂŒr mich. Auch wenn ihr in MĂ€nner Gruppen unterwegs sein und SpaĂ habt, dann ist der Gehweg nicht nur euer Revier. In Clubs  ist es schon schwer Raum zu geben, allerdings ist massives Antanzen (und jetzt bitte keine Rassismus Keule schwingen!) echt scheiĂe wenn es nicht auf einvernehmlicher Basis beruht, das heiĂt zum Beispiel das es eine Flirtsituation ist, in der die andere Person auch flirtet und mittanzt! Checke genau ab, ob die Person da Bock drauf hat. Gleiches gilt fĂŒr Konzerte, Festivals und Dorffeste!Â
Was ich auch ĂŒberhaupt nicht leiden kann, sind so ĂŒbertriebene GenitalbelĂŒfter in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn ich da so gemĂŒtlich sitze und dann son cis-Typ sich neben mich setzt und erstmal seine Eier lĂŒftet werde ich echt aggressiv. Zum belĂŒften ist natĂŒrlich ein 90 Grad Winkel notwendig. Ich meine die Dinger werden beim Laufen so heiĂ, dass fast schon die Hose entflammt. Ne andere ErklĂ€rung fĂŒr dieses Verhalten fĂ€llt mir nicht ein. Einige MĂ€nner ĂŒbertreiben das so sehr, dass ich schon Angst habe die holen sich dabei ne Zerrung. Also bitte ĂŒbertreibt das breit beinig sitzen nicht. Ich sitze auch gerne breit-beinig da, aber nehme auf die Menschen die sich dazu setzen RĂŒcksicht. Es ist eh alles schon so beengt in den öffentlichen Verkehrsmitteln, da mĂŒsst ihr nicht auch noch DehnĂŒbungen praktizieren.
And last but not least, become an ally - solidarize with us!Â
Diesen Kampf wollen wir nicht allein fĂŒhren. Wir möchten euch alle an Board haben, denn nur so können wir sexualisierte Gewalt stoppen und Sexismus den Kampf ansagen. Das bedeutet konkret: supportet uns auf unseren Demos und Kundgebungen, lest und teilt unsere Blogs, reflektiert euren Sprachgebrauch und euer Handeln, sprecht mit euren Freund*innen.
Es ist euch vielleicht noch nicht in den Sinn gekommen aber es ist bestimmt auch sehr interessant was euer engster Freundeskreis darĂŒber denkt und welche Erfahrungen Einzelne* bereits gemacht haben. Es kann auch hilfreich sein, zu fragen was deine Freund*innen brauchen, um in Situationen sexualisierter Ăbergriffe und Gewalt handlungsfĂ€hig zu bleiben*werden. Beispielsweise kann vor einem Club besuch solch ein GesprĂ€ch gefĂŒhrt werden, so wissen alle am Abend was die* Einzelne* im (beschissensten) Fall braucht, damit Ăbergriffe nicht ohne Reaktion geschehen.
Weiterhin ist es wirklich wichtig, dass du sensibel unterwegs bist vor allem auch wenn der Party Modus an ist und viele Menschen nachts unterwegs sind. Beobachtest du etwas, was dir komisch vorkommt oder du konkret weiĂt da lĂ€uft etwas gegen den Willen einer Person, dann solidarisiere dich mit dieser Person. Aber bitte bevor du den âTĂ€ter*â angehst, frage die betroffene Person ob und wie du helfen kannst! Frage ob alles in Ordnung ist, gib der Person die Sicherheit, dass sie nicht allein ist! Binde sie vielleicht in ein GesprĂ€ch ein, wenn du dir in Situationen unsicher bist. Ich bin nachts hĂ€ufig auch allein unterwegs und in einigen Situationen hĂ€tte ich mir solche Personen gewĂŒnscht, die mir ein GefĂŒhl von âHey, du bist nicht allein!â geben. Die Verantwortung fĂŒr meine Unversehrtheit trĂ€gst auch du! Denn wir reproduzieren tĂ€glich Frauen*bilder, in denen wir als machtlos, ohnmĂ€chtig, unterlegen, gefĂŒgig und schwach erklĂ€rt werden. Daher fĂŒhle ich mich gestĂ€rkter wenn du mich vorher fragst ob alles okay ist und ob ich Hilfe brauche, bevor du*wir gegen die ĂŒbergriffige Person vorgehen. Es sei denn, mein Körper und Wohl wird gefĂ€hrdet, dann hau bitte drauf so stark du kannst.