Anfang März 2021 mit einem Rückblick auf den September 2017
Transkribieren ist jetzt nicht mehr mühsam, nur noch teuer
Alexander Krützfeldt: Benutzt du solche dinge wie trint?
Kathrin Passig: hab ich noch nie, funktioniert das denn jetzt endlich?
(Trint ist ein Tool zur automatischen Transkription von Audioaufnahmen. Dass ich es noch nie benutzt habe, stimmt nicht. Ich habe es 2017 ausprobiert und das auch aufgeschrieben. Daran erinnere ich mich nur in diesem Moment nicht.)
Alexander Krützfeldt: Also erstaunlich gut eigentlich
Kathrin Passig: meine Audioaufnahmen sind halt immer nur so "Moment! ich will das aufzeichnen!" und dann eben voller Nebengeräusche
Alexander Krützfeldt: Also natürlich nie fehlerfrei, aber gerade bei den Textmengen, die ich für die interviews habe, sehr angenehm. Das filtert der gut weg jetzt. Er erkennt sogar theoretisch mehrere Sprecher.
Ich bin sofort bereit, Trint-Kundin zu werden, denn ich habe einige Hundert untranskribierte Audiodateien, die darauf warten, zu Techniktagebuchbeiträgen zu werden. Wie teuer kann es schon sein?
Die Antwort ist leider: sehr. Zwischen 44 und 60 Euro müsste man dafür bezahlen, im Monat! Als ich im Techniktagebuch-Redaktionschat davon berichte, erfahre ich von Marlene Etschmann, dass sie mit Amberscript arbeitet. Das ist auch nicht billig, es kostet 20 Euro pro Audioaufnahme-Stunde, aber wenigstens muss man nicht gleich ein Abo abschließen.
Ich suche die Testdatei von 2017 heraus und lasse sie mit Hilfe von Alexander ein zweites Mal bei Trint transkribieren, was ungefähr eine Viertelstunde dauert. Vor dreieinhalb Jahren lautete das Ergebnis noch so:
Bestimmter bestimmte bestimmte Strassenseite und andere bestimmte kleine Schlenker über den Weg bis an mein Lebensende diese Wege gehen. Weltwahrnehmung. Menschen. Politisch. Entscheiden. Wobei das in diesem Fall eine Veränderung zum Besseren ist weil natürlich immer relevant immer die landschaftlich interessanter sind wie wir sie früher angegangen werden. Im Zweifelsfall so gegangen waren Pferde oder jetzt nämlich eher die schönen Wege. Nicht gesagt. Es. Ist.
Das war offenbar der gesamte erkannte Text einer siebeneinhalbminütigen Aufzeichnung, denn im daraus entstandenen Beitrag beschwere ich mich, dass Trint etwa 80% der Aufnahme gar nicht erst transkribiert hat. Diesmal wird die ganze Aufnahme bearbeitet. Der in der alten Version noch komplett rätselhafte Abschnitt ist verständlicher geworden, er lautet jetzt:
Ich hab ja auch den Verdacht, dass das für mich, also dass das jetzige Pokémon Go spielen, für den Rest meines Lebens Folgen haben. Wir werden einfach bestimmte Wege angewöhnt, bestimmte Straßenseite wichtiger nehmen als andere bestimmte kleine Schlenker, die ich mache oder Entscheidungen über den wirklich nur wegen Pokémon Go irgendwann aufhören zu spielen, aber wahrscheinlich bis an mein Lebensende diese Wege gehen und danach Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das. Und wenn man sich überlegt, dass die Wege, die man nimmt. Wie man die Welt wahrnimmt und wie man solchen Menschen begegnet, die man sich politisch entscheidet. Sind Spiele eine große Verantwortung. Wobei das in diesem Fall zu einer Veränderung deutlich zum Besseren ist, weil natürlich die Pokemon relevanten Wege immer die landschaftlich interessanteren und schöneren Wege sind, die ich früher nie gegangen bin. Da bin ich im Zweifelsfall so gegangen, wie die U-Bahn fährt oder wie ich mit dem Fahrrad fahren würde. Jetzt nehme ich eher die schönen Wege, wenn ich ihm nicht gesagt, dass es gesellschaftlich hilfreich ist, dass soziale Brennpunkte besucht gehören.
Man kann erahnen, dass ich in der Aufnahme von den Veränderungen in meinem Herumlaufverhalten durch Pokémon Go erzähle. (Das war nicht der Grund für die Gesprächsaufzeichnung, eigentlich wollte ich nachträglich festhalten, was Jan Kalbitzer über seine Withings-Armbanduhr erzählte.)
Ich teste gleich noch Amberscript, wofür ich erst mal die Audioaufnahme mit VLC in ein unterstütztes Format umwandeln muss. Trint konnte mit .ogg umgehen, Amberscript kann es nicht. Ich muss noch angeben, dass es sich um “German – 2 speakers” handelt, dann kann ich die Transkription starten. Drei Minuten lang steht da, dass meine Aufnahme in einer Warteschlange steht, dann wechselt die Auskunft zu “Your audio/video is being transcribed. This can take up to 1h.” Es dauert aber keine Stunde, sondern nur noch mal drei Minuten.
Ich hab ja auch den Verdacht, dass das für mich, also dass das jetzige Pokémon Go spielen, für den Rest meines Lebens Folgen haben. Wir werden einfach bestimmte Wege angewöhnt habe bestimmte Straßenseite wichtiger nehmen als andere bestimmte kleine Schlenker, die ich mache oder oder Entscheidungen über den Weg, nur wegen Pokémon Go irgendwann aufhören zu spielen, aber wahrscheinlich bis an mein Lebensende diese Wege gehen und diese Nacht Auswirkungen auf die Gesellschaft. Und wenn man sich überlegt, dass die Wege, die man nimmt, auch Auswirkung darauf haben, wie man die Welt wahrnimmt und wie man solchen Menschen begegnet, wie man sich politisch entscheidet. Es spielt ja eine große Verantwortung. Wobei das in diesem Fall zu einer Veränderung deutlich zum Besseren ist, weil natürlich die Pokémon Go relevanten Wege immer die landschaftlich interessanteren und schöneren Wege sind, die ich früher nie gegangen bin. Da bin ich im Zweifelsfall so gegangen, wie die U-Bahn fährt oder wie ich mit dem Fahrrad fahren würde. Und jetzt nehme ich eher die schönen Wege, wenn ich ihm nicht gesagt, dass es gesellschaftlich hilfreich ist, soziale Brennpunkte besucht zu werden. Stimmt, das muss ich dir alles noch erzählen, aber das muss ich glaub ich nicht aufnehmen.
Die Sprecherwechsel in diesem Abschnitt haben weder Trint noch Amberscript mitbekommen. Davon abgesehen fehlt eigentlich nicht viel. Ich kann den Text jetzt noch weiterbearbeiten und dabei an die entsprechende Stelle in der Audiodatei springen, um sie mir noch mal anzuhören. Das geht bei Trint superbequem und bei Amberscript etwas weniger bequem, aber auch noch viel einfacher als bei meinem bisherigen Verfahren. Danach bin ich noch beeindruckter vom Fortschritt, weil die Aufnahmequalität wirklich nicht gut ist. Wir sind zu Fuß unterwegs, ich halte das aufnehmende Handy auf gut Glück irgendwie und rede extrem schnell.
Was also wirklich gesagt wurde, manuell nachkorrigiert:
Kathrin: Ich hab ja auch den Verdacht, dass das für mich, also dass das jetzige Pokémon-Go-Spielen, für den Rest meines Lebens Folgen haben wird. Weil ich mir einfach bestimmte Wege angewöhnt habe, bestimmte Straßenseiten, die ich lieber nehme als andere, bestimmte kleine Schlenker, die ich mache, oder ... oder Entscheidungen über den Weg, die ich nur wegen Pokémon Go mache. Irgendwann werde ich aufhören zu spielen, aber wahrscheinlich bis an mein Lebensende diese Wege gehen.
Jan: Das hat ja dann auch Auswirkungen auf die Gesellschaft. Und wenn man sich überlegt, dass die Wege, die man nimmt, auch Auswirkung darauf haben, wie man die Welt wahrnimmt und wie man, welchen Menschen man begegnet, wie man sich politisch entscheidet – da haben solche Spiele ja eine große Verantwortung.
Kathrin: Ja, wobei das in diesem Fall zu einer Veränderung deutlich zum Besseren ist, weil natürlich die für Pokémon Go relevanten Wege immer die landschaftlich interessanteren und schöneren Wege sind, die ich früher nie gegangen bin. Da bin ich im Zweifelsfall so gegangen, wie die U-Bahn fährt oder wie ich mit dem Fahrrad fahren würde. Und jetzt nehme ich eher die schönen Wege.
Jan: Ist ja nicht unbedingt gesagt, dass das gesellschaftlich hilfreich ist. Kann auch hilfreich sein, dass man soziale Brennpunkte besucht oder so was.
Kathrin: Stimmt, das muss ich dir alles noch erzählen, aber das muss ich glaub ich nicht aufnehmen.
Jetzt kann ich also endlich mit vertretbarem Arbeitsaufwand dokumentieren, was Jan Kalbitzer 2017 über seine Withings-Uhr zu erzählen hatte.
(Kathrin Passig)














