Juli 2026
Barockmusik ist moderner als Jazz â zumindest beim Spendensammeln
Ich gehe ins Konzert, auf der BĂŒhne wird Barockmusik gegeben. Statt Eintrittskarten zu verkaufen bittet das Ensemble um Spenden. Zuhause fĂŒlle ich also mein SĂ€ckel mit gĂŒldenen Talern, um den Musiker:innen mein Gefallen auszudrĂŒcken, denn bei Spenden denke ich automatisch an Bargeld. Und werde ĂŒberrascht: Neben der Spendenbox fĂŒr gĂŒldene Taler gibt es eine zweite mit einem QR-Code, der zum Zahlungsdienstleister Paypal fĂŒhrt.
Der Altersdurchschnitt des Publikums ist deutlich ĂŒber 50 Jahre. Das lĂ€sst sich leicht feststellen, weil nur 25 Personen anwesend sind. Viele zĂŒcken kurz ein Smartphone, um Fotos vom Ensemble zu machen, aber niemand nutzt den QR-Code zum spenden. Ich auch nicht, weil ich mir nicht extra fĂŒr diese eine Spende die App auf dem Telefon installieren will.
Am selben Tag besuche ich eine weiteres Konzert auf Spendenbasis, diesmal Jazz. Die Veranstaltung ist professionell organisiert, im Vorfeld gab es viel Ăffentlichkeitsarbeit und die BĂŒhnentechnik ist aufwendig. Das Publikum ist deutlich gröĂer und deutlich jĂŒnger als beim Barockkonzert. Es ist eine ungezwungene Freiluftveranstaltung, deshalb halten viele stĂ€ndig ein Smartphone in der Hand. Es werden Fotos und Videos von der BĂŒhne und der Umgebung gemacht, Nachrichten gelesen und beantwortet, Social Media durchscrollt und andere Smartphonedinge getan. Die perfekte Umgebung fĂŒr eine bargeldlose Spende. Es gibt aber keinen QR-Code. Nicht an der groĂen Wand, die die Konzertlocation begrenzt. Nicht auf der BĂŒhne, die sehr sehr oft fotografiert wird. Nicht auf der Fahne, die mitten im GelĂ€nde hĂ€ngt. Nicht mal auf den Schuhkartons, in denen die Barspenden eingesammelt werden. Hier endet die ProfessionalitĂ€t. Die Kartons sind mit Logos der Konzertreihe beklebt und sehen aus, als hĂ€tte eine Kindergartengruppe mĂ€chtig viel SpaĂ gehabt. Die Musik ist trotzdem sehr schön.
(Marlene Etschmann)












