Die Weihnachtsbaumbeleuchtung ist erst sicher, dann schön und irgendwann sogar beides
Als ich 1969 zur Welt komme, sind da bereits drei Kinder im Alter von sechs, acht und zehn Jahren. Aus SicherheitsgrĂŒnden gibt es deshalb keine âechtenâ Kerzen am Weihnachtsbaum, also keine Wachskerzen mit offener Flamme. Wann ich lerne, dass man einen Weihnachtsbaum auch anders beleuchten kann als elektrisch, weiĂ ich nicht mehr. In der Kiste mit dem Baumschmuck liegen auch Kerzenhalter fĂŒr Wachskerzen, sie werden aber nie benutzt. Ich kenne nur die elektrische Beleuchtung und die besteht aus etwa zwanzig Kerzennachbildungen aus Kunststoff, die mit einem Kabel verbunden sind und auf die Ăste gesteckt werden. Die âFlammenâ sind kleine GlĂŒhlampen mit geriffeltem Glas. Die Lichterkette hat keinen Schalter; man kann das Licht auf zwei verschiedene Arten löschen: Stecker aus der Steckdose ziehen oder eine der GlĂŒhlampen lose drehen, bis sie den Kontakt verliert und der Stromkreis unterbrochen wird. Bei Letzterem muss man sich die entsprechende GlĂŒhlampe merken oder beim nĂ€chsten Einschalten alle zwanzig durchprobieren.
In den 1980er Jahren wÀchst bei den Romantikern in der Familie die Sehnsucht nach Wachskerzen; die Feuerwehrleute sind skeptisch. Die alten Kerzenhalter zu nutzen kommt nicht infrage. Die Federklemme befestigt den Halter zwar sicher am Baum, aber trotz eines Kugelgelenks ist nahezu unmöglich, die Kerze lotrecht auszurichten.
Nicht mal die Romantiker haben Lust, das abgetropfte Wachs der schief stehenden Kerzen vom Boden zu kratzen. Eine neue Bauart von Kerzenhaltern bringt Besserung: Die Balancehalter werden nur lose ĂŒber den Zweig gehĂ€ngt, die schwere Metallkugel bringt die Kerze ins Lot.
Man muss trotzdem aufpassen, dass die Kerzenflamme genug Abstand zum nĂ€chsten Zweig oder Strohstern hat. Die Feuerwehrleute sind weiterhin besorgt. Die Wachskerzen werden nur am Heiligabend entzĂŒndet und wenn Besuch kommt; den Rest der Zeit leuchten die elektrischen Lichter.
In den 1990er Jahren kommen Lichterketten auf, die den heutigen LED-Ketten Ă€hnlich sehen. Es können aber keine LED sein, denn die kommen erst Mitte der 2000er fĂŒr Beleuchtungszwecke auf den Markt. Welche Technik darin steckt, erinnere ich nicht. Im Redaktionschat wird gemutmaĂt, dass es winzige GlĂŒhbirnen sind, wie hier beschrieben. Die Halter fĂŒr die Leuchtmittel sind nur so groĂ wie unbedingt nötig, die Kerzennachbildung ist verschwunden. DafĂŒr haben die Ketten viel mehr LĂ€mpchen auf zwei bis drei Metern Kabel, ich schĂ€tze hundert StĂŒck.
Der Weihnachtsbaum in unserer Familie ist traditionell groĂ; wir haben immer mindestens drei Lichterketten im Einsatz. Die Kabel durch den Baum zu winden, so dass man möglichst wenig von ihnen sieht und die Lichter gleichmĂ€Ăig verteilt sind, ist mĂŒhsam.
Anfang der 2000er Jahre wird auch die Echtkerzenbeleuchtung sicher. Es gibt jetzt Glaskugeln, die man wie gewöhnliche Christbaumkugeln in den Baum hĂ€ngt. Sie sind aber aus deutlich dickerem Glas und haben eine Ăffnung, durch die man ein Teelicht einsetzen kann.
Die obere HĂ€lfte der Kugel wird durch die Kerzenflamme deutlich ĂŒber 100°C heiĂ. Daran kann man sich ordentlich die Finger verbrennen, es besteht aber nicht die Gefahr, dass etwas in Flammen aufgehen könnte. Die Romantiker freuen sich, dass sie die Kerzen völlig frei im Baum platzieren können; die Feuerwehrleute atmen auf.
2016 hĂ€lt die Ăberwurflichterkette Einzug. An einem Kunststoffring sind acht Lichterketten mit jeder Menge LED befestigt. Man stĂŒlpt den Ring ĂŒber die Spitze des Baumes und lĂ€sst die acht Ketten herunterfallen. Damit sind die Lichter automatisch gleichmĂ€Ăig verteilt, es muss nur noch wenig nachjustiert werden.