Hilfe, Kunde schreit nach Umsatz!
Ich bin absoluter TV-Junkie. Fernsehen lĂ€uft immer wenn ich zuhause bin, auĂer beim Sex. Also beim Sex zu zweit. Aber ich habe kein HD. Flach ist mein Bildschirm, aber HD kann er nicht. Mein ZweitgerĂ€t hat eine Röhre, Diagonale geschĂ€tzte 40. Zentimeter, nicht Zoll.
Mir ist der Inhalt von Sendungen wichtiger als die bespielte FlÀche oder die SchÀrfe.
Klar, ich mag das scharfe HD auf dem GerĂ€t meiner Eltern, wenn ich sie besuche, das ist ein Fortschritt, keine Frage. Mein nĂ€chstes TV wird sicher auch HD beherrschen - gibt es ĂŒberhaupt noch SD-Fernseher? Ich könnte mir jetzt kaufen, was ich laut Werbung schon lange haben sollte. Geld wĂ€re da. Aber ich sehe es nicht ein.
Inhalte in HD gibt es zwar inzwischen genug. Danke an die Ăffentlich-rechtlichen an dieser Stelle - so zaghaft mir die Strategie seit ca. 2005 vorkam, sie hatte im Nachhinein betrachtet Hand und FuĂ. Allerdings ist HD bei tagesschau, Diskussionsrunden, NadA oder der heute show nicht so wichtig. Und nur fĂŒr Tatort oder Sport in HD mache ich aus einem funktionierenden GerĂ€t keinen Elektroschrott.
Ich habe mir fĂŒr meine SetTop-Box einen Konverter fĂŒr 50 Euro gekauft, der die HDMI-Signale zu FBAS/Composite umwandelt. Die Box brauche ich, HD nicht.
Was mich teilweise auch vom Umstieg auf HD abhĂ€lt und unglaublich ankotzt, ist dieses unsĂ€gliche HD+ der Privaten. Schon alleine, dass sie monatlich Geld dafĂŒr wollen, dass ich mir die Werbung daraufhin in Hochglanz anschaue, finde ich befremdlich.
Aber das allermerkwĂŒrdigste bei HD+ sind dieses âVorspulverbotâ und die zeitlichen Begrenzungen der Aufnahmen, dass man sie also nur ne Woche oder so anschauen kann und sie nicht auf andere GerĂ€te speichern kann. Löschen Sie Ihre Daten nicht, wir löschen sie fĂŒr Sie. Mist, heute ist der letzte Tag, an dem ich Sendung X noch anschauen kann. Dann rette ich die Welt eben morgen? Toller Service, nah am Kunden.
Sofern ich HD+ hĂ€tte, wĂŒrde ich also ein bis zwei Mal dafĂŒr bezahlen, den Inhalt zu bekommen (HD+-GebĂŒhr sowie Werbung aushalten, wenn ich live schaue), und dann hĂ€tte ich den Inhalt noch nicht mal wirklich?
Heute ist es leichter denn je, sich sendezeitunabhÀngig einen X-beliebigen Film oder irgendeine Serie aus dem Netz zu streamen.
Einfach. DAU-tauglich. Per Fernbedienung. Ohne Computer. In HD, wenn man will. Ohne Werbung. Noch Wochen nach der Ausstrahlung. Auf Wunsch im Originalton. Mit Untertitel. Kostenlos.
Danni Lowinski, nur so zum Beispiel. Ein groĂartiges Werk eines ansonsten zu Recht sterbenden Privatsenders.
Diese Serie gibt es auf den ĂŒblichen einschlĂ€gigen Seiten. Rechts oben, unter dem Sat.1-Ball der Sat.1-Erbse, steht, nach Auswahl des richtigen Streams, âHDâ. Hundertprozentig wirksam ist der HD+-Kopierschutz also nicht, versierte Raubmordkopierer hĂ€lt der nicht auf. Nur einer muss ihn knacken, und tausende können den Inhalt daraufhin genieĂen.
Und sie tun das auch, denn das Produkt ist besser als das, was der Sender bietet.
Der Kopier- und WerbungsĂŒberspringschutz nervt alle Kunden und hĂ€lt die wirklichen bad guys nicht auf. Er spielt ihnen in die HĂ€nde.
Wer zeichnet denn seine Lieblingsserie wirklich auf, um sie tags darauf oder am Wochenende mit der Werbung und den Trailern fĂŒr Sendungen, die inzwischen eh schon gelaufen sind, anzuschauen, wenn die gleiche Serie werbefrei 5 Mausklicks oder FernbedienungstastendrĂŒcke entfernt ist?
Das BedĂŒrfnis, auf solche Seiten zu gehen und deren Betreiber mit Werbeeinnahmen zuzuscheiĂen wĂ€re aber auch deutlich geringer, wenn HD+ nicht so verkrĂŒppelt wĂ€re.
Die Privatsender wiederholen die Fehler der Musikindustrie mit ihrem aber nur auf 2 GerĂ€ten und nicht im Auto hören, und wenn du nen neuen PC kaufst, ist deine Musik weg-DRM. VerstĂ€ndlich, war ja auch ein erfolgreiches Konzept, den Plattenfirmen geht es ja so gut wie nie. Und auĂerdem machen es die Printmedien (Zeitungs- und vor allem Buchverlage) ja auch so, und auch diese Branche steht ja top da.
Die Sender und andere Rechteinhaber beklagen sich, dass andere Leute mit ihren Inhalten illegal Geld verdienen.
Das stimmt, und von einem neutralen Standpunkt aus gesehen ist das auch nicht in Ordnung.
Aber es zeigt zunĂ€chst mal, dass ein Markt da ist. Eine MarktlĂŒcke, um genau zu sein, fĂŒr legale Angebote. WĂ€ren die Sender oder Studios die Betreiber von kino.to gewesen, hĂ€tten sie mehr verdient, als sie es bis dato getan haben oder jetzt tun, nicht zuletzt weil viele User schon gar kein BedĂŒrfnis verspĂŒrt hĂ€tten, sich nach anderen (illegalen) Angeboten umzusehen.
(Das Problem ist wahrscheinlich, dass diese UmsĂ€tze nicht das Maximum dessen sind, was die Rechteinhaber aus den Kunden theoretisch rausquetschen könnten. Zu diesem Zweck wird noch die passende Verarsche gesucht. Zwar könnte man jetzt schon Geld verdienen und das Produkt spĂ€ter kastrieren, aber es ist ja eh viel spannender, Marktanteile spĂ€ter von verlorenem Posten aus zurĂŒckerobern zu versuchen.)
Der Traum eines Unternehmers: Haufenweise Kunden fĂŒr ein einzigartiges Produkt, das mit vorhandenem Know-How einfach machbar ist.
Stand 2012: RTL und VOX NOW, Maxdome, was weiĂ ich. Will ich auch gar nicht genau wissen, wenn ein Hulu kommt, krieg ich das schon mit.
âWer wird MillionĂ€r?â lediglich eine Woche lang verfĂŒgbar nach Ausstrahlung - mĂŒssen die Privaten jetzt auch depublizieren?
Kostenlose 3 Minuten und 23 Sekunden aus irgendeiner Teeniekomödie, vorab, vor Kinostart, tolle Wurst. Den Kunden verarschen und sich dann fragen, was er denn noch will, bis er zufrieden ist?
Hat schonmal wer versucht (ich wĂŒsste nicht wieso, aber wir sind ein freies Land) taff oder TV Total auf der Pro7-Seite nachtrĂ€glich anzuschauen? Das gibt erstens Augenkrebs und zweitens wahlweise Herzinfarkt oder Darmdurchbruch, so userunfreundlich wie die Seiten gestaltet sind.
Kauft meinetwegen die ZDF-Mediathekssoftware und baut PayPal ein - nicht perfekt, aber dagegen wirken eure âPortaleâ wie BTX gegenĂŒber CompuServe.
Noch besser wĂ€re natĂŒrlich ein offizielles gemeinsames Videoportal der Sender. Ein Portal, in dem ich alles bekomme, nicht eines pro Sendergruppe. So wie auf meinem Fernseher, da habe ich auch alle Sender "in einem Portal". LautstĂ€rke Ă€ndern, Videotext oder EPG aufrufen, Helligkeit einstellen - geht bei jedem Sender gleich. Gut - da hat das Kartellamt jetzt kalte FĂŒĂe bekommen, dafĂŒr können die Sender erstmal nichts. Aber das letzte Wort kann da noch nicht gesprochen sein, es gibt sicherlich Wege, das wettbewerbsrechtlich unbedenklich zu halten. Durch ne offene API in jedem Portal, beispielsweise, so dass dritte Seiten oder Programme die Inhalte zusammenfassen können. Da muss man halt mal kreativ werden.
Es scheint mir eh das logischste zu sein, so cloudbasiertes TV. Warum sollen tausende Zuschauer Plattenplatz auf dem Festplattenreceiver fĂŒr ein- und dieselben Bits verschwenden, wenn eine zentrale Speicherung ausreicht? DafĂŒr wurde die Cloud doch erfunden: den Zugriff auf Daten durch mehrere User, ortsunabhĂ€ngig. Und das Beste ist: Datensicherheit spielt keine Rolle, denn die Daten enthalten keine âGeheimnisseâ. Es ist nur aufgezeichnetes Fernsehen.
Ich bin bereit, fĂŒr ordentliches Videostreaming Geld zu zahlen.
Wenn das Produkt stimmt. Ich also schnell und einfach das bekomme, was ich will. Leihweise, zum einmal anschauen oder fĂŒr ne Woche, und fĂŒr Sammler wie mich wahlweise auf Lebenszeit fĂŒr etwas mehr digitales Geld.
(Wobei dieses Leihkonzept auch nur seine Berechtigung hatte, als man Daten noch hĂ€ndisch durch die Gegend tragen musste, auf magnetisierten BĂ€ndern oder Silberscheiben - jetzt wiederum ist das auch nur der Versuch, einen Kunden mehrmals fĂŒr die gleiche Leistung abzukassieren. Produziert neue gute Inhalte, wenn ihr neues gutes Geld wollt.)
Dann, wenn es genauso einfach ist, fĂŒr das Produkt zu bezahlen und es mit gutem Gewissen zu konsumieren, wie im XBMC das xStream-Plugin anzuwerfen.
Dann wenn ich auch auf legalem Wege die Auswahl habe, alte Serien oder Filme zu schauen, im Originalton wenn ich will, mit finnischen Untertiteln, wenn ich lustig bin.
Dann, wenn ich einen Mehrwert gegenĂŒber den illegalen Angeboten habe, weil ich eine Ăbersicht aufrufen kann, welche Episoden ich schon gesehen habe und welche nicht.
Dann, wenn mich meine TV-Sender beim Konsum ihrer Produkte unterstĂŒtzen, anstelle es mir maximal unangenehm zu machen, dann, versprochen, werde ich das Portal nutzen und dafĂŒr bezahlen.
Ich fĂŒrchte, ich werde noch lange auf meinem Geld sitzen bleiben.