Der Eisautomat enthĂ€lt ein bisschen Zukunft und ein bisschen Vergangenheit (auĂerdem Eis)
Auf dem CampingplatzgelĂ€nde gibt es jetzt einen Eisautomaten, der im Sommer 2021 noch nicht da war. Zwar nicht fĂŒr lokal hergestelltes Spezialeis wie in Bonn oder am Bodensee, sondern nur fĂŒr Langnese, aber er sieht ganz anders aus als die mir bisher bekannten Langnese-Automaten.
Auf dem Foto ist es kaum zu erkennen, aber das dunkle Fenster oben zeigt einfach das komplett leere Innere des Automaten. Zusammen mit der Sprechblase ganz unten âBleib cool, geht bald los!â fĂŒhrt das bei mir und anderen Verwandten zu der Theorie, dass der Automat noch nicht in Betrieb ist und erst noch befĂŒllt werden muss.
Aber am zweiten Tag erfahren wir von jemandem, der es schon ausprobiert hat, dass der Automat doch Eis enthÀlt und es auch auszugeben bereit ist. Ein Wunderwerk sei es, mit ganz interessantem Innenleben!
W., der als Ingenieur beim Deutschen Zentrum fĂŒr Luft- und Raumfahrt arbeitet, sagt, das sei âhalt ein Drei-Achsen-Portalkran mit einer Saugglockeâ, und an seinem Institut stehe so ein Automat schon seit mehreren Jahren. Das mit den drei Achsen kann eigentlich so nicht stimmen, denn es sind nur zwei, und die hat jeder Portalkran, sonst wĂ€re er kein Portalkran, aber ich zitiere den Ingenieur hier nur aus der Erinnerung und wahrscheinlich hat er stattdessen etwas viel Richtigeres gesagt.
Was ich beim ersten Vorbeigehen fĂŒr aufgedruckte Eiswerbung gehalten habe, ist ein Touchscreen:
Auf dem Bonner Eisautomaten klebte noch eine laminierte Anleitung, die darauf hinweist, dass fĂŒr mehrere Eisbecher mehrere komplette KaufvorgĂ€nge nötig sind:
Das ist hier anders, dieser Eisautomat hat einen Warenkorb:
Wenn man den Warenkorb gefĂŒllt und die Bestellung abgeschlossen hat, fĂ€hrt unten im Automaten ein Deckel zurĂŒck und das Eis wird sichtbar. Eine Saugglocke hebt ein Eis heraus ...
... und transportiert es zum Ausgabeschacht.
Mein Bruder, der ebenfalls Ingenieur ist, vermutet gleich, dass das Saug- und Transportverfahren nicht schwer zu bauen ist, aber der Warenkorb schon.
Die Beschreibung des âsec°mat IC Oneâ auf der Seite des Eisautomatenunternehmens deutet an, dass er recht haben könnte, denn hier wird vor allem der Warenkorb beworben:
âBislang lĂ€uft es doch so: Man steht im Freibad und soll fĂŒr all seine Freunde ein Eis ziehen. Eins nach dem anderen. MĂŒnze fĂŒr MĂŒnze. Das erste schmilzt schon, wenn das letzte in die Ausgabe plumpst. Die Menschen in der Schlange schimpfen. Das ist nun vorbei! Auf dem interaktiven Display des sec°mat IC One stellt der Kunde sich seinen Warenkorb zusammen, zahlt zĂŒgig und gerne kontaktlos und lĂ€sst das Eis fĂŒr den gesamten Freundeskreis in einem Rutsch nach drauĂen gleiten. Doch nicht nur damit springt der forsche Stolz unserer Manufaktur als erster Eiscreme-Automat mit beiden Beinen voran in die Zukunft.â
âIn einem Rutsch nach drauĂen gleitenâ klingt besser, als es ist, denn jedes Eis aus dem Warenkorb muss separat und ganz langsam aus den FĂ€chern geangelt und im Ausgabeschacht abgelegt werden. Insgesamt dauert alles (gefĂŒhlt, nicht gemessen) genauso lange wie bei anderen Automaten, weil nicht der Kaufvorgang, sondern das Ausgabeverfahren der Geschwindigkeits-Flaschenhals ist.
Von âgerne kontaktlosâ weiĂ unser Automat auch nichts, er akzeptiert nur MĂŒnzen und kleine Scheine.
Warum man an dieser Stelle mit dem Einbau von Zukunft aufgehört hat, weiĂ ich nicht. Vielleicht ist eine Aufgabe dieses Automaten, Wechselgeld fĂŒr den Campingplatzshop einzusammeln, neben dem er steht. Der Shop ist winzig und hat noch viele andere Aufgaben. Bisher musste man dort oft lange warten, und auch das ist jetzt vielleicht durch die Auslagerung des Eisverkaufs besser geworden.