15. Juli 2006
Mein Routenplaner ist in den Wind gesprochen
Ich fahre nach Freudenberg. Freudenberg ist tief in Badisch-Sibirien, Tauberfranken, nördlicher geht kaum in Baden-Württemberg. Da ich dort noch nie war, brauche ich eine Wegbeschreibung. In Freudenberg hatte man mir empfohlen, über Frankfurt zu fahren, das sei zwar weit, aber halbwegs intuitiv. Das kommt natürlich nicht in Frage: Es gibt ja Routenplaner. (Ein Navigationssystem habe ich im auch schon fast Jahrzehnte alten Auto nicht.)
Die erste Adresse dafür ist route.web.de, eine Metasuchmaschine für Routenplaner. Nach Eingabe von Start und Ziel kann man unter verschiedenen Diensten auswählen. Ich nehme gerne Falk oder map24. Unterwegs ist kein internetfähiges Gerät dabei, daher drucke ich die Route von Kirrlach nach Freudenberg auf einige A4-Seiten aus: Karte mit eingezeichneter Route und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wo abzubiegen ist. Der Planer enttäuscht nicht: Statt der einfachen, aber langen Route über Frankfurt schickt er mich auf Schleichwegen durch den Odenwald, ich spare ein paar Minuten und fünfzig Kilometer.
Sehr nachträglicher [2020] Screenshot von archive.org
Das Auto hat nicht nur kein Navi, sondern auch keine Klimaanlage – aber immerhin elektrische Fensterheber, so dass ich auf der malerischen Strecke irgendwo zwischen Mosbach und Walldürn ordentlich durchlüften kann. Ein Windstoß – und die schöne Route flattert durch den Odenwald. Mit Mühe, Ortsschildern und Nachfragen komme ich doch noch pünktlich in Freudenberg an. (Einen Plan B habe ich nämlich nicht einmal als papiernen Autoatlas – der wurde zumindest in diesem Auto schon lange entsorgt, weil die ausgedruckten Routen schon eine Weile aktueller und ausgefuchster als jede handnavigierte sind.) Auf dem Rückweg fahre ich dann doch über Frankfurt – ohne Plan im Dunkeln durch den Odenwald scheint mir dann doch zu riskant.
(Jahrzehnte später, 2020, ist das Navi längst überall in Gestalt der Google-Maps-App dabei. Wenn ich an einem Gerät mit Tastatur sitze und schnell eine Wegbeschreibung suche, zuckt mein linker Zeigefinger aber immer noch zum »r« wie »route.web.de« – die alte URL ist immer noch im Muskelgedächtnis, obwohl ich auch am Desktop nur noch Google Maps verwende.)
(Felix Neumann)




















