Somit ist es (fast) endgültig: Heute habe ich sowohl mein langjähriges Facebook-Profil (ich glaube, ich war da seit 2009) wie auch meinen Instagram-Account, den ich seit 2012 hatte, gelöscht.
Zwar könnte ich beide Konten noch bis zum 14. Februar 2025 reaktivieren, aber das wird nicht geschehen.
Was dort gerade geschieht, ist in meinen Augen der absolute Tiefpunkt der bisherigen Geschichte der Social Media. Ja, es gab die Übernahme von Twitter durch Musk. Auch das war und ist furchtbar, allerdings hat man von Musk kaum etwas anderes erwartet. Was als kommunikative Plattform begann, ist mittlerweile eine digitale Hölle aus Hass, Beleidigung und Verachtung.
Das Zuckerberg in einem vorauseilenden Gehorsam vor Trump die Richtlinien für seine Plattformen Facebook, Instagram und Thread drastisch ändert, hätte ich tatsächlich so nicht ewartet.
So sehen diese Regeln z.B. aus:
Im Klartext: Transmenschen und Homosexuelle können als psychisch krank bezeichnet werden. Das möchte ich nicht noch durch meine Anwesenheit dort unterstützen.
Gerade Facebook hat meine Generation in eine Abhängigkeit geführt. Der tägliche Blick auf die Timeline, die netten Kontakte, die verrückten Geschichten, die albernen Bilder. Das gehörte für mich wie für viele Millionen zum Alltag. Facebook ist dabei so bequem für die Anwender. Das Zuckerberg mit meinen Daten Geld verdient hat, habe ich schlichtweg verdrängt.
Ich kann Menschen verstehen, die sich nicht von Facebook trennen wollen, weil sie dort Kontakte zu lieben Freunden, zu Familienmitgliedern, zu Bekannten aufrecht erhalten können. Gerade auch bei Menschen, die vielleicht in einem anderen Land oder sogar auf einem anderen Kontinent leben. Aber geht diese Kontaktpflege nur über Facebook? Gibt es nicht E-Mail, Telefon, Skype, Blogs?
Facebook hat es uns verdammt leicht gemacht.
Dann kam irgendwann Instagram und ich habe den Hype um diese schrottige Plattform nie verstanden. Jeder Post muss ein Bild enthalten. Und so sind mir wirklich tolle Fotos untergekommen, aber leider auch schaurige Grafiken. Es ist halt der Zwang zum Bild. Nur: Wenn man schon aufs Bild, aufs Visuelle setzt, warum dann in diesem Winzformat, das Instagram vorschreibt? Ja, natürlich geht es um die Darstellung auf den Smartphones, aber es gibt auch immer noch Menschen, die das Internet gerne auf Laptops oder PCs benutzten und damit oft einen größeren Bildschirm haben.
Und Instagram übt noch viel mehr Zwang aus: Um die Beiträge zu sehen, muss man über ein Konto verfügen.
Verlinkungen auf Webseiten - das Rückgrat des Internets - waren am Anfang nicht, später dann nur rudimentär in den Storys erlaubt. Dann schließlich wollte man Instagram zu einem TikTok2 umbauen, indem man die Besucher mit Videos, Reels und Livesessions zuballerte.
Es tut mir wirklich leid: Ich habe da sehr lesenswerte Buchkritiken gelesen - über fünf Kommentare verteilt. Da bin ich dann auch raus. Ein halbwegs gut gepflegtes Blog mit einem schönen Textlayout (Ihr wisst schon, Absätze, Zwischenüberschriften, Quellen und so weiter) ist mir da deutlich lieber. Und ich kann mir das abspeichern bzw. finde das über die Suche wieder. Versuch einfach mal, bei Instagram eine Buchkritik von vor zwei Jahren zu finden - wenn Du sie Dir nicht gemerkt hast. Furchtbar.
Meta sperrt auf seinen Plattformen seine Nutzer ein. Ohne Anmeldung und Konto funktioniert nichts. Das X/Twitter dies seit einigen Jahren ja nun auch tut, wundert in dem Zusammenhang nicht.
Blog - ob nun hier bei Tumblr oder Wordpress oder selbstgehostet - haben den Vorteil, dass sie auch ohne Konto, ohne Anmeldung lesbar sind. Niemand muss ein Tumblr-Konto haben, um dies hier zu lesen.
Vielleicht ist es einfach an uns Nutzer*innen, sich diesen Zwangsplattformen zu entziehen. Das wird möglicherweise unbequemer, weil es uns nicht nur Facebook, sondern eben auch Insta leicht gemacht haben. Raus aus der Komfortzone der sozialen Netzwerke - ohne auf das Internet zu verzichten.
Ich spüre auf jeden Fall eine enorme Erleichterung durch das Löschen der Meta-Apps. Wir werden uns auch ohne Facebook, Insta oder Threads lesen - denn gelesen (und gestaunt) wird immer!