13. September 2017
Im Zweifelsfall so gegangen waren Pferde
Ich habe eine große Menge untranskribierte Audioaufzeichnungen auf meiner Festplatte, vor allem Gespräche aus den letzten Lebensjahren meines Vaters und Technikberichte fürs Techniktagebuch. Thomas Wiegold hat mir vor ein paar Wochen diese Liste neuer Transkriptionstools gezeigt, und heute probiere ich ein paar davon aus.
Bei happyscribe.com muss ich meine Audiodatei hochladen, für 7 Minuten 70 US-Cent bezahlen (in einem äußerst geschmeidigen Bezahlverfahren per Kreditkarte), und wenige Minuten später erhalte ich meine Transkription. Der erste Satz lautet “Dürfen alleine gehen in Schwäbisch Hall Lichtempfänger, Schiffsbegrüßungsanlage Professional." Und so geht es auch weiter. Ich fühle mich für meine 70 Cent angemessen unterhalten.
Bei trint.com kann man 30 Minuten gratis zu Testzwecken transkribieren lassen. Ich lade meine Datei hoch. Es geht etwas schneller als bei happyscribe, dann lese ich:
Bestimmter bestimmte bestimmte Strassenseite und andere bestimmte kleine Schlenker über den Weg bis an mein Lebensende diese Wege gehen. Weltwahrnehmung. Menschen. Politisch. Entscheiden. Wobei das in diesem Fall eine Veränderung zum Besseren ist weil natürlich immer relevant immer die landschaftlich interessanter sind wie wir sie früher angegangen werden. Im Zweifelsfall so gegangen waren Pferde oder jetzt nämlich eher die schönen Wege. Nicht gesagt. Es. Ist.
Beide Tools haben etwa 80% des gesamten Gesprächs einfach weggelassen. Meine Aufnahme war von zweifelhafter Qualität, dieser Test ist also sicher ungerecht der Transkribiersoftware gegenüber. Aber ich kann ja meine Gesprächspartner nicht mit einem großen Mikro erschrecken oder erst an einen Ort mit weniger Hintergrundgeräuschen bitten. Sie erzählen mir ihre Geschichten dort, wo sie gerade sind, und mein Handy hält sich dabei irgendwo in der Nähe des Gesprächspartners auf. Mehr geht schlecht bei Gesprächen, die sich zufällig ergeben. Und ich kann meine Aufnahmen meistens gut verstehen, es ist also nicht undenkbar, dass Software es eines Tages auch können wird.
Das dritte Tool, otranscribe.com, soll lediglich das Selbertranskribieren komfortabler machen, und das tut es auch ganz gut und kostenlos im Browser. Bei dem bleibe ich.
(Kathrin Passig)










